Monat: Mai 2017

Aussicht auf eine bessere Zeit, scheint es nicht zu geben…

Aussicht auf eine bessere Zeit, scheint es nicht zu geben…

Wochenenden haben irgendwie einen besonderen Fluch.

Wenn Menschen bei dem angenehmen Wetter draußen sitzen und sich ein kühles Bier trinken andere zu Hause den Kühlschrank aufmachen und die Qual der Wahl haben, was sie essen sollen, gibt es auch genau das Gegenteil.

Nicht möglich in unserem Land? Doch das Gegenteil von wohlfühlen und Wohlstand gibt es sehr wohl und das immer und immer mehr.

Nehmen wir nur die Geschichte von Antje und Steffen, sie haben eine Tochter und mussten aus ihrer Wohnung raus, weil sie voller Schimmel war.

Als wenn das nicht schon schlimm genug ist, müssen sie finanzielle Einbußen erleben, die einen Normalverdiener wahrscheinlich um den Verstand bringen würden.

Steffen ist Frührentner und wird in den nächsten Wochen im Krankenhaus behandelt, viel bewegen kann er sich nicht, seine Frau macht schon einiges, kann aber auch nicht alles machen.

Die niedrige Rente reicht in keinster Weise und deshalb beziehen sie Hartz4.

Antje ist auch nicht vollkommen gesund und wartet auf Behandlungen, die es ihr dann irgendwann wieder ermöglichen arbeiten zu gehen.

Maja ist 9 Jahre steht der Situation der Eltern sehr tapfer entgegen, wenigstens kann sie noch lachen, was die Eltern eher nicht mehr können – hier fließen Tränen.

Der Umzug, den das Amt übernahm, lief auch nicht wie geplant – das Umzugsunternehmen, hatte für nur einen kleinen Teil, der ganzen Sachen ein Angebot erstellt – dieses akzeptierte das Amt, ein weiteres kommt nicht in Frage.

Nun wurden die Sachen in der alten Wohnung abgebaut aber in der neuen Wohnung, nicht wiederaufgebaut, Maja muss auf der Erde, auf einer Matratze, schlafen. Die Eltern liegen auf der viel zu engen Couch und hoffen auf ein Wunder.

Doch ein Wunder wird es nicht geben, das Amt zieht fleißig alles Mögliche ab, damit das Darlehen für die Kaution, zurückbezahlt wird. Strom, Wasser etc. müssen bezahlt werden – auch der Telefonanschluss ist wichtig und muss auch bezahlt werden.

Durch das Ganze drum herum, war es dann heute soweit, dass der Vater einen Hilferuf an uns absetzte und uns verweint fragte ob wir seiner Familie zu mindestens für eine Weile etwas zu essen kaufen könnten.

Kein Geld mehr für Getränke oder was zu essen.

Der letzte Mensch der da war und den Ofen anschließen wollte, sorgte dafür, dass es nun kein Licht mehr in der Wohnung gibt und verschwand lieber, als seinen Fehler zu beseitigen.

Die Küche steht auf der Erde – keine Spüle und auch kein Wasser, das Kinderbett müsste aufgebaut werden – alles für den Familienvater nicht umsetzbar, weil er einfach wegen seiner Krankheit keine Kraft dafür hat.

Ich war heute bei der Familie und habe dem Kind ein Kuscheltier gebracht, dass es festhielt, als würde es sowas gar nicht kennen – ich brachte ihnen Lebensmittel und Getränke, die sie erstmal eine Zeitlang über Wasser halten dürften, was ich ihnen nicht bringen konnte, was die Zuversicht, dass sich ihre Situation in kürze ändern wird.

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Unsere Erfahrungen mit alleinerziehenden, teils obdachlosen Müttern

Unsere Erfahrungen mit alleinerziehenden, teils obdachlosen Müttern

Wie fängt immer alles an?

Die große Liebe steht vor der Tür, ein Himmelreich auf Erden eröffnet sich und die rosa Wolken tauchen auf.

Dann nach einiger Zeit, fangen die Augen an zu leuchten und der Schwangerschaftstest leuchtet auf – Nachwuchs ist unterwegs – dem Familienglück steht nicht mehr im Weg.

Alle freuen sich und die Monate und Tage werden gezählt, bis dann ein Kind die Welt erblickt.

Manchmal geht’s gut aber manchmal auch nicht.

