Das Vertrauen eines Menschen mit Füssen treten

Das Vertrauen eines Menschen mit Füssen treten

Wir haben September, in einer Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis lebt Christian (Name von uns geändert), er hat zwar eine Wohnung, fühlt sich da aber nur solange wohl, bis der Tag anbricht und er wieder auf die Strasse gehen kann, dahin zurück, von wo er kam.

Christian hat ein schweres Alkoholproblem und damals als es ihm noch gut ging, sagt er, ja damals da habe ich noch viel Geld verdient, konnte mir so einiges leisten und dann geriet ich an falsche Freunde, familiär passierte vieles und meine Psyche lies mich im Stich, so dass ich zur Flasche griff und somit alles verlor, was mir eigentlich immer wichtig war.

Ein ganz normales Leben zu führen, eine Familie zu haben, die zu einem hält und Freunde mit denen man sich über alles unterhalten kann, vor allem denen man vertrauen kann.

Heute hat er nichts von alle dem, außer dem Alkohol, der ihn nicht mehr loslässt und zwei, drei Freunde, denen es ähnlich wie ihm geht und hin und wieder bei ihm sitzen und sich mit ihm unterhalten.

Einer dieser Freunde lebt mit seiner Frau unter einem Dach, den Beiden geht es eigentlich gut und damals hatte ich mich gefreut, als sie mir angeboten hatten, ihnen ein bisschen zu helfen.

Er nennt es Nachbarschaftshilfe aber auch egal wie man es nennen mag, er bekam für die Hilfe mal hin und wieder den Rasen zu mähen oder mal ein Zimmer anzustreichen, ein warmes Essen und etwas zu trinken, wahlweise auch gerne mal ein Bierchen.

Er lächelt – na ja sagt er, wahre Freunde trennen sich halt nie und dann schaut er wieder traurig und erzählt weiter.

Ich bekam für, dass was ich da so gemacht habe hin und wieder auch ein bisschen Taschengeld und weil ich mir etwas zusammensparen wollte, bat ich die Beiden darum, einen Teil zurückzulegen, wo der andere Teil hinging, könne ich mir wohl denken.

Ich schaute ihn an und meinte, bestimmt nicht für was Essbares

Er nickte…

Und dann erzählte er mir weiter und jetzt kommt das unfassbare und unverschämteste was ich seit langer Zeit gehört habe – ich war und bin noch immer fassungslos darüber.

Letztens habe er Geburtstag gehabt und habe sich ein paar Dinge gewünscht, dazu gehörten unter anderem auch ein paar warme Stiefel, eine Hose und eine Jacke und weil er ja Geburtstag hatte, habe er sich einfach noch ein paar Kopfhörer dazu gewünscht.

Es hätte ja nicht alles erfüllt werden müssen aber wünschen und träumen ist ja erlaubt.

Als der Tag dann kam und er seine Geschenke ausgepackt hatte, konnte er seinen Augen nicht trauen – all das was er sich gewünscht hatte, wurde ihm erfüllt.

Die Kleidungsstücke waren zwar gebraucht aber egal, es war ein kurzer Augenblick voller Freude – doch die Freude lies schnell nach, als er die Beiden anschaute, bedankte und sie darum bat, ihm sein Erspartes zu geben, damit er sich nun endlich einen für ihn tollen Wunsch erfüllen könnte.

(Diesen Wunsch werden wir nicht veröffentlichen, da es sich hierbei um etwas handelt, was wir – sollten Kinder unsere Berichte lesen – diesen nicht zu lesen geben möchten. Wir denken jeder erwachsene Mensch kann sich in etwa vorstellen, um was es sich hier handelt, wenn man lange Zeit alleine war und einfach mal etwas Nähe sucht, selbst wenn dieses mit Kosten verbunden ist)

Doch seinen Wunsch konnte er sich nicht erfüllen, denn all seine Geburtstagsgeschenke wurden, wie er im Anschluss erfuhr, von seinem Ersparten bezahlt, selbst die gebrauchten Sachen wurden geschätzt und umgerechnet, nur ein winzig kleiner Rest, der gesamten Summe blieb davon übrig, den er bis heute nicht bekommen hat.

Mittlerweile haben sich die Wege der Freundschaft wohl getrennt, für ihn ein Stoß in den Nacken, wieder einmal endtäuscht worden zu sein, als er anfing zu vertrauen und wieder einmal ein Grund mehr, noch tiefer in die Flasche zu schauen, weil er immer und immer mehr den Sinn des Lebens verliert.

Zusammen mit einer Vereinskollegin sprach ich heute mit ihm, hatten ihm erstmal seine Handykarte aufgeladen und ihn etwas aufgebaut.

Aufgebaut darin, dass es nicht nur schlechte Freunde gibt, die nur nehmen können – sondern auch Freunde, die nichts nehmen, sondern einfach nur gerne geben.

Es gibt eben solche, die – die Armut anderer ausnutzen und es gibt, nicht nur Menschen, wie wir von UNSICHTBAR e.V. , sondern bestimmt noch einige andere, die den Begriff Freundschaft, wertschätzen können.

Irgendwo da draußen, man muss sie nur finden….

Posted by Holger Brandenburg

Schreibe einen Kommentar