Monat: September 2017

Das Vertrauen eines Menschen mit Füssen treten

Das Vertrauen eines Menschen mit Füssen treten

Das Vertrauen eines Menschen mit Füssen treten

Wir haben September, in einer Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis lebt Christian (Name von uns geändert), er hat zwar eine Wohnung, fühlt sich da aber nur solange wohl, bis der Tag anbricht und er wieder auf die Strasse gehen kann, dahin zurück, von wo er kam.

Christian hat ein schweres Alkoholproblem und damals als es ihm noch gut ging, sagt er, ja damals da habe ich noch viel Geld verdient, konnte mir so einiges leisten und dann geriet ich an falsche Freunde, familiär passierte vieles und meine Psyche lies mich im Stich, so dass ich zur Flasche griff und somit alles verlor, was mir eigentlich immer wichtig war.

Ein ganz normales Leben zu führen, eine Familie zu haben, die zu einem hält und Freunde mit denen man sich über alles unterhalten kann, vor allem denen man vertrauen kann.

Heute hat er nichts von alle dem, außer dem Alkohol, der ihn nicht mehr loslässt und zwei, drei Freunde, denen es ähnlich wie ihm geht und hin und wieder bei ihm sitzen und sich mit ihm unterhalten.

Einer dieser Freunde lebt mit seiner Frau unter einem Dach, den Beiden geht es eigentlich gut und damals hatte ich mich gefreut, als sie mir angeboten hatten, ihnen ein bisschen zu helfen.

Er nennt es Nachbarschaftshilfe aber auch egal wie man es nennen mag, er bekam für die Hilfe mal hin und wieder den Rasen zu mähen oder mal ein Zimmer anzustreichen, ein warmes Essen und etwas zu trinken, wahlweise auch gerne mal ein Bierchen.

Er lächelt – na ja sagt er, wahre Freunde trennen sich halt nie und dann schaut er wieder traurig und erzählt weiter.

Ich bekam für, dass was ich da so gemacht habe hin und wieder auch ein bisschen Taschengeld und weil ich mir etwas zusammensparen wollte, bat ich die Beiden darum, einen Teil zurückzulegen, wo der andere Teil hinging, könne ich mir wohl denken.

Ich schaute ihn an und meinte, bestimmt nicht für was Essbares

Er nickte…

Und dann erzählte er mir weiter und jetzt kommt das unfassbare und unverschämteste was ich seit langer Zeit gehört habe – ich war und bin noch immer fassungslos darüber.

Letztens habe er Geburtstag gehabt und habe sich ein paar Dinge gewünscht, dazu gehörten unter anderem auch ein paar warme Stiefel, eine Hose und eine Jacke und weil er ja Geburtstag hatte, habe er sich einfach noch ein paar Kopfhörer dazu gewünscht.

Es hätte ja nicht alles erfüllt werden müssen aber wünschen und träumen ist ja erlaubt.

Als der Tag dann kam und er seine Geschenke ausgepackt hatte, konnte er seinen Augen nicht trauen – all das was er sich gewünscht hatte, wurde ihm erfüllt.

Die Kleidungsstücke waren zwar gebraucht aber egal, es war ein kurzer Augenblick voller Freude – doch die Freude lies schnell nach, als er die Beiden anschaute, bedankte und sie darum bat, ihm sein Erspartes zu geben, damit er sich nun endlich einen für ihn tollen Wunsch erfüllen könnte.

(Diesen Wunsch werden wir nicht veröffentlichen, da es sich hierbei um etwas handelt, was wir – sollten Kinder unsere Berichte lesen – diesen nicht zu lesen geben möchten. Wir denken jeder erwachsene Mensch kann sich in etwa vorstellen, um was es sich hier handelt, wenn man lange Zeit alleine war und einfach mal etwas Nähe sucht, selbst wenn dieses mit Kosten verbunden ist)

Doch seinen Wunsch konnte er sich nicht erfüllen, denn all seine Geburtstagsgeschenke wurden, wie er im Anschluss erfuhr, von seinem Ersparten bezahlt, selbst die gebrauchten Sachen wurden geschätzt und umgerechnet, nur ein winzig kleiner Rest, der gesamten Summe blieb davon übrig, den er bis heute nicht bekommen hat.

