Ein ganz normaler Abend –also eigentlich aber eigentlich auch nicht!

Wie so oft können wir nicht überall sein und so war es dann auch wieder.

Nachdem ich am frühen Abend bei einem älteren Herrn in Breckerfeld war, um ihm ein wenig Gesellschaft zu leisen, die er schon seit Jahren nicht mehr hatte, weil er sich einfach zurückgezogen hatte.

Ein Nachbar legte ihm unseren Flyer vor die Tür und er rief an und fragte uns, ob wir nicht mal zehn Minuten Zeit hätten, vielleicht auf einen Kaffee vorbeikommen möchten, vielleicht einfach mal ein bisschen plaudern wollen?

Natürlich wollen wir das und machen das immer wieder gerne.

Aus einem Kaffee wurden dann drei und ein Gespräch weit über eine Stunde hinaus.

Irgendwann erreichte mich dann ein Anruf von einer Frau aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die unsere Seite und unsere Arbeit verfolgt.

Sie habe eine obdachlose Frau getroffen und wüsste jetzt nicht, was sie tun sollte.

Also rief ich meine Vereinskollegin an und bat sie darum, dort einmal vorbeizuschauen, bis ich dann auch vor Ort wäre.

Ich plauderte noch zehn Minuten mit dem alten Herrn und sagte ihm, dass ich in den nächsten Tagen wiederkommen würde und das er wenn er möchte, mir noch ganz viele Geschichten erzählen könnte, die ich sehr interessant finden würde.

Ein Mann mit 76 Jahren stand in dem Augenblick vor mir, nahm mich in den Arm und bedankte sich mit einer verweinten Stimme.

Vielen Dank, dass es Menschen wie sie gibt und vielen Dank das ich spüre, dass sie das nicht einfach nur so machen, sondern sich auch wirklich für mich und meine Geschichten, die ich schon so sehr lange niemanden mehr erzählen konnte, interessieren.

Danach machte mich auf und war nach einer Weile bei der obdachlosen Dame angekommen. Die Anruferin und meine Vereinskollegin standen mit ihr auf der Straße und warteten schon.

Die obdachlose Dame war für das Wetter definitiv falsch gekleidet und noch eine Nacht auf der Straße und man konnte nur erahnen, was passieren würde.

Also musste eine Lösung her.

Anrufe in Frauenhäusern, blieben erfolglos, da dort niemand ans Telefon ging und am Abend eine Unterkunft zu finden, ist schier unmöglich.

Dann ein Anruf bei der Polizei, die eine Notunterkunft für solche Fälle anbietet und der wirklich nette Beamte versprach mich zurückzurufen, was er auch tat und mir das ok gab, dass die Dame – die heutige Nacht dort verbringen könne.

Auftrag erfüllt, könnte man meinen aber was nun aus der Dame wird, werden wir erfahren oder vielleicht auch nicht.

Bevor ich sie in die Unterkunft gebracht hatte, kaufte ich ihr noch etwas zu trinken, kaufte ihr Guthaben für ihr Handy, damit – wenn was ist – sie anrufen kann und alles andere wird sich finden.

Leider ist das nicht der erste Fall in dieser Art – immer wieder werden wir nicht nur auf männliche obdachlose Personen aufmerksam gemacht, sondern auch auf weibliche Personen, bei denen der Hintergrund ihrer Situation oftmals drastige Ausgangssituationen hatte.

Wir stehen immer vor dem gleichen Problem, wohin mit diesen Personen – da es keine Unterkunftsmöglichkeit für die Menschen in unserem Kreis gibt oder keine die um diese Uhrzeit erreichbar sind und ganz besonders keine für Frauen, stehen wir immer vor einem sagenhaften Problem.

Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden, die Frage ist nur wie lange dieses noch der Fall ist.

Wo wir wieder bei einem Beitrag aus der Vergangenheit sind.

Es muss sich unbedingt etwas tun – Städte werdet wach!

 

Ach ja – vielen Dank an den älteren Herrn, der Verständnis dafür hatte, dass wir weiter mussten und auch vielen herzlichen Dank an die Dame, die uns auf die obdachlose Person aufmerksam gemacht hat und darüber hinaus, herzlichen Dank an die Polizeibeamten, die uns und der obdachlosen Dame geholfen haben.

DANKE

Posted by Holger Brandenburg

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