Der Traum einer gemeinsamen Zukunft, zerplatzt hin und wieder wie eine Seifenblase und das scheinbar immer mehr und mehr und wenn dann der Scharm größer ist, als die Vernunft, kann dieser Traum nicht nur wie eine Seifenblase zerplatzen, sondern auch ganz gewaltig nach Hinten losgehen.

Und das leider immer und immer mehr.

Sicherlich gibt es unterstützende Einrichtungen und es gibt sie die Familien, die hinter einem stehen aber viele wollen es einfach alleine schaffen und wenn sie dann feststellen, dass es doch nicht funktioniert, stehen sie plötzlich auf der Straße.

Schuld daran, sind zum Beispiel, die angehäuften Schulden, die der Partner hinterlassen hat, die aufgeschobene Räumungsklage, die gerne mal vergessen wird, oftmals spielt aber auch häusliche Gewalt oder Psychoterror eine große Rolle und die betroffenen Personen trauen sich mit solchen Themen, erstmal keine Hilfe zu holen, bis zu dem Punkt, an dem sie feststellen, dass es zu spät ist oder einfach der Punkt, dass man den Kopf in den Sand gesteckt hat und sich gedacht hat, es wird alles gut.

Wird es aber nicht, es wird nicht besser – es wird eher schlechter und schlimmer.

Unsere bundesweite Beratung, die wir obdachlosen und sozial schwachen Menschen anbieten, zeigt dieses Phänomen in den letzten Wochen immer mehr.

Von den Anrufen, die uns täglich zu mehreren Dutzend erreichen, sind immer mehr Mütter mit Kindern am Telefon, die kurz davor stehen obdachlos zu werden oder sogar mittlerweile auf der Straße stehen.

Eine Unterbringung in Frauenhäusern ist kaum möglich, da die genauso voll sind, wie normale Unterkunftsnotheime, in die jedoch eine Unterbringung, einer Mutter mit Kind oder Kindern, gar nicht erst in Frage käme.

Wenn dann die Ämter oder sonstigen Anlaufstellen keinen Rat mehr wissen, kommt UNSICHTBAR e.V. auf den Plan, doch leider können wir bundesweit nicht so agieren, wie wir es gerne täten.

Abgesehen, davon – dass es Familien gibt, die sich bei uns melden und uns anbieten, genau solchen Fällen ein Platz anzubieten, reicht das Angebot dieser aber bei weitem nicht der Nachfrage für solche Plätze.

Was tun wir also, wir versuchen Lösungen zu finden – reden mit den Menschen und suchen gemeinsam nach einer Möglichkeit, von der Straße wegzukommen.

Auf Grund dieser teilweise sehr intensiven Gespräche, schaffen wir es irgendwie immer wieder eine Lösung für die Probleme zu finden und oftmals wird uns dann am Ende eines Gespräches gesagt, dass auch wenn wir nur eine telefonische Beratung bieten, wir die Einzigen sind oder waren, die sich, egal wie lange das Gespräch gedauert hat, die Zeit für diese Menschen genommen haben, um auch einfach nur mal mit ihnen zu reden – uns ihre ganze Geschichte anzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein, denn jeder von ihnen hat die Möglichkeit uns jederzeit wieder anzurufen und sie wissen alle, wir lassen sie nicht alleine.

Für viele von ihnen ist es eine Wohltat, nicht mit Vorwürfen konfrontiert zu werden und was ihnen noch umso wertvoller ist, ist das wir ihre Daten absolut vertrauensvoll behandeln.

An dieser Stelle, bedanken wir uns an die Kontakte, die deutschlandweit ein Herz besitzen und diesen Menschen in Not, wenn auch nur für eine kurze Zeit, ein Dach über dem Kopf geben möchten.

Leider ist auch hinzuzufügen, dass uns viele von den Anrufen, die uns erreichen, durch größere Wohlfahrtsunternehmen vermittelt werden, was in unseren Augen irgendwie nicht nachvollziehbar ist aber wir bleiben dennoch am Ball und versuchen da zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

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Endlich mal reiten – wir erfüllen Wünsche!

Endlich mal reiten – wir erfüllen Wünsche!

Muttertag 2017

Vor ein paar Wochen unterhielten wir uns mit Claudia Peppmöller, bei einem Kaffee über dies und das und unter anderem darüber, dass wenn wir von UNSICHTBAR e.V. mal ein oder zwei Kindern, es ermöglichen möchten, eine Runde zu reiten, sie und ihre Freundin, das gerne erfüllen würden.

Ein paar Tage später saßen wir bei einer alleinerziehenden Mutter und wir fragten sie nach Wünschen, die ihre Kleine denn so hätte und unter anderem viel der Begriff „reiten“ au ja – reiten würde sie gerne mal.

