Monat: November 2017

Unterwegs zum Wichteln

Unterwegs zum Wichteln

Gestern waren wir in Dortmund Wichteln

Eine kleine Gruppe von Frauen aus Dortmund für Dortmund haben uns Wichtelgeschenke zukommen lassen, diese hat Kay Kuhnert dann auf den Straßen von Dortmund verteilt.

Danke schön an die Damen, die sich diese liebevolle Mühe gemacht haben, um den Menschen, die nichts mehr haben, mit uns zusammen ein Lächeln zu schenken.

Ein Wichtelgeschenk ging unter anderem an Anna. Sie kommt aus Polen. Momentan ist sie noch ohne Papiere, diese wurden ihr gestohlen. Sie lebt auf der Straße, weil ohne Papiere, keine Unterkunft, erzählt sie Kay Kuhnert. Auch bekäme sie von keinen Seiten her, keine Unterstützung zur Wiederbeschaffung.

Dann ist da ein Italiener namens Pino…lebt seit ein paar Monaten auf der Straße, neben ihm sitzt Heiko, auch er schläft und lebt erst seit paar Monaten auf der Straße und dann ist da noch Heinz ein älterer Mann, der schon viele Jahre auf der Straße lebt.

Menschen, die sich alle über die Wichtelgeschenke sehr gefreut haben und auch in den nächsten Tagen und Wochen, werden wir weiterhin Wichteln, was das Zeugs hält – Menschen ein Lächeln schenken und das mit Hilfe derer, die alles so liebevoll zusammengepackt und zusammengetragen haben.

 

Dafür nochmal an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön

 

Wichteln (in Norddeutschland und Skandinavien auch „Julklapp“ – reguläres Schwedisch für „Weihnachtsgeschenk“), sowie in Österreich regional auch „Engerl und Bengerl“ genannt), ist ein meist vorweihnachtlicher Brauch, der unter Arbeitskollegen, in Vereinen, in Schulklassen, von Jugendgruppen und virtuell in verschiedenen Online-Communitys gepflegt wird. Dabei wird durch zufällige Auswahl für jedes Gruppenmitglied ein anderes Gruppenmitglied bestimmt, von dem es dann beschenkt wird. Der ursprüngliche, heute aber in der Form nur noch selten praktizierte Brauch sah vor, dass das Geschenk den Beschenkten bis zu einem verabredeten Termin (oft innerhalb der Adventszeit) heimlich zugesteckt wird. Daher stammt der Bezug zum „Wichtel“, einer nordischen Sagengestalt, die heimlich Gutes tut.

Quelle:Wikipedia

Posted by Holger Brandenburg in Allgemein, 0 comments
Letzte Woche in der Stadt

Letzte Woche in der Stadt

Hin und wieder gönnen wir uns einen Kaffee, um einfach mal runter zu kommen, sind aber in Gedanken immer bei der Sache.

Als ich nun da so saß und mir die Menschen angeschaut habe, wie sie kamen und gingen, viel mir eine Dame mit zwei Kindern auf.

Ihre Einkaufstüten waren nicht besonders voll und mein erster Eindruck war, wenn man die Wetterverhältnisse mal mit in diesen ersten Eindruck mit hineinbezieht, das alle drei nicht wirklich für das Wetter geeignet gekleidet waren.

Das kleinere Kind hatte noch annehmbare Sachen an und schien auch nicht zu frieren, doch das andere Kind hatte Schuhe an, die man eigentlich nur im Sommer anzieht und so ganz heile waren diese auch nicht mehr.

Mir wird des Öfteren vorgehalten, dass ich meine Klappe nicht halten kann und auch einfach mal so in den Raum schmeiße, was mir gerade auf der Zunge liegt und ja da ist was dran – ich habe mein Herz auf der Zunge liegen und erschrecke mich manchmal selber, wenn ich noch gar nicht angefangen habe zu denken, dass ich schon was gesagt habe.

Manchmal ist das vielleicht hart an der Grenze aber wie in diesem Fall auch ganz gut.

Ich ging zur Bedienung, bezahlte meinen Kaffee und folgte den dreien.

Nach einem relativ kurzen Augenblick, sprach ich die Frau an und stellte mich vor – fragte ob sie vielleicht einen Augenblick Zeit hätte, dass ich ihr erzählen könnte was wir von UNSICHTBAR e.V. machen.

