Frauenpower und Gemüsesuppe…

Heute – 30.05.2024 – ist die geballte Frauenpower unterwegs: Sina, Susanne S. (noch ein Schnüffelmitglied) und ich (Karin). Susanne fährt zunächst mit Holger eine Parallel-Tour zu einer Meldung, während Sina und ich zusammen mit dem DRK etliche Aufenthaltsorte anfahren. Martin (vom DRK) hat ein Reis-Gemüsegericht mit Geflügelwurst gekocht. Hiermit ein Dank an Martin und das DRK: Auch das gehört zur Hilfe für obdachlose Menschen: Die Akzeptanz ihrer Religion und Kultur und der Respekt davor – es gibt kein Schweinefleisch. Das zu respektieren tut niemandem weh und nimmt niemandem etwas. Ab und zu kommt eine obdachlose Frau zu uns, die nach fleischfreien Terrinen fragt – die haben wir natürlich auch an Bord. Ich bin selbst Vegetarierin, ich weiß, wie wichtig dieses Thema ist.
Holger und Susannes Tour ist beendet, wir verabreden telefonisch eine Susanne-Übergabe an Sina und mich… 😉
Wir drei fahren langsam durch die Fußgängerzone, halten Ausschau. Sina bemerkt ein junges Paar, der Mann macht einen symbolischen Fußtritt hinter unserem Wagen. Möge ihn das Schicksal davor bewahren, jemals obdachlos zu werden und auf Hilfe wie von Unsichtbar angewiesen zu sein. Ich hatte früher schon mal die Überlegung in einem Bericht geschrieben: Was denken die Menschen, die im Vorbeigehen sehen, dass wir obdachlosen Menschen helfen? Der symbolische Fußtritt war eine Reaktion – wir erleben zum Glück auch andere, wenn Menschen uns z.B. spontan eine Spende in die Hand drücken und sagen, wie sehr sie unser Tun (ich finde den Begriff „Arbeit“ schwierig, Arbeit ist schnell negativ behaftet) schätzen und wie wichtig wir sind.
Wir haben heute die Geschichte eines obdachlosen Menschen gehört, der zwar jetzt eine Wohnung hat, der jedoch lange auf der Straße gelebt hat und alkoholisiert am Kangoo auftaucht. Auch hier wurde – wie so oft, der Grundstein in der Kindheit gelegt. Er erzählt seine Geschichte und sagt zum Schluss, dass er sich nach dem Erlebten von allem losgesagt hat: „Ich wollte einfach frei sein“. Frei? Die Straße bedeutete für ihn „Frei zu sein“? – Eine schwer verdauliche Aussage, die mich immer noch beschäftigt. Welche Verzweiflung muss in diesem Menschen bereits in frühster Jugend gewachsen sein, dass er bewusst diese Entscheidung – die Straße – für sich gewählt hat? Diesem Menschen wünschen wir alles Glück der Erde – aber wir wissen, dass es ihm verwehrt bleibt. Und das tut weh.
Es war nicht das einzige verstörende Erlebnis und es hat etliche gegeben und es wird weitere geben.
Das ist unser Job und dafür steht Unsichtbar. Wir helfen durch die Nacht – nicht nur mit Terrinen und Getränken etc., auch durch Zuhören, einfach DA sein.
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EHRENAMT BEI UNSICHTBAR e. V.
Das Ehrenamt bei UNSICHTBAR e. V. besteht nicht ausschließlich aus der Arbeit auf der Straße. Bring dich zum Beispiel in der Fahrzeugpflege mit ein, sortiere, packe und waschen und reinige regelmäßig unsere Fahrzeuge, denn auch das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
Werde Teil von etwas Großem – werde ein Teil von UNSICHTBAR e. V.“