Eine Email an uns

Liebes Team von Unsichtbar!

Neulich bin ich als Durchreisende auf dem Neumarkt einer Obdachlosen begegnet.

Sie war knochig und vollkommen verwahrlost, trug nur Schuhe und einen alten Mantel und schleppte eine Tasche mit einer Decke und Zigaretten mit sich. Sie ging gekrümmt, so sah ich zuerst ihr Gesicht nicht. Plötzlich hob sie den Kopf und schaute mich an. Ich lächelte und sie lächelte zurück.

Aber mir fuhr der Schreck in die Glieder. Diese Frau war vielleicht gerade mal 20 Jahre alt! Und sie war definitiv am Ende. Ich habe nur gedacht „Die lebt nicht mehr lange!“

Ich bin in Großstädten aufgewachsen und an den Anblick von Obdachlosen gewöhnt, aber noch nie hat mich ein Anblick so tief traurig und erschüttert gemacht.

Ich unterstütze in meinem Heimatort die Obdachlosenhilfe und ich weiß, was Sie alle für eine unermessliche Arbeit leisten.

Aber bei dieser Frau beschlich mich die Panik, dass sie wirklich „unsichtbar“ und durch das Netz der Hilfe gefallen war.

Ich war wie gesagt auf der Reise, hatte kein deutsches Geld dabei und letztendlich nicht den Mut zu fragen, ob sie eine Anlaufstelle hätte.

Das macht mich im Nachhinein noch trauriger und beschämter als ich eh schon war

Hochachtungsvoll,
(Anmerkung: Den Namen des Absenders haben wir weggelassen und die/der Verfasser ist damit Einverstanden, dass wir diese Email veröffentlichen)

Posted by Holger Brandenburg

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