Sie schaute mich mit ganz großen Augen an und fragte, ob ich das öfters mache.

Ich antwortete mit: Öfters ist untertrieben, eigentlich mache ich sowas ständig und wenn ich das Gefühl habe, helfen zu können, dann gerne auch immer und überall.

So erzählte ich ihr von unserem Verein und sprach sie auf ihren Sohn an, der mit den kaputten Schuhen.

Anfangs, meinte sie – dass sie es heute früh eilig gehabt hätten und der Kleine die falschen Schuhe aus dem Schrank geholt hätte.

Als ich nachgehakt hatte und ihr sagte, dass wir hier alleine sprechen und uns niemand zuhören würde und sie sich nicht schämen müsste (wofür auch immer) schaute sie mich an und sagte:

Wissen sie, es gibt manchmal Dinge im Leben, für die man sich entscheiden müsse.

Entweder kauft man was zu essen oder in dem Fall Winterstiefelchen, die sie aber nicht kaufen könnte, weil das Geld wie immer sehr knapp ist.

In dem Augenblick unterbrach ich sie und fragte ob wir ein Stück gehen sollen, weil wenn wir dort wo sprachen, stehen bleiben würden, es nur noch kälter werden würde.

Sie erklärte sich einverstanden und ich führte sie in Richtung Innenstadt, dort angekommen setzte ich mich mit den dreien in ein Café und bestellte den beiden einen warmen Kakao und ihr eine Tasse Kaffee.

Dann erzählte sie mir ihre Geschichte, wie es dazu kam, dass sie alleine mit den Kindern wäre und was ihr passiert sei, dass wie in vielen anderen Schicksalen, auch bei ihr das Geld ehr knapp wäre.

Als wir die Getränke ausgetrunken hatten, bat ich sie darum mich zu einem bekannten Schuhladen zu begleiten.

Als Argument, warum sie mich begleiten sollte nahm ich, dass ich als Mann so unentschlossen bei Schuhe kauf bin und wo sie schon mal da wäre, mir vielleicht einen Tipp geben könnte, welche Schuhe mir besser stehen würden.

Als hätte sie eine sinnvolle Aufgabe bekommen, freute sie sich sogar darüber.

In dem Laden angekommen, ging ich in einem Augenblick, in dem ich alleine war, auf eine Verkäuferin zu und fragte sie ob sie den beiden Kindern, Schuhe zeigen könne, die sie warmhalten würden.

Gesagt – getan – auf die Frage wo ihre Kinder sind, sagte ich – dass sie glaube ich spielen sind.

Irgendwann sagte ich, dass wohl nichts Richtiges dabei sei und wir verließen den Schuhladen und bevor ich mich verabschiedete, sagte ich – dass ich noch was vergessen hätte und gleich wiederkomme.

Im Laden zeigte mir die Verkäuferin, die Schuhe, die sich die beiden Kinder ausgesucht hatten und die auch ihren Zweck erfüllten.

Wieder draußen angekommen, drückte ich der Frau zwei Taschen in die Hand, sagte ihr meine Telefonnummer und wünschte ihr einen schönen Tag – wenn sie mal Hilfe brauchen würde, solle sie sich gerne bei uns melden.

Ende der Geschichte

Heute hatte ich eine E-Mail, in meinem Postfach, mit dem Betreff:

Danke für den Kaffee und danke für ihr offenes Ohr und ich weiß gar nicht was ich sagen soll, meine Kinder sind hin und weg und wollen diese schönen Schuhe gar nicht mehr ausziehen.

Hätten sie mir nicht erzählt, dass sie von UNSICHTBAR e.V. sind, würde ich glatt wieder anfangen an den Weihnachtsmann zu glauben – DANKE

Posted by Holger Brandenburg in Allgemein, 0 comments
Was macht UNSICHTBAR e.V. überhaupt?

Was macht UNSICHTBAR e.V. überhaupt?

In den letzten Tagen wurden wir des Öfteren mehrmals darauf angesprochen, was wir von UNSICHTBAR e.V. denn nun so genau machen.

Ganz viele Fragezeichen!

Wir möchten niemanden im Dunklen stehen lassen und werden das dann hier nochmal genau aufführen.

UNSICHTBAR e.V. ist gegründet worden, um Menschen in Not zu helfen.

