Nachts

Gestern war ich in der Nacht unterwegs – zu einer Zeit, in der niemand anderes mehr durch die Gegend fährt.

Dann, wenn UNSICHTBAR e.V. auf Tour geht. Wenn woanders schon alle im Bett liegen. Dann, wenn ich auf Tour bin, kann man im wahrsten Sinne des Wortes davon sprechen, dass die Nacht hereingebrochen ist und der Tag aus Ehrfurcht die Beine in die Hand genommen hat und sich verpiss** hat.

Und wie so oft um diese Uhrzeit treffe ich auf ein paar Menschen. Auf ein paar mehr Menschen. Auf weniger – oder tatsächlich auf gar keine Menschen.

Letzteres ist dann so, wenn alle anderen etwas gefunden haben, wo sie unterkommen konnten. Oder wenigstens einen warmen Platz für den Moment.

Und dann treffe ich auf Menschen, die auch noch arbeiten. Menschen, die mir erzählen, dass sie stille Mitleser unserer Beiträge sind.
Das sind die, die wissen, wie es ist, in der Nacht zu arbeiten. Die wissen, was diese Uhrzeit mit einem macht. Die dich zur Begrüßung umarmen. Die ehrlich, wirklich ehrlich und offen mit dir sprechen. Und wenn es passiert, wischt man sich gegenseitig die Tränen aus den Augen.
Das hat nicht nur ein Danke verdient.
Das hat Applaus verdient.
Dafür: Danke.

Und dann, ja dann, bin ich einfach ein bisschen durch die Gegend gefahren. Präsenz gefahren.
Auch wichtig. Denn dann werden wir gesehen. Wenn auch nicht von vielen – aber wir werden gesehen.
Und dann war da wieder so ein Moment. Einer von denen, bei denen mir viele Menschen sagen, ich würde einen Magneten in mir tragen.
Plöpp. Gerade als ich parken wollte, kurz den Motor ausmachte, sah ich etwas Schwarzes unter einer Parkbank krabbeln. Etwas, das dort eigentlich nicht hingehört.
Ich stieg aus, fragte, was er da mache, und bekam die Antwort, dass er das Kleingeld suche, das Menschen aus der Tasche fällt.
Auf einen Kaffee oder eine Suppe hat er verzichtet.
Über die 50 Cent, die er kurz drauf gefunden hatte, hat er sich gefreut.

Und da stehst du dann.
Mitten in der Nacht.
Mitten im Leben.

„Manchmal sind es nicht die großen Geschichten, sondern die leisen Begegnungen, die einen nicht mehr loslassen.“

Und dann fährst du nach Hause.