Mittlerweile haben sich die Wege der Freundschaft wohl getrennt, für ihn ein Stoß in den Nacken, wieder einmal endtäuscht worden zu sein, als er anfing zu vertrauen und wieder einmal ein Grund mehr, noch tiefer in die Flasche zu schauen, weil er immer und immer mehr den Sinn des Lebens verliert.

Zusammen mit einer Vereinskollegin sprach ich heute mit ihm, hatten ihm erstmal seine Handykarte aufgeladen und ihn etwas aufgebaut.

Aufgebaut darin, dass es nicht nur schlechte Freunde gibt, die nur nehmen können – sondern auch Freunde, die nichts nehmen, sondern einfach nur gerne geben.

Es gibt eben solche, die – die Armut anderer ausnutzen und es gibt, nicht nur Menschen, wie wir von UNSICHTBAR e.V. , sondern bestimmt noch einige andere, die den Begriff Freundschaft, wertschätzen können.

Irgendwo da draußen, man muss sie nur finden….

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Der schmale Grad zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Der schmale Grad zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Wolfsburg eine Stadt mit Hintergrund, das Volkswagenwerk bekannt für ihre Skandale aber auch ohne Ende laufenden Fahrzeuge. Der Fußballverein, die Autostadt, einem kleinen Zoo und bekannt, als die fünftgrößte Stadt Niedersachsens.

Doch hinter der schillernden Fassade verbirgt sich wie in vielen anderen Städten des Landes, dass was viele Menschen nicht sehen wollen.

Armut, soziale Not, Obdachlosigkeit.

Obdachlos sind hier auch zwei Menschen geworden, die sie in Wolfsburg gefunden haben.

Er, nicht immer ein Mensch, dem man sagen könnte „Hey dein Leben ist bisher ja perfekt gewesen“ – nein ganz und gar, was er aber auch selber von sich sagt und nicht besonders stolz auf das ist, was er in den letzten 6 Jahren so getrieben hat.

Damals war er Anfang 20 und verließ seine Familie, weil er den Psychoterror von seiner Mutter nicht mehr aushalten konnte.

Er sagt: Meine Mutter ist psychisch krank und ein Zusammenleben, wäre damals nicht mehr in Frage gekommen, heute will seine Mutter nichts mehr von ihm wissen.

Nach dem Auszug aus dem Elternhaus, geriert er leider auf die schiefe Bahn und Drogen wurden seine besten Freunde, seine beiden Besten hießen „Cannabis“ und „Amphetamine“, doch schon bald konnte er sich diese nicht mehr leisten und wurde zum Drogenverkäufer, um sich über Wasser halten zu können.

Damals lebte er bereits auf der Straße, nur hin und wieder konnte er bei sogenannten Freunden Unterschlupf bekommen, doch dann eines Tages, wurde er festgenommen – gefolgt von einer Haftstrafe.

4 Jahre seines Lebens verbrachte er in der Psychiatrie, bekam eine Therapie bis 2017 und wurde dann entlassen.

Aus der Haft entlassen, kam er in eine Einrichtung und lernte dort seine Freundin kennen.

Es war Liebe auf den ersten Blick, doch scheint ihm diese Liebe niemand zu gönnen, wiedermal stellte sich seine Mutter gegen ihn aber auch die Familie seiner Freundin, wollte von den beiden nichts wissen und blockierten den Kontakt endgültig.

Die Einrichtung, in der sie Unterschlupf fanden, machte beide darauf aufmerksam, dass sie sich entweder trennen müssten oder die Einrichtung sofort verlassen sollten.

Grund dafür war, dass sich beide negativ beeinflussen könnten.

Doch da sie nichts und niemand trennen kann, verließen sie die Einrichtung und kamen erstmal bei einem Freund unter, der jedoch bewohnt eine 1-Zimmer Wohnung und zu dritt ist dort ein Leben auf Dauer, nicht möglich.

Dann die Überraschung, seine Freundin wurde schwanger, das ist nun 3 Monate her, heute schlafen sie auf der Straße und morgen, wenn sie Glück haben, bei einem Freund.

