Kein Mensch wird als obdachloser Mensch geboren

UNSICHTBAR e.V. hilft obdachlosen Menschen……

So hat es vor etwas mehr, als vor drei Jahren angefangen und noch heute sind wir dafür bekannt.

Doch was nur wenige Menschen wissen, wenn sie den Namen UNSICHTBAR e.V. lesen oder hören ist das wir nicht nur im Bereich der Obdachlosigkeit helfen und unterstützen, sondern da anfangen zu helfen, wo eigentlich alles anfängt, um letztendlich dort zu landen, wo es scheinbar oder nur schwer einen Weg heraus oder zurückgibt – die Obdachlosigkeit.

Wie sieht das aus was wir machen und was versuchen wir zu vermitteln?

Manchmal, so habe ich das Gefühl, scheinen die Menschen um uns herum zu denken, die fahren raus schenken einem Menschen eine Decke, trinken mit ihnen einen Kaffee und hören sich ihre Geschichten an.

Was daran ist so sehr viel, was sie immer schreiben, dass sie tun?

Zum einen – ja der Gedanke, dieser Menschen geht schon etwas in die richtige Richtung.

Genau das machen wir – wir fahren raus und wir helfen aber wir machen noch einiges mehr, eigentlich viel mehr, sogar sehr viel mehr.

In erster Linie machen wir uns Gedanken, wie es dazu kommt, was passieren muss, um dort zu landen, wo diese Menschen leben, menschenunwürdig ihren Alltag verbringen.

Gedanken machen wirkt jetzt nicht so anstrengend, eher entspannend, könnte man denken. Ja könnte man, wenn man sich einen Urlaub am Meer vorstellt, die Sonne auf einen strahlt und man auf den Horizont blickt.

Aber es gibt auch andere Gedanken, die die sich aus vielen Geschichten zusammensetzen, schlimmen, traurigen und teilweise wirklich entsetzlichen Geschichten, die wir erfahren – aus denen wir lernen und die wir dafür nehmen um uns Gedanken darüber zu machen, was man besser machen könnte.

Und unsere Gedanken die wir uns machen, fangen nicht an dem Punkt an, bei dem diese Menschen auf der Straße gelandet sind, sondern dort, wo es angefangen hat, an dem Punkt – der sie dort hingebracht hat und wir helfen nicht nur, wie immer gedacht wird, nur auf der Straße, sondern dort an den Punkten, die viele Menschen gar nicht sehen, wenn sie den Begriff „Obdachlosigkeit“ hören oder lesen.

Wir möchten Euch an dieser Stelle in ein paar kurzen Sätzen (Was eh nicht funktionieren wird, weil wenn ein Holger Brandenburg anfängt zu schreiben, lange kein Ende in Sicht sein wird) aufschreiben, was denn alles mit dem Begriff Obdachlosigkeit zusammenhängt, welch ein Rattenschwanz nötig ist, um überhaupt so tief zu fallen.

Erst einmal und das ist ganz wichtig zu wissen: „Kein Mensch wird als obdachloser Mensch geboren“, niemand kommt zur Welt und der Arzt entscheidet vor Ort bei der Geburt, was dieses Baby später einmal machen wird – dass alleine entscheidet das Schicksal eines Jeden, welches sein Urteil darüber fällt, wie es allen Menschen irgendwann geht, was sie erleben und wie sie ihr Leben leben.

Wusstet ihr alle eigentlich, dass auf den Straßen in Deutschland oder wenn man es mal genauer nimmt, weltweit – Menschen leben, die nicht nur ein schwaches soziales Umfeld hatten?

Wusstet ihr das dort auch ehemalige Manager leben, Professoren, Doktoren, Anwälte und Ingenieure?

Dort leben aber auch Menschen, die einen Beruf haben, sich aber trotzdem keine Wohnung leisten können und dort leben Mütter, mit ihren Kindern – oftmals versteckt, weil sie noch bei Freunden oder Bekannten unterkommen konnten – würden sie diesen letzten Halt verlieren, würden sie auch noch das verlieren, was ihnen an Reichtum geblieben ist, ihre Kinder.

Dort leben junge Menschen, die mit ihren Eltern nicht mehr klarkamen, wo Gespräche ins Leere liefen, jungen Menschen denen von „sogenannten“ guten Freunden ein freies Leben versprochen wurde, ein viel Besseres – ohne Vorschriften und Gesetzen, denen sie geglaubt hatten und die heute auf der Straße leben und sich prostituieren, Verbrechen begehen oder einfach alles tun würden, um diesem Leben ein Ende zu setzen. Viele von ihnen setzen den letzten Teil des Satzes leider auch um, weil sie keinen Ausweg mehr sehen.