Wir helfen obdachlosen und armen Menschen im Ruhrgebiet und wenn es unsere Kapazitäten zulassen auch darüber hinaus.

Obdachlosen Menschen, in Form von einem offenen Ohr, mit dem Hintergrund herauszufinden, was sie in Zukunft erreichen möchten oder wie sie ihr weiteren Lebensweg sehen.

Haben sie vielleicht einen speziellen Wunsch, den wir ihnen erfüllen können, brauchen sie Hilfe, weil sie gar nicht wissen, was für Rechte sie haben oder was ihnen eigentlich zusteht.

Leider kommt es dann natürlich auch immer an den Punkt, dass sie gerne in eine Unterkunft möchten und wir ihnen das leider nicht wirklich helfen können, weil diese teilweise komplett überfüllt sind auch bei der Vermittlung einer Wohnung, sind uns die Hände zum größten Teil verschnürt – denn um einen Menschen, der auf der Straße lebt, ein Dach über den Kopf zu geben, gehört ein wahnsinniger Anlauf dazu – wo beide Seiten wirklich alles geben müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

Was uns angeht, geben wir gerne alles, um diesen Menschen zu helfen – doch leider ist oder war das Leben eines Menschen, der auf der Straße lebt, bis zu diesem entscheidenden Punkt, so schwer das oftmals das Vertrauen und auch die Angst, es dann doch nicht zu schaffen, so sehr hoch – dass man dann bei dem letzten entscheidenden Schritt, nicht mehr weiterkommt.

Und das ist der Einzug in eine Wohnung.

Wir von UNSICHTBAR e.V. sind bei diesem Punkt dann leider raus.

Warum?

Wir haben in den letzten Jahren, des Öfteren Menschen dabei geholfen, damit diese Menschen wieder ein Dach über dem Kopf zu bekommen.

Bei einem Menschen hat es bis heute funktioniert, andere sind irgendwann wieder gegangen und andere haben in der Wohnung gelebt, wie sie es von der Straße her kannten.

Letztendlich waren wir Vermittler und mussten uns mit den Vermietern auf eine Einigung zusammensetzen. Bis lang waren es alle sehr nette Vermieter, wo wir auch mit einem Eimer Farbe, die Situation besänftigen konnten aber um das Risiko auszuschließen, irgendwann auf kompletten Mietschulden oder Renovierungsarbeiten sitzen zu bleiben, können wir diesen Schritt, mit den Personen dann nicht weitergehen.

Was aber nicht heißt, dass wir nicht trotzdem für sie da sind.

Und dann gibt es da noch die armen Menschen!

Viele wissen gar nicht, dass sie arm sind, weil sie einen Job haben und ihr regelmäßiges Einkommen bekommen, sich aber trotzdem am Ende des Monats wundern, warum das Geld plötzlich so knapp wird.

Hier geht es um Erwerbsarmut – Menschen, die trotz eines Berufes unter der Armutsgrenze leben und denen wir genauso gut, wie wir können auch helfen und sie unter die Arme greifen.

Zur Armut zählen aber auch Rentner und Alleinerziehende, die wir bei dem Ganzen nicht vergessen.

Und dann….

Dann gibt es unsere bundesweite Telefonberatung, die oftmals schon ein bisschen wie Seelsorge ist.

Menschen die uns tagtäglich anrufen, mit denen reden wir von Mensch zu Mensch, nehmen uns auch dort viel Zeit, um gemeinsam vielleicht nicht direkt vor Ort aber am Telefon eine Lösung zu finden.

Ein Beispiel:

Eine Dame die mich vor ungefähr 3 Monaten angerufen hatte und mit der ich etwa eine Stunde telefonierte, musste ich nach dieser Stunde sagen, dass ich im Hier und im Jetzt, leider nichts für sie tun könne.

Sie antwortete mit folgenden Satz:

Es mag sein das sie mir, jetzt und hier nicht helfen konnten aber diese Stunde Zeit, die sie sich genommen haben, um mir nur ein Ohr zu schenken, diese Zeit hat sich seit zwei Jahren niemand mehr genommen und hätte ich jetzt nicht mit ihnen telefoniert, dann würde es mich jetzt nicht mehr geben, denn kurz vor ihrem Anruf, wollte ich mir noch das Leben nehmen und jetzt weiß ich das es doch noch Menschen auf der Welt gibt, die nicht nur wegschauen, sondern auch da sind wenn man sie braucht und wenn es nur am Telefon ist und wenn es einen nur in dem Glauben lässt, da gibt es jemand der interessiert sich – Sie konnten mir insofern helfen, dass sie mir mein Leben gerettet haben.