Ihr Essen schnorren sie sich zusammen, sagt er und sagt auch gleichzeitig, dass ihm das sehr peinlich ist.

Auf der Straße zu bleiben ist keine Option aber alle Ämter und Einrichtungen stellen sich quer, auf Grund ihrer Vorgeschichte und wollen sie in eine Unterkunft schicken, in der gebrauchte Nadeln auf der Erde liegen und Drogen konsumiert werden – dahin will er nicht zurück und schon gar nicht mit seiner Freundin, die zum einen Schwanger ist und selber früher Drogen genommen hat.

Sie – ist mit 14 Jahren von zuhause weggelaufen, lebte damals auf der Straße und fand auch die falschen Freunde, nahm sowie er auch – Drogen und rutschte dadurch ins Rotlicht ab.

Vor 4 Jahren noch war sie schwärst abhängig – hier waren es Kokain und Heroin aber auch Sie hat den Weg daraus gefunden und ist seitdem clean und besucht eine Substitutionstherapie.

Das Leben auf der Straße ist echt schlimm sagt er, wenn das so weitergeht, können sie bald nicht mehr. Menschen bespucken sie, beleidigen sie und seiner Freundin wird immer und immer wieder Sex gegen Geld angeboten, so dass sie jeden Abend in seinen Armen liegt und fürchterlich weint.

Ein psychischer Kraftakt, den man sich kaum vorstellen kann.

Als Übergang, solange bis sie eine Meldeadresse gefunden haben und sich damit beim Amt anmelden können, danach vielleicht eine kleine Wohnung für sich und das kommende Kind gefunden haben, würden sie sich auch über eine kleine Hütte, einen Wohnwagen, einen Ort an dem es nur etwas geborgen ist freuen.

Mit dieser Bitte, ihre Geschichte zu veröffentlichen und vielleicht jemanden zu finden, der in Wolfsburg wohnt oder Freunde oder Bekannte hat, damit ihnen vielleicht irgendjemand eine klitze kleine Chance gibt, all das was einmal war – vergessen zu machen und ein neues Leben zu beginnen, mit dieser Bitte, traten sie heute an UNSICHTBAR e.V.

Wir veröffentlichen sehr gerne ihre Geschichte, auch wenn das nur etwas sehr Geringes ist, was wir tun können aber ein Versuch, dass etwas dabei rauskommen wird, eine kleine Hoffnung, das sich jemand findet, der diesen Menschen helfen möchte, diese Hoffnung stirbt zuletzt.

 

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Das Leben und was dahintersteckt

Das Leben und was dahintersteckt

Auf der Welt leben 7.473.690.000 Menschen, davon leben in Deutschland 82,8 Millionen Menschen und jeder von ihnen hat ihn bestimmt schon einmal erlebt, diesen Augenblick, in dem man glaubt, es geht weder vorwärts, noch rückwärts.

Momente in denen man das Gefühl hat, der Himmel bricht über einen zusammen und wenn er dann runterfällt, dann war es das eben.

Diese Augenblicke in denen man ratlos ist und niemand für einen da ist, niemand der einen in diesem Augenblick verstehen würde.

Egal was man tut oder sagt, es könnte falsch sein und egal wie oft man versucht aufzustehen, man hat das Gefühl, irgendwas zieht einen wieder runter.

Schach Matt –  rien ne va plus – nichts geht mehr.

Doch jeder von uns hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen Menschen.

Alle die, die noch laufen können, klar denken können und ein Dach über dem Kopf haben, könnten eigentlich aus dieser Situation heraus, sie könnten Freunde, Bekannte oder die Familie einladen, um gemeinsame Stunden zu verbringen, um lachen und weinen zu können, um sich zu umarmen und das zu spüren, was sie meinen verloren zu haben.

Doch ist schreiben einfacher, als die Realität aussieht, viele dieser Menschen, haben weder Freunde, Bekannte oder auch keine Familie.

Sie sitzen da und starren an die kalte Wand und verfallen in Gedanken, die tief in ihnen schlummern und in denen sie sich zurückziehen. An eine gesellschaftliche Teilnahme, etwas zu unternehmen, wird da schon lange nicht mehr gedacht.