Sie habe noch nie auf einem Pferd gesessen und darüber würde sie sich sehr freuen.

Heute am Muttertag, haben wir dem Kind, diesen Wunsch erfüllt.

Ab nach Breckerfeld, Pferde bestaunen – streicheln, füttern und reiten.

Die Mama durfte auch mal, ist ja schließlich Muttertag.

Auf unserer Facebook Seite sind viele weitere Bilder, vom dem Besuch bei den Pferden zu sehen und ganz wichtig, die Freude in den Augen des Kindes.

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Bundesweite Beratung mit Happy End

Bundesweite Beratung mit Happy End

UNSICHTBAR e.V. empfängt jeden Tag mehrere Anrufe und Emails, von Menschen, die uns um Hilfe bitten, was wir gerne machen.

Oftmals reicht einfach unser Ohr, in das diese Menschen ihre Geschichte erzählen können, denn sehr oft hört ihnen sonst niemand zu.

Wenn wir nicht gerade unterwegs sind und Menschen aktiv helfen, gehen wir in der Regel ans Telefon, machen wir das mal nicht, rufen wir zurück.

Vorgestern hat uns ein Anruf einer 16-jährigen jungen Frau erreicht, die mit ihrem Baby, welches gerade mal ein halbes Jahr alt ist, Angst davor hatte, auf der Straße zu landen.

Der Kindsvater hatte sich kurz nach der Geburt auf und davon gemacht und mit ihren Eltern hatte sie sich danach auch noch zerstritten, wodrauf hin ihr Vater sie und das Baby rausgeschmissen hatte.

Eine sehr brisante Situation.

Eine von vielen, die uns täglich erreichen.

Mittlerweile sind es nicht nur obdachlose Menschen, die uns anrufen, sondern auch junge Familien, Alleinstehende, die den Weg zurückfinden möchten und was immer mehr wird, sind sogar Familien, mit Kindern, die kurz vor der Obdachlosigkeit stehen.

Aber zurück zu der jungen Frau, die uns nun ihre Geschichte am Telefon erzählte.

Es war ihre große Liebe, ok man könnte jetzt sagen, dafür ist sie aber noch sehr jung aber für sie war es eben die große Liebe, mit der sie eine Familie gründen wollte.

Diesen Wunsch und Gedanken muss man dann akzeptieren, denn wir sind nicht die, die Vorwürfe machen und den Menschen predigen, was sie alles falsch gemacht haben, sondern die, die versuchen gemeinsam Lösungen zu finden.

Nachdem sie uns ungefähr eine Stunde ihr Herz ausgeschüttelt hatte, brach sie in Tränen aus und machte sich, verständlicher Weise, Sorgen um ihr Baby, wenn sie nun auf der Straße leben müsste.

Den Ratschlag in ein Frauenheim zu gehen, wollten wir erst einmal nach hinten schieben.

Absolutes Neuland für uns aber wir wären nicht UNSICHTBAR e.V. wenn wir uns nicht Gedanken darüber machen würden, wie es weiter gehen könnte.

Als erstes sind wir also in Gedanken erstmal ihren ganzen Freundeskreis durchgegangen und sie erzählte, zu wem sie schon sehr lange Kontakt hatte und zu wem, nicht so sehr.

Letztendlich fanden wir, eine gute Freundin von ihr, die wiederum nach Absprache mit ihren Eltern, für zwei Tage ein Bett für sie hatte – länger käme es aber nicht in Frage.

Nun standen wir vor einer Mamut Aufgabe und wir wagten einen Schritt, den wir so auch noch nicht gewagt hatten.

Wir ließen uns die Telefonnummer, von ihren Eltern geben und riefen diese an.

Und wen hatten wir am Telefon? Den Vater…

Nachdem wir ihm erklärten wer wir sind und was wir machen, lies er sich auf ein Gespräch mit uns ein, welches dann auch wieder so etwas zwei Stunden dauerte.

Er erklärte uns seine Endtäuschung, wie gerne er seine Tochter gesehen hätte, wenn sie ihre Abi gemacht hätte und dann was Ordentliches gelernt hätte aber auch das es ihm im Herzen leid täte, das er seine Tochter vor die Tür gesetzt habe.

Er sei ein Mann vom Bau und hätte sein Leben lang, Härte und Stärke zeigen müssen, denn ohne diese Eigenschaft, wäre er nicht heute da wo er nun wäre und um seiner Familie was leisten zu können, musste er viel arbeiten und mit dem Kopf durch die Wand gehen.