 

Das nur ein Beispiel, was wir nicht nur auf der Straße erleben, auch von Menschen hören, denen wir helfen – vielleicht nicht immer so krass aber unsere Hilfe kommt an, weil wir einfach nur Menschen sind, die einfach nur gerne helfen.

 

Und was machen wir noch?

Wir bieten Schulen an, ihre Schüler darüber zu informieren, wie es denn so ist, wenn man obdachlos ist. Wir möchten das Thema sensibilisieren – sprechen das Thema Armut an, reden mit Studenten die über das Thema schreiben, sprechen mit Menschen auf der Straße und möchten einfach verbreiten, dass helfen gar nicht so schwer ist.

Posted by Holger Brandenburg in Allgemein, 0 comments
Wenn Menschen einfach vergessen werden

Wenn Menschen einfach vergessen werden

In den letzten Tagen startete eine junge Frau bei Facebook einen Aufruf, dass sie in Hohenlimburg, bei Hagen einen obdachlosen älteren Herrn in einer Bushaltestelle gesichtet hatte und bat um Rat, wie man ihm doch helfen konnte.

Bernd (Name wie immer von uns geändert) berichtete ihr, dass er über 60 Jahre alt sei und sich nichts mehr wünschen würde, als ein Dach über dem Kopf.

Er erlebte das Leben als obdachlose Person leider bereits zu zweiten Mal. Er hätte es beim ersten Mal einfach nicht geschafft und wüsste langsam nicht mehr weiter.

Die Betreuung von Bernd hat ein Wohlfahrtsunternehmen aus Hagen für ihn übernommen, dessen Namen wir hier nicht nennen werden, auch würde er sein Hartz4 Geld von dort bekommen.

Nun der Irrsinn

Agathe, die junge Frau erklärte sich bereit, nach Bernd zu sehen und machte sich am gleichen Abend nochmal auf den Weg zu ihm, nachdem sie ihn am Abend zuvor schon mit ein paar Dingen versorgte.

Wir von UNSICHTBAR e.V. sagte ihr jede Hilfe zu, ob finanziell oder in Form von Dingen, die ihm Wärme schenken würden.

Einen Schlafsack und eine Decke hatte er bereits.

Dann versuchte Agathe, das Wohlfahrtsunternehmen zu erreichen, um sich darüber zu erkundigen, wie deren Hilfe aussehen würde und landete bei einer Dame, die diesen Herrn auch kannte.

Sie versprach ihr, dass die Sachbearbeiterin, sich nach ihrer Mittagspause bei ihr melden würde.

Nach ca. 1 ½ Stunden versuchte sie es erneut, doch die zuständige Dame war nicht erreichbar und ist bis zum heutigen Tag auch nicht zu erreichen.

Ihr Eindruck, als sie den Namen des Herrn genannt hatte, war nicht besonders positiv, seitens der Frau, mit der sie telefoniert hatte – ihr kam es nur vor, als würde man sie lieber aus der Leitung haben, als sich gemeinsam Gedanken zu machen, wie man diesem Herrn weiterhelfen könnte.

Stand der Dinge

Heute war sie wieder an dem Platz, an dem sie Bernd vor einigen Tagen vorfand.

Doch Bernd ist verschwunden, schon beim ersten Treffen, sagte er zu ihr, dass er dort nicht bleiben dürfte, weil die Behörden bzw. die Stadt ihn dort nicht haben wolle und es nur eine Frage der Zeit wäre, bis er dort weg müsste.

Nun ist Bernd verschwunden, sein ganze Sachen, die bereits von irgendwelchen Menschen durchwühlt wurden, liegen noch immer dort.

Wir hoffen das es ihm gut geht und würden uns wirklich darüber freuen, wenn dann – wer auch immer die Verantwortung für einen Menschen übernimmt, diese dann auch einhält.

Besorgte Personen, nicht am Telefon vertröstet und versucht aktiv zu werden und nicht abwertend zu reagieren.

Posted by Holger Brandenburg in Allgemein, 0 comments