Aber es sind nicht nur die, die es vielleicht ändern könnten.

Es gibt auch die, von denen man es gar nicht glauben könnte, dass sie einsam sind.

Politiker, Schauspieler, Manager und Menschen die im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen, auch diese Sparte ist oftmals alleine.

Es sind doch die Großen und Bekannten, die – die doch jeder kennt. Weit gefehlt – denn das denken die Anderen auch und somit passiert meistens das, was viele sich gar nicht vorstellen können, dass auch diese Menschen plötzlich nicht mehr zur Gesellschaft dazu gehören, sich in ihre Welt zurückziehen und dann nur noch funktionieren.

Jetzt reicht es aber!

Nein noch lange nicht – denn was ist mit den alten Menschen, den Armen, den Schwachen, den Behinderten und was ist mit dir?

Wie was ist mit mir, denkst Du dir jetzt vielleicht?

Ja was ist mit dir? Kennst du dieses Gefühl, plötzlich alleine da zu stehen?

Niemand scheint dich zu sehen, deine Decke fällt dir auf deinen Kopf, die Erde dreht sich nicht mehr so wie vorher und all deine Träume verpuffen in der Luft, weil alleine Träumen, doch einfach nur doof ist.

Du kennst es sicherlich, irgendwo eingeladen zu sein aber nicht wirklich die Lust zu haben, den Termin wahrzunehmen oder du bist sitzen gelassen worden oder es hat mal wieder was nicht so funktioniert wie du es wolltest und alles ist plötzlich doof.

Essen doof, Leben doof, Lachen doof, Menschen doof, Alleine sein doof!

Na kennst du es?

Und was dann? Stell dir vor du gehört zu den rund 17 Millionen Rentnern, die älter als 65 Jahre sind, dessen Lebenspartner von ihnen gegangen ist und sie nun niemanden mehr haben.

Was glaubst du wieviel Kinder oder Enkelkinder, sich nicht mehr um ihre Eltern kümmern, weil sie sind ja da – reicht doch oder weil irgendwann mal was passiert ist und der Kontakt abgebrochen ist oder weil diese einfach keine Kinder haben.

Es werden nicht alle 17 Millionen Rentner sein, die am Abend zu Hause sitzen und sich wünschen, dass irgendjemand dort oben, endlich den Knopf drückt und ihr einsames Schicksal somit einfach auflöst – aber für die, die dieses Gefühl haben, ist die Welt nicht nur einsam, sondern auch verdammt traurig.

Schätzungsweise 700.000 Menschen gingen 2011 in die Erwerbsunfähigkeit, wobei die Zahlen mittlerweile deutlich gestiegen sein dürfen.

Doch geht es Ihnen besser, weil sie jetzt mehr Zeit haben, sowie die älteren Rentner auch – nein sehr weit gefehlt.

Die Rente reicht hinten und vorne nicht mehr aus, meistens bekommt man eine Grundsicherung dazu, um überhaupt noch eine Wohnung bezahlen zu können.

Was aber noch viel schlimmer an der Sache ist, die Menschen, die keinen Anschluss mehr an der Gesellschaft haben, wissen teils gar nicht, dass ihnen eine Grundsicherung zusteht.

Wusstest du das 2014 mehr als 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen der Mangelernährung gestorben sind, weil sie krank waren und nicht ausreichend ernährungsmedizinisch versorgt werden konnten!?

Kannst du dir vorstellen wie es sein muss sich selbst aufzugeben?

Nein?

Dann frag doch mal alle die, die auf der Straße leben, wie muss es diesen Menschen gehen, denen man immer und immer wieder sagt, dass kein Mensch auf der Straße leben muss, die Menschen, die jeden Tag um ihr Dasein fürchten müssen, die Menschen, die niemand sieht, weil sie gar nicht da sind.

Wie muss es diesen Menschen gehen, wenn du nachvollziehen kannst, wie sich Einsamkeit anfühlt, wie muss es diesen Menschen gehen, wirklich einsam zu sein, wie muss es sich für jeden einzelnen anfühlen – einsam durch ihr Leben zu gehen und zu ahnen, dass sich niemand genau um das kümmert.