Wir unterhielten uns eigentlich sehr freundlich mit ihm und es schien uns, dass es ihm schon sehr peinlich gewesen ist, dass wir und nicht seine Tochter, den Kontakt zu ihm gesucht hätten.

Das sie verwirrt sei und immer noch traurig über ihren zerplatzen Traum wäre, zudem Angst um ihr Kind hätte, machte plötzlich aus dem harten Mann, einen sehr sensiblen Mann aus ihm und nachdem er – so hörte sich es an (wir konnten es leider nicht richtig verstehen, von seiner Frau gesagt bekommen hatte)

sagte sie:

„Siehst du, genau dass was ich dir sagte aber dein Brummschädel muss man erst sprengen, bevor er anfängt zu denken“,

konnten wir es schaffen, dass er am liebsten noch am selben Abend, seinen Fehler wieder gutmachen wollte, seine Tochter und das Enkelkind, wieder nach Hause holen wollte und nochmal von vorne anfangen wollte.

Wir sagten ihm, dass wir der Tochter Bescheid geben und sie sich dann bei ihnen melden würde.

Also legten wir auf, steckten unser Telefon an unser Aufladegerät und riefen die Tochter an und sagten ihr, was wir erreicht hatten und kaum hatten wir es ausgesprochen, wurde das Gespräch unterbrochen.

Ein paar Stunden später ging unser Telefon und der Vater rief uns an und der uns sagte, er wüsste nicht wie er das, was wir da gemacht hätten, wieder gut machen könnte und reichte das Telefon seiner Tochter weiter, die mittlerweile wieder zu Hause war.

Diese wusste irgendwie erst gar nicht was sie sagen sollte und meinte dann, dass sie sich herzlich bedanken wollte, wären wir nicht gewesen, wäre wohl ihr Dickkopf, der dem ihres Vaters wohl sehr ähnlich wäre, so stark gewesen, dass sie diesen Schritt nicht gegangen wäre und dass wir in dem Moment, die Einzigen gewesen wären, die ihr nach langer Zeit einfach nur zuhörten und ein kleines Wunder geschehen ließen.

Schön dass wir auch da helfen konnten, auf das die Familie, den Weg gemeinsam schafft…

 

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Alle unseren Spenden gehen an Menschen…

Alle unseren Spenden gehen an Menschen…

Wir von UNSICHTBAR e.V. machen das eigentlich nicht aber hin und wieder bleibt uns nichts Anderes übrig.

Alle unseren Spenden gehen an Menschen, die nicht viel haben und das wird auch so bleiben.

Damit wir unsere Arbeit aber auch vernünftig fortführen können, brauchen wir einen neuen PC für unser Büro, damit wir von dort aus auch weiterhin beraten, planen, erstellen und ausführen können.

Natürlich würde es auch ein gebrauchter tun aber wir sind der Meinung ein Neuer ist oder wäre gar nicht so fehl am Platz – zudem hätte man bei einem neuen noch Garantie da drauf, aktuelle Software läuft problemlos und in Zukunft möchten wir Euch unsere Arbeit auch in Form von kleinen Videos vorstellen, zeigen oder präsentieren.

Wir versuchen unser bestmögliches zu leisten, investieren auch noch viel Eigenes in unsere Arbeit, wie zum Beispiel unsere Zeit, unser Privatleben (von dem nicht viel bleibt aber wir machen es ja auch gerne) und wenn wir stundenlang manchmal unterwegs sind, bezahlen wir Dinge wie Kaffee oder Speisen, die für uns sind, aus eigener Tasche.

Nur ein winzig kleiner Betrag der Spenden, geht an sonstige Kosten, wie zum Beispiel Instandhaltung des PKW` s, Kosten für Benzin, Gebühren für unser Telefon und die Miete für unser kleines Lager.

Der größte Teil der Spenden geht dahin, wofür es UNSICHTBAR e.V. gibt.

Helfen, da wo Hilfe gebraucht wird!

An dieser Stelle bitten wir nun aber um eine Spende für den PC.