Oder wusstet ihr das Sozialhilfeempfänger gar nicht alle was für ihre Situation können, oftmals und das heut zu Tage immer mehr, werden Menschen einfach auf ihrem Beruf gerissen und können die Art und Weise zu leben nicht mehr halten, die sie sich zuvor noch hart erkämpft haben. Oftmals scheitern durch solche Schicksalsschläge Existenten – Familien zerbrechen, ganze Träume gehen in Luft auf, bis zu dem Punkt, in dem viele Menschen leider in Suchkrankheiten verfallen, weil dieses für sie wie ein Ausweg aussieht, ihnen aber letztendlich auch noch das nimmt, was ihnen geblieben ist, ihren Stolz und den letzten Funken am Leben.

Und wusstet ihr auch, dass es so sehr viel Frauen gibt, die von ihren Männer tyrannisiert werden, oftmals bis ans Ende ihr psychischen Kräfte gebracht werden, geschlagen und misshandelt werden und sie diese Situationen oftmals, alleine schon wegen ihren Kindern durchstehen, um nicht in ein tiefes Loch zu fallen, irgendwann dann aber doch von ihren Partnern verlassen werden, weil kein Zusammenleben mehr möglich ist und sie dann mit ihren Kindern vor einem Berg bestehend aus einem Nichts stehen und auch zu den Menschen gehören, die stark gefährdet sind, obdachlos zu werden.

Wusstest ihr auch, dass es Menschen unter uns gibt, die jeden Tag arbeiten gehen, denen aber am Ende des Monats, teilweise weniger bleibt, als einen Hartz4 Empfänger, weil sie kurz über dem Satz liegen, der sie berechtigen würden, Zuschüsse zu bekommen, um alle Kosten wie Miete, Ernährung etc. zu stemmen.

Und wusstet ihr das all diese Beispiele damit verbunden sind, dass diese Situation ein normales Hirn irgendwann nicht mehr verarbeiten kann, dass viele dieser Menschen irgendwann hinter sich die Tür abschließen und keine Post mehr öffnen, sich niemanden mehr anvertrauen und ihrem Schicksal, welches es nicht gut mit ihnen meint, einen Weg ebnet, dass sie dorthin führt, wo man dann sagt:

UNSICHTBAR e.V. hilft obdachlosen Menschen.

Ja das tun wir und das tun wir gerne aber das ist nicht alles was wir machen.

Wir fangen bei A, wie Anfang an, denn ein Anfang wird überall gemacht und wenn man an diesem Punkt keine Freunde hat oder nur auf Vorwürfe oder Unterstellungen trifft, dann ist man ganz schnell bei F, wie Fertig und genau das dazwischen bieten wir jedem Menschen, der sich mit uns in Verbindung setzt an.

Wir wollen Freunde ersetzen, die sich von Euch distanzieren, die es nicht verstehen, warum ihr plötzlich nicht mehr das seid, was ihr einmal wart, die Eure Lebenssituation, die sich verschlechtert hat, nicht verstehen wollen oder können und wir sind die, die diese Menschen nicht auf O, wie Obdachlosigkeit setzen, sondern mit ihnen zusammen den Weg bis Z, wie Zusammenhalt und Zusammenarbeit gehen wollen, um ihnen Mut zu geben, sie aus ihrer immer kleineren Welt holen wollen, um ihnen einen Weg nach vorne zu zeigen und sie vor dem bewahren, was vielen Menschen wiederfahren ist – auf der Straße zu landen.

Wir sind vielleicht ein recht kleiner Verein aber die Menschen, die uns ehrenamtlich zur Seite stehen, stecken ihre Gedanken und ihre Herzen in das hinein, was sie tun, um anderen Menschen ein Lächeln zu zaubern – jede/r von ihnen gibt viel Zeit aber auch viel Herzblut, um nicht nur die Geschichten der Menschen zu erfahren, sondern in sie hinein zu wachsen und mit ihnen zusammen einen Weg in Richtung Hoffnung zu finden, einen Weg zu finden, der mit Worten verbunden ist, die leider an Bedeutung ihres wahren Wertes vergessen werden. Worte wie Nächstenliebe, Vertrauen, Freundschaft und Empfinden für soziale Standpunkte, die jedem von uns passieren können, die sich niemand erträumt oder erhofft und die sich kein Mensch auf dieser Erde gewünscht hat, erfahren zu müssen.

Wusstet ihr schon, dass es eine Erfüllung sein kann, zu helfen, dass es nicht mit Gold aufzuwiegen ist, Kinderaugen Lachen zu sehen, gestandene Menschen – wortlos vor einem stehen zu sehen, weil niemand von ihnen mehr daran geglaubt hätte, dass man ihnen ohne Vorurteile zuhören würde und Versprechen helfen zu wollen, umsetzt?

Wusstet ihr schon, dass wir nicht nur obdachlosen Menschen helfen, sondern dort ansetzen, wo alles irgendwann einmal beginnt?

Posted by Holger Brandenburg

Schreibe einen Kommentar