All den armen, alten und obdachlosen Menschen – all die Jenigen die aus dem Raster gefallen sind, die niemand mehr interessiert, all die Jenigen die nur noch funktionieren und all die Jenigen, die einfach nur darauf warten, dass jemand für sie den Knopf drückt.

Du möchtest mit uns über dieses Thema diskutieren? Dafür haben wir ein Facebookgruppe, in der wird das Ganze gerne vertiefen können. Vielleicht möchtest du deine Geschichte dazu erzählen? Einfach klicken und wir freuen uns dich begrüßen zu dürfen.

Zur UNSICHTBAR e.V. Facebook Gruppe

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Eine traurige Geschichte, mit einem kleinen Happy End.

Eine traurige Geschichte, mit einem kleinen Happy End.

Obdachlosigkeit, viele Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigen fragen sich – was ist – wenn es mich mal trifft, was mache ich dann nur und was ist, wenn mir mal was passiert, wer kümmert sich da dann um mich und was wäre, wenn ich krank werden würde, würde man mir dann helfen?

Die Zahlen der obdachlosen Menschen in Deutschland steigt immer und immer mehr und die Politik scheint es immer weniger und weniger zu interessieren.

Besonders schlimm trifft es Menschen wie Piotr (Name geändert), der seit Jahren in Dortmund auf der Straße lebt und schläft und der gestern um eine wirklich traurige Erfahrung reicher geworden ist.

Kay Kuhnert, vom Verein Hand in Hand e.V. in Dortmund rief mich gestern an und erzählte mir die Geschichte von Piotr, einem sehr langen Sonntag und was er alles versuchte, um diesen Menschen zu helfen.

An dieser Stelle erstmal einen riesen Respekt was eine Person alleine alle bewirken kann, wenn man nur will.

Hier nun die Geschichte von Piotr, uns zugetragen von Kay Kuhnert und von uns gerne veröffentlicht.

Piotr stammt aus Polen, ist irgendwann nach Deutschland gekommen und wie viele von ihm, haben sie hier auf Arbeit gehofft, nur haben sie nie eine gefunden.

Die Familien, die sie für den Traum „ein besseres Leben“ hier zu finden, hinter sich gelassen haben, zu denen bestand irgendwann kein Kontakt mehr, zu knapp ist das Geld, um selbst mal dort anzurufen oder zu arg ist der Stolz, ihnen davon zu berichten, dass ihr gemeinsamer Traum geplatzt ist.

Piotr hatte irgendwann mal angefangen zu trinken und kommt bis heute auch nicht mehr davon weg und hinzukommt, seine Krankheit die ihn jeden Tag immer und immer mehr quält, ihn kaum eine Nacht schlafen lässt und seine Bewegungen so stark einschränken, dass er wie in der letzten Woche auch, nur noch auf seiner Matratze, vor irgendeinem Gebäude in der Stadt gelegen ist und nicht wusste, wie es weitergehen soll.

Die Mitbürger versorgen ihn wohl und sprechen auch mit ihm, doch sein letzter Funke Stolz, verbietet es ihm, sich über das zu unterhalten, was am schlimmsten für ihn ist.

Zum Beispiel, der Drang auf Toilette zu gehen – mittlerweile uriniert er in eine Flasche, die ein andere obdachloser Menschen, für ihn abholt und irgendwohin schüttet.

Was mit Stuhlgang wäre, fragte Kay Kuhnert ihn. Er habe seit 5 Tagen keinen mehr gehabt.

Schon in der Vergangenheit wurde er in einer Hautklinik in Dortmund aufgenommen und dort behandelt, dies geschah aber auch nur mit viel Mühe die Kay Kuhnert schon damals hatte, ihn unterbringen zu können, weil sich alle Einrichtungen weigerten Piotr aufzunehmen und zu behandeln.

Er bekam dann eine Salbe und wurde entlassen und sollte zu einem Hausarzt gehen. Ja ein Hausarzt – der diese Krankheit behandelt, als obdachlose Person, die schon fast jeglichen Lebensmut verloren hat, zu finden – ist nicht gerade leicht.