Wer uns also helfen möchte – hier unser Spendenkonto

Anmerkung:

1. Der Betreff der Spende sollte bitte ***PC*** heißen.

2. Alles was mehr gespendet wird, als der PC kostet, wird für den eigentlichen Zweck von UNSICHTBAR e.V. verwendet.

Wir bedanken uns bei allen die, die uns unterstützen – Vielen Dank

Kontoverbindung:

UNSICHTBAR e.V.
IBAN: DE97 4545 0050 0000 0218 32
BIC / SWIFT: WELADED1GEV
Sparkasse Gevelsberg

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Wir erzählen deine Geschichte „4 ManGroup“

Wir erzählen deine Geschichte „4 ManGroup“

Wir von UNSICHTBAR e.V. bieten Menschen an, uns ihre Geschichten und Erfahrungen zu erzählen, die wir dann mit ihrer Zustimmung veröffentlichen und bekannt machen.

Hast auch du eine Geschichte oder eine Erfahrung aus den Bereichen „Obdachlosigkeit“ oder von „sozial schwachen Menschen“, die du selber erfahren oder erlebt hast, dann schick Sie uns zu.

Wir machen das öffentlich, was die Medien nicht interessiert.

Wir nennen keine richtigen Städte, erwähnen keine originalen Namen und veröffentlichen keine Bilder, ohne die Zustimmung von Personen, die evtl. darauf zu sehen sind.

Macht bekannt, was andere verschweigen – wir helfen Euch dabei – Tatsachen auf den Tisch zu legen.

 

Hallo,

euer Aufruf hat mich sehr berührt. Vielleicht ist meine Geschichte nicht das, was ihr wolltet, aber ich möchte sie euch gerne erzählen. Ich komme aus einem gutbürgerlichem zuhause. Meine Eltern mussten sehr viel arbeiten. Obdachlose wurden bei uns Bettler genannt und waren zu faul zum Arbeiten. Im ganzen Bekanntenkreis usw., ihr wisst, was ich meine.

Wir wohnen in einer Kleinstadt und ich bin ganz tief in die Drogenszene abgetaucht. Alle waren verzweifelt. Aber wisst ihr? Am Bahnhof war immer so ne 4 ManGroup (so habe ich sie immer genannt). ohne Heim, ohne alles. Es war kalt, es gab noch keine Tafel, es stank fürchterlich.

Diese 4 Männer, hatten teilweise Hände wie Bratpfannen, weil immer gearbeitet. Aber irgendwie den Faden verloren, wie ich. Alle waren über 50. Nach einiger Zeit fingen wir an, uns zu unterhalten. Ich konnte das nicht glauben, dass Menschen kein Heim haben und sie konnten nicht glauben, das ein junger Mensch sein Leben verschenken will. Aber nie ist ein böses Wort oder ein Vorwurf zwischen uns gefallen. Sie fingen an, auf mich aufzupassen, wussten, mit welchem Zug ich nach Hause komme, holten das Taxi usw.

Meiner Mutter habe ich davon erzählt. Das mich das an nervt, mein eigenes Leben, noch mehr Aufpasser, das übliche Blablabla eben. Insgeheim fand ich es toll, aber wer gibt das in so einer Situation schon zu?

Sie ist dorthin gefahren, zum Bahnhof. Sie hat mit ihnen gesprochen, was weiß ich nicht, sie hat es mitgenommen. Aber ich musste immer Pakete mit Essen zum Bahnhof mitnehmen, die dankbar angenommen wurden. So ging es Jahre.

Vieles habe ich erst im Nachhinein erfahren. Es wurde sich sehr viel um die alten Herrschaften bemüht. Einer lag mir besonders am Herzen, als ich eines nachts wiederkam, hat er so geweint. Er meinte, er wäre krank und müsste in ein Heim. Er hatte so eine Angst davor, mit den Regeln nicht mehr klarzukommen. Mit dem trinken hatte er schon Wochen vorher aufgehört, wegen seiner Gesundheit.

Die 4 wurden aufgrund ihres Alters alle in ein Heim eingewiesen. 1 starb nach 2 Wochen. 2 verlebten noch relativ gute (und spitzbübische) Jahre im Heim und der 4. wurde von seiner Familie gefunden.

Das ist jetzt 20 Jahre her und trotzdem denke ich immer wieder daran zurück. Das waren Männer, die mir geholfen haben und ich ihnen vielleicht auch, wer weiß? Aber deshalb weiß ich, hinter jedem Obdachlosen steckt eine Geschichte.

Sie sind aus den gleichen Gründen obdachlos geworden wie heute. Arbeitslosigkeit, Trennung, Schulden, Scham, Sucht.

Ich bewundere euch für die Kraft und das Engagement, was ihr aufbringt. Das kann nicht jeder.

Bin leider einer davon.

Macht weiter und gebt nicht auf.

 

Anmerkung: Dieser Text wurde so übernommen, wie er uns zugeschickt wurde

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