Auf der Suche…

Auf der Suche nach einem Unsichtbaren…
Holger und Rüdiger hatten auf einer Tour in einem langen, intensiven Gespräch von einem obdachlosen Herrn einen ungefähren Aufenthaltsort erfahren, wo er meistens die Nächte verbringt. Heute, am 01.06.2024 suchen Holger, Jens und ich (Karin) auf unserer Nachttour diesen Ort, um dem Obdachlosen unsere Hilfe anzubieten. Wir finden ihn zwar nicht, aber wir bleiben dran: Obdachlose Menschen brauchen sich nicht vor uns zu verstecken, aber wir drängen uns auch nicht auf. Wir fragen – und respektieren die Antwort, wenn nichts gewünscht wird. Ich glaube, ich brauche noch lange, um zu verstehen, dass immer mal wieder Hilfe abgelehnt wird, wenn sie doch ganz offensichtlich notwendig ist. Aber das bestimmen nun mal nicht wir, sondern die Menschen, die sie ablehnen. Manchmal merkt man ihnen die Scham an, dass sie sich in dieser Situation der offensichtlichen Obdachlosigkeit und Hilfsbedürftigkeit befinden – und dann tut es besonders weh, dass sie nichts annehmen. Manchmal höchstens einen Kaffee – und manchmal noch nicht mal den.
Unsere Nachttouren beginnen gegen 23 Uhr ab Lager, entsprechend spät sind wir dann auch in der Innenstadt, mittlerweile ist es ca. 2 Uhr. Aufgrund des Fußballspiels ist es sehr voll, Fans kommen immer noch mit den Zügen zurück nach Hagen, viele sind angetrunken. Ich kann mit Fußball nichts anfangen, aber selbst ich habe mitbekommen, dass der BVB gegen Spanien verloren hat – entsprechend ist vermutlich die Stimmung der Fans, die in der Stadt unterwegs sind. Wir brechen ab – kein obdachloser Mensch wird heute Nacht unterwegs sein, zu groß ist die Gefahr, als leichtes Opfer für Frustabbau gesehen zu werden.
Es gibt ja noch viele weitere Anlaufstellen außerhalb von Innenstädten und so fahren wir wieder zu „Rudi“. Ich wiederhole mich und das gerne: Es geht ihm gut und ich bin beruhigt. Mittlerweile weiß ich, was er möchte und wie viel und das bekommt er natürlich! Wir haben unseren Vorrat aufgestockt mit kaltem Kakao und kalter Vanillemilch – „Rudi“ ist begeistert von der Vanillemilch. Und ich freue mich über seine Freude…
Jens ist schon länger bei Unsichtbar, ich habe ihn allerdings heute erst kennengelernt. Ich bin begeistert: Er empfindet ebenfalls eine sehr große Sympathie und Empathie für „Rudi“!
An einer weiteren Anlaufstelle finden wir nur tiefschlafende Menschen vor, die wir nicht wecken möchten. Wenn sie mit Schlafsäcken, Isomatten und Rucksäcken/Taschen ausgestattet sind, ist das zunächst für uns ok.
Wir fahren weiter, wie immer aufmerksam, ob wir jemanden entdecken, der Hilfe brauchen könnte.
Kurz vor 5 Uhr erreichen wir das Lager. Es wird langsam hell, vereinzelt hört man bereits die Vögel zwitschern. Auf der Heimfahrt geht mir wie immer viel durch den Kopf, was meinen Einsatz bei Unsichtbar betrifft und dass ich froh bin, gerade Unsichtbar gefunden zu haben. In den letzten 4 Monaten habe ich viel gelernt, verstehe die Philosophie, die Unsichtbar vertritt und teile sie uneingeschränkt.
Der Kangoo wurde heute nicht geleert – aber die Fahrt hat sich wie immer gelohnt.
05:45 – ich bin Zuhause.
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EHRENAMT BEI UNSICHTBAR e. V.
Das Ehrenamt bei UNSICHTBAR e. V. besteht nicht ausschließlich aus der Arbeit auf der Straße. Bring dich zum Beispiel in der Fahrzeugpflege mit ein, sortiere, packe und waschen und reinige regelmäßig unsere Fahrzeuge, denn auch das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
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