Eine traurige Geschichte, mit einem kleinen Happy End.

Obdachlosigkeit, viele Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen fragen sich – was ist – wenn es mich mal trifft, was mache ich dann nur und was ist, wenn mir mal was passiert, wer kümmert sich da dann um mich und was wäre, wenn ich krank werden würde, würde man mir dann helfen?

Die Zahlen der obdachlosen Menschen in Deutschland steigt immer und immer mehr und die Politik scheint es immer weniger und weniger zu interessieren.

Besonders schlimm trifft es Menschen wie Piotr (Name geändert), der seit Jahren in Dortmund auf der Straße lebt und schläft und der gestern um eine wirklich traurige Erfahrung reicher geworden ist.

Kay Kuhnert, vom Verein Hand in Hand e.V. in Dortmund rief mich gestern an und erzählte mir die Geschichte von Piotr, einem sehr langen Sonntag und was er alles versuchte, um diesen Menschen zu helfen.

An dieser Stelle erstmal einen riesen Respekt was eine Person alleine alle bewirken kann, wenn man nur will.

Hier nun die Geschichte von Piotr, uns zugetragen von Kay Kuhnert und von uns gerne veröffentlicht.

Piotr stammt aus Polen, ist irgendwann nach Deutschland gekommen und wie viele von ihm, haben sie hier auf Arbeit gehofft, nur haben sie nie eine gefunden.

Die Familien, die sie für den Traum „ein besseres Leben“ hier zu finden, hinter sich gelassen haben, zu denen bestand irgendwann kein Kontakt mehr, zu knapp ist das Geld, um selbst mal dort anzurufen oder zu arg ist der Stolz, ihnen davon zu berichten, dass ihr gemeinsamer Traum geplatzt ist.

Piotr hatte irgendwann mal angefangen zu trinken und kommt bis heute auch nicht mehr davon weg und hinzukommt, seine Krankheit die ihn jeden Tag immer und immer mehr quält, ihn kaum eine Nacht schlafen lässt und seine Bewegungen so stark einschränken, dass er wie in der letzten Woche auch, nur noch auf seiner Matratze, vor irgendeinem Gebäude in der Stadt gelegen ist und nicht wusste, wie es weitergehen soll.

Die Mitbürger versorgen ihn wohl und sprechen auch mit ihm, doch sein letzter Funke Stolz, verbietet es ihm, sich über das zu unterhalten, was am schlimmsten für ihn ist.

Zum Beispiel, der Drang auf Toilette zu gehen – mittlerweile uriniert er in eine Flasche, die ein andere obdachloser Menschen, für ihn abholt und irgendwohin schüttet.

Was mit Stuhlgang wäre, fragte Kay Kuhnert ihn. Er habe seit 5 Tagen keinen mehr gehabt.

Schon in der Vergangenheit wurde er in einer Hautklinik in Dortmund aufgenommen und dort behandelt, dies geschah aber auch nur mit viel Mühe die Kay Kuhnert schon damals hatte, ihn unterbringen zu können, weil sich alle Einrichtungen weigerten Piotr aufzunehmen und zu behandeln.

Er bekam dann eine Salbe und wurde entlassen und sollte zu einem Hausarzt gehen. Ja ein Hausarzt – der diese Krankheit behandelt, als obdachlose Person, die schon fast jeglichen Lebensmut verloren hat, zu finden – ist nicht gerade leicht.

Piotr hat eine ausgeprägte Schuppenflechte, hier einmal eine Kurzbeschreibung der Krankheit

Schuppenflechte

Unter dem Begriff Schuppenflechte oder auch Psoriasis wird eine juckende und schuppende Erkrankung der Haut zusammengefasst, die alle Bereich am Körper betreffen können. Neben der Haut können auch noch andere Organe des Körpers, wie z.B. Gelenke betroffen sein. Die Schuppenflechte ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vererbt werden kann.

Man unterscheidet einen Früh typ (Typ 1) und einen Spät typ (Typ2). Der Früh typ bricht vor dem 40. Lebensjahr aus, der Spät typ nach dem 40. Lebensjahr. Auch im Kindesalter kann es zu einer Schuppenflechte kommen. Die Schuppenflechte verläuft in Schüben, was neben der Basisbehandlung dann auch eine akute Schubbehandlung notwendig macht.

Prognose

Eine Heilung der Schuppenflechte ist aktuell noch nicht möglich. Jedoch kann es in verschiedenen Altern auch zu unterschiedlich starker Ausprägung der Beschwerden und der Schübe kommen.