Piotr hat eine ausgeprägte Schuppenflechte, hier einmal eine Kurzbeschreibung der Krankheit

Schuppenflechte

Unter dem Begriff Schuppenflechte oder auch Psoriasis wird eine juckende und schuppende Erkrankung der Haut zusammengefasst, die alle Bereich am Körper betreffen können. Neben der Haut können auch noch andere Organe des Körpers, wie z.B. Gelenke betroffen sein. Die Schuppenflechte ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, die vererbt werden kann.

Man unterscheidet einen Früh typ (Typ 1) und einen Spät typ (Typ2). Der Früh typ bricht vor dem 40. Lebensjahr aus, der Spät typ nach dem 40. Lebensjahr. Auch im Kindesalter kann es zu einer Schuppenflechte kommen. Die Schuppenflechte verläuft in Schüben, was neben der Basisbehandlung dann auch eine akute Schubbehandlung notwendig macht.

Prognose

Eine Heilung der Schuppenflechte ist aktuell noch nicht möglich. Jedoch kann es in verschiedenen Altern auch zu unterschiedlich starker Ausprägung der Beschwerden und der Schübe kommen.

So kann es vorkommen, dass die Beschwerden im jungen Erwachsenenalter sehr häufig und stark sind aber dann in älteren Jahren kaum noch vorhanden sind.
Mit einer Basisbehandlung, die regelmäßig auch zur Vorbeugung von Schüben angewandt werden sollte, in Verbindung mit einer akuten Schubbehandlung kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden.

Hausmittel gegen die Schuppenflechte können immer auch ergänzend eingesetzt werden.
Schwere Verläufe betreffen große Flächen des Körpers und zeichnen sich durch eine häufige Schubfrequenz aus.
Hier müssen mehrere parallel laufende Behandlungen, bestehend aus Bestrahlung, Lotion-, und Tablettenbehandlung kombiniert werden. Neben den störenden und juckenden Effekten einer Schuppenflechte sind die psychischen Komponenten nicht zu unterschätzen.

So leiden schwer betroffene Patienten auch oftmals unter permanenten Angst-, und Stresssituationen, trauen sich oft nicht in die Öffentlichkeit, was dann auch zu einer sozialen Problematik führen kann. Bei schweren Verläufen kann auch eine begleitende Psychotherapie sehr hilfreich sein.

                Quelle: https://www.dr-gumpert.de

 

Damals als Piotr das erste Mal aus einer Klinik entlassen wurde, geschah das mit folgendem Argument:

Eine Weiterbehandlung, sollte durch einen Hausarzt durchgeführt werden, weil es für ein Krankenhaus auf Dauer zu teuer werden würde einen Menschen zu behandeln, der nach angeschlagener Therapie, letztendlich wieder auf der Straße lebt und dem Alkohol verfällt.

 

Dann erzählt Kay Kuhnert weiter.

Um 12:30 Uhr, da traf ich ihn am Sonntag und was ich da sah, hat mich wirklich geschockt.

Unter den Füßen, Beinen, Armen, am Bauch und die Kopfhaut, 2-3 mm dicke Hornhaut, die vom Fleisch abstirbt und da drunter schreckliche Entzündungen, die auf der Haut von Piotr klaffen.

Ein Anblick, den werde ich lange Zeit nicht vergessen können und mein erster Gedanke war, hier muss Hilfe geholt werden, irgendjemand muss diesem Menschen jetzt und hier helfen und solange das nicht passiert, würde er hier auch nicht weggehen.

Er rief einen Rettungswagen, der dann auch gleich kam, doch auch so leid es den Rettungssanitätern tat, sie konnten und durften ihn nicht mitnehmen, da es tatsächlich ein Fall für den Hausarzt sei.

Man sah auch den Rettungssanitätern an, dass sie es gerne getan hätten aber auch sie haben ihre Vorschriften und vorwerfen kann man es ihnen definitiv nicht.

