Auf Tour im Regen

Was machen wir, wenn es regnet?
Genau: Wir spannen einen Schirm auf, weil wir aus den unterschiedlichsten Gründen aus dem Haus müssen. Beruflich, privates Treffen, Einkaufen, Arztbesuch, Frisörbesuch u.s.w. und – ganz wichtig! – Gassi gehen. Vielleicht bleiben wir aber auch einfach zuhause. Oder wir fahren eine Tour mit dem Unsichtbar-Kangoo…
Als wir – Holger, Esther und ich (Karin) – unsere Tour heute starten, regnet es gerade nicht – der Himmel droht nur. Zunächst allerdings musste der Kangoo gründlich aufgefüllt werden, auf der Montagstour haben wir doch viele hungrige und durstige Gäste bewirten können!
Gut gerüstet geht’s los. Von vornherein ist klar: Sehr ausgedehnt wird die Tour nicht, ausschlafen gibt es nicht, denn am nächsten Tag beginnt die Veranstaltung „Hagen blüht auf “ und wir müssen vorher noch Zelt und Stand aufbauen.
Wir fahren bekannte Stellen an, finden jedoch niemanden vor. Auf Umwegen (wer weiß – vielleicht finden wir ja neue Stellen, an denen sich Obdachlose aufhalten?) geht’s Richtung Innenstadt. Slalomfahren durch die Fußgängerzone, denn es sind bereits etliche Buden und Karussells aufgebaut.
Bei 2 obdachlosen Menschen stoppen wir und fragen, ob wir helfen dürfen – erfreutes Bejahen. Noch während wir mit der Zubereitung der Terrinen beschäftigt sind, treffen weitere Menschen ein, die sich auf eine heiße Terrine freuen – durch den Regen am Abend hat es sich doch ziemlich abgekühlt und spätabends und vor dem Schlafengehen tut etwas Warmes einfach gut.
Auch unsere Bekannte, die wir am Montag auf dem Rückweg zum Lager noch getroffen haben, taucht auf – dieses Mal ohne ihre Begleitung im Rollstuhl, dafür wieder mit ihrem Freund. Eine schwierige Beziehung. Wir hören ihr zu, wenn sie sich beklagt, machen ihr Mut – aber wir mischen uns nicht ein. Wir versorgen jeden hilfsbedürftigen Menschen mit Kontaktdaten, an die er sich jederzeit wenden kann.
Wenn wir durch die Fußgängerzone fahren, dann nur im Schritttempo. Wie schon erwähnt: Selektive Wahrnehmung – wir achten auf bestimmte Stellen, die von obdachlosen Menschen genutzt werden. Dieses Mal haben wir bis auf die ersten Zwei niemanden gesehen – aber Minuten später, als wir den Kangoo gestoppt haben, tauchen sie auf… sie sind tatsächlich unsichtbar…
Auf der Rückfahrt zum Lager fängt es richtig an zu schütten. Jetzt stellt sich mir wieder die Frage, die ich schon vor meiner Tätigkeit bei Unsichtbar hatte: Was machen die Menschen, die nicht vor ihrer Haustür den Regenschirm zusammenklappen und ins Trockene eintreten? Von einigen wissen wir es – von anderen nicht. Sie sind unsichtbar…
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EHRENAMT BEI UNSICHTBAR e. V.
Das Ehrenamt bei UNSICHTBAR e. V. besteht nicht ausschließlich aus der Arbeit auf der Straße. Bring dich zum Beispiel in der Fahrzeugpflege mit ein, sortiere, packe und waschen und reinige regelmäßig unsere Fahrzeuge, denn auch das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
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