So kann es vorkommen, dass die Beschwerden im jungen Erwachsenenalter sehr häufig und stark sind aber dann in älteren Jahren kaum noch vorhanden sind.
Mit einer Basisbehandlung, die regelmäßig auch zur Vorbeugung von Schüben angewandt werden sollte, in Verbindung mit einer akuten Schubbehandlung kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden.

Hausmittel gegen die Schuppenflechte können immer auch ergänzend eingesetzt werden.
Schwere Verläufe betreffen große Flächen des Körpers und zeichnen sich durch eine häufige Schubfrequenz aus.
Hier müssen mehrere parallel laufende Behandlungen, bestehend aus Bestrahlung, Lotion-, und Tablettenbehandlung kombiniert werden. Neben den störenden und juckenden Effekten einer Schuppenflechte sind die psychischen Komponenten nicht zu unterschätzen.

So leiden schwer betroffene Patienten auch oftmals unter permanenten Angst-, und Stresssituationen, trauen sich oft nicht in die Öffentlichkeit, was dann auch zu einer sozialen Problematik führen kann. Bei schweren Verläufen kann auch eine begleitende Psychotherapie sehr hilfreich sein.

Quelle: https://www.dr-gumpert.de

 

Damals als Piotr das erste Mal aus einer Klinik entlassen wurde, geschah das mit folgendem Argument:

Eine Weiterbehandlung, sollte durch einen Hausarzt durchgeführt werden, weil es für ein Krankenhaus auf Dauer zu teuer werden würde einen Menschen zu behandeln, der nach angeschlagener Therapie, letztendlich wieder auf der Straße lebt und dem Alkohol verfällt.

 

Dann erzählt Kay Kuhnert weiter.

Um 12:30 Uhr, da traf ich ihn am Sonntag und was ich da sah, hat mich wirklich geschockt.

Unter den Füßen, Beinen, Armen, am Bauch und die Kopfhaut, 2-3 mm dicke Hornhaut, die vom Fleisch abstirbt und da drunter schreckliche Entzündungen, die auf der Haut von Piotr klaffen.

Ein Anblick, den werde ich lange Zeit nicht vergessen können und mein erster Gedanke war, hier muss Hilfe geholt werden, irgendjemand muss diesem Menschen jetzt und hier helfen und solange das nicht passiert, würde er hier auch nicht weggehen.

Er rief einen Rettungswagen, der dann auch gleich kam, doch auch so leid es den Rettungssanitätern tat, sie konnten und durften ihn nicht mitnehmen, da es tatsächlich ein Fall für den Hausarzt sei.

Man sah auch den Rettungssanitätern an, dass sie es gerne getan hätten aber auch sie haben ihre Vorschriften und vorwerfen kann man es ihnen definitiv nicht.

Einer von ihnen wendete sich zu Kay Kuhnert hin und sagte: Wäre der Herr jetzt alkoholisiert, dann müssten wir ihn mitnehmen aber der Fall ist leider anders und dafür wäre ein KTW (Krankentransportwagen) zuständig.

Damit Kay Kuhnert nicht alleine der Situation überlassen wurde, forderte die Besatzung des RTW`s einen KTW an, der nach einer Stunde kam, sich jedoch schnell herauskristallisierte das auch diese nicht für ihn zuständig sein wollten.

Nach längeren hin und her, nahm man sich das Telefon in die Hand und rief sämtliche dermatologischen Einrichtungen in Dortmund an, diese jedoch und zwar alle verweigerten nicht nur eine Aufnahme von Piotr sondern auch die Behandlung, seiner Wunden.

Was sehr nach unterlassender Hilfeleistung schreit, von der sich die Einrichtungen aber in keinster Weise etwas angenommen hatten.

Und als ein Mitarbeiter des KTW dann eine letzte verzweifelte Idee hatte, wurde Piotr in den KTW eingeladen und ohne einen voherigen Anruf, in eine Klinik nach Unna gebracht, dort fanden sie eine Klinik, die Piotr dann aufnahmen, in der er nun liegt und man sich um seine Wunden und seine Krankheit kümmert.

Für Kay Kuhnert ging ein Tag zu Ende, den er, wie er sagt niemals vergessen wird und der für ihn so viel neue Fragezeichen ausgelöst hat, die er nicht gedacht hätte, haben zu können.

Viele Fragezeichen, für die er wohl niemals eine Antwort bekommen wird, weil das Thema „Menschen auf der Straße“ für viel zu viele, die darüber entscheiden könnten, etwas dagegen zu unternehmen und diesen Menschen nicht nur im Ansatz zu helfen, gar nicht erst auf deren Schreibtischen landet, um sich nur in geringster Weise einmal darüber Gedanken zu machen.

Was wäre – wenn ich in so eine Situation käme?