Einer von ihnen wendete sich zu Kay Kuhnert hin und sagte: Wäre der Herr jetzt alkoholisiert, dann müssten wir ihn mitnehmen aber der Fall ist leider anders und dafür wäre ein KTW (Krankentransportwagen) zuständig.

Damit Kay Kuhnert nicht alleine der Situation überlassen wurde, forderte die Besatzung des RTW`s einen KTW an, der nach einer Stunde kam, sich jedoch schnell herauskristallisierte das auch diese nicht für ihn zuständig sein wollten.

Nach längeren hin und her, nahm man sich das Telefon in die Hand und rief sämtliche dermatologischen Einrichtungen in Dortmund an, diese jedoch und zwar alle verweigerten nicht nur eine Aufnahme von Piotr sondern auch die Behandlung, seiner Wunden.

Was sehr nach unterlassender Hilfeleistung schreit, von der sich die Einrichtungen aber in keinster Weise etwas angenommen hatten.

Und als ein Mitarbeiter des KTW dann eine letzte verzweifelte Idee hatte, wurde Piotr in den KTW eingeladen und ohne einen voherigen Anruf, in eine Klinik nach Unna gebracht, dort fanden sie eine Klinik, die Piotr dann aufnahmen, in der er nun liegt und man sich um seine Wunden und seine Krankheit kümmert.

Für Kay Kuhnert ging ein Tag zu Ende, den er, wie er sagt niemals vergessen wird und der für ihn so viel neue Fragezeichen ausgelöst hat, die er nicht gedacht hätte, haben zu können.

Viele Fragezeichen, für die er wohl niemals eine Antwort bekommen wird, weil das Thema „Menschen auf der Straße“ für viel zu viele, die darüber entscheiden könnten, etwas dagegen zu unternehmen und diesen Menschen nicht nur im Ansatz zu helfen, gar nicht erst auf deren Schreibtischen landet, um sich nur in geringster Weise einmal darüber Gedanken zu machen.

Was wäre – wenn ich in so eine Situation käme?

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Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind auf den Strich schickt….

Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind auf den Strich schickt….

Samstag, der 02.09.2017 unser Telefon klingelt.

Am anderen Ende eine soziale Einrichtung, die sich um obdachlose Menschen kümmert, sie mit Kleidung und einer Kleinigkeit zu Essen versorgt.

Eine besorgte Stimme fragt mich, ob ich einen Tipp oder einen Ratschlag für folgen Fall hätte.

In der Auffangstelle steht eine junge Frau (21), die aus einer norddeutschen Stadt, die lange Fahrt auf sich genommen hat, um woanders unterzukommen.

Ihr Gedanke war nur weg von dort, von wo sie kam, denn dort könnte sie nicht mehr bleiben, weil sie um ihr Leben fürchten müsse.

Was man wissen sollte:

Junge Menschen bis zum Alter von 25 Jahren, müssen laut Gesetz von ihren Eltern unterstützt werden, oder bis zum Abschluss ihrer Ausbildung oder ihres Studiums.

Somit müsste sich die Familie, in dem Fall die Mutter, der jungen Frau sich um diese kümmern.

Eine Ausnahme wäre, die Familie käme mit dem Kind nicht mehr zurecht, weil sie/er sich nicht an Regeln hält oder durch anderes Verhalten, nicht mehr tragbar wäre, für ein gemeinsames Familienleben. Dieses müsste jedoch von den Eltern schriftlich bestätigt werden, damit Ämter, dann Unterstützung, wie zum Beispiel Hartz4 genehmigen würden.

In dem Fall der jungen Frau käme das aber nicht in Frage, weil ihre Mutter ihr dieses Schreiben niemals ausfüllen würde.

Warum? Achtung festhalten….

Die junge Frau wird/wurde seit mehreren Jahren zur Prostitution durch die eigene Mutter gezwungen, damit diese sich ein schöneres Leben machen kann/konnte.

Das hat die junge Frau nervlich so niedergemacht, dass sie bereits in ihrer Heimatstadt, schon des Öfteren weggelaufen war aber immer wieder von ihrer Mutter aufgefunden wurde und weiter gezwungen wurde, sich zu prostituieren.

Ein kranker Gedanke – wie kann die eigene Mutter – ihr eigenes Kind, nur zu sowas zwingen.

Ganz ehrlich? Mir fällt es gerade nicht wirklich leicht diesen Bericht zu schreiben aber sowas muss einfach auch mal öffentlich gemacht werden. Vor allem müssen das die Menschen lesen, die immer sagen „Niemand muss auf der Straße leben“ – doch müssen sie wohl, weil niemand da ist, der ihnen hilft und es keinen Ausweg zu geben scheint, von dort wegzukommen.

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Wie bereits geschrieben, flüchtete die junge Frau in eine andere Stadt, in der Hoffnung dort unterzukommen – doch auch dort (Wir nennen den Namen der Stadt absichtlich nicht, weil es nicht nur dort so ist, sondern viele andere Städte sich genauso verhalten) wurde ihr Hilfe verweigert – WEIL sie nicht in der dieser Stadt leben würde und auch nicht vorhätte, dort leben zu wollen.

Die Frage an dieser Stelle ist?

Wofür gibt es eigentlich Urteile – wenn man diese eh nicht befolgt?

„Ein mittelloser obdachloser Unionsbürger darf nicht zur Vermeidung seiner Einweisung in eine Notunterkunft auf die Übernahme der Kosten für seine Rückreise an einen anderen Ort (hier Heimatort) verwiesen werden, so das VG Oldenburg, Beschl. v. 05.07.2013 – 7 B 5845/1311 ME.

Das gilt auch für den Fall, dass er Leistungen nach dem SGB II oder SGB XII nicht beanspruchen kann. Zuständig zur Behebung der mit der Obdachlosigkeit verbundenen Gefahr für Leib oder Leben des Betroffenen ist die Gemeinde, wo der Betreffende obdachlos wird, nicht die Gemeinde, wo der Betroffene gemeldet ist oder war oder wo er seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat oder zuletzt hatte. „

Quelle: http://www.verwaltungspraxis.jurion.de/news/aktuelles/heimfahrkarte-statt-einweisung-in-obdachlosenunterkunft-nicht-zulaessig/

(Recherchiert von Kay Kuhnert. Danke dafür)

In Zusammenarbeit mit der sozialen Stelle, die uns angerufen hatte, haben wir von UNSICHTBAR e.V. versucht in kürzester Zeit jemanden zu finden, wo die junge Frau für ein paar Nächte unterkommen hätte können. Wenn man von Ihrer Mutter angefangen hatte zu sprechen, fing sie fürchterlich an zu zittern und stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch – ein Zurück kam für uns an dieser Stelle absolut nicht in Frage, doch ist uns das leider nicht gelungen und das Ende der Geschichte ist….

Nachdem die Stadt, in der sie Zuflucht gesucht hat, sie quasi verscheucht hatte, übernahm die soziale Einrichtung, die Kosten für eine Fahrkarte zurück in ihre Heimatstadt, in der sie nun (hoffentlich) von einer Auffangstation empfangen wird und auf ihrem Weg weiter begleitet werden soll, diesen Kontakt stellte ebenfalls die soziale Einrichtung her.

Doch der üble Beigeschmack, der mir persönlich dabei bleibt ist, ja es ist gut, dass sie eine Unterkunft gefunden hat und ja es ist gut, dass sie dort unterstützt wird aber ist es die perfekte Lösung, dass es in der Stadt sein muss in der sie jahrelang von ihrer eigenen Mutter auf den Strich geschickt wurde?

Vielleicht lesen das hier ja auch ein paar Menschen, die in Städten ein paar Etagen höher sitzen und denken mal darüber nach, was wäre – wenn es in ihrer Stadt passieren würde – und mal ganz ehrlich, wen so eine Geschichte nicht berührt, der braucht auch keinen Kardiologen mehr – der kann direkt in die Hölle, braucht nicht mehr über Los und kann sich direkt dort hinbegeben und die Mutter kann er/sie auch gleich mitnehmen.

Ich habe schon viele Berichte über traurige Geschichten geschrieben aber diese haut mich ehrlich gesagt um und macht mich echt traurig.

Anmerkung; Das Bild entspricht natürlich nicht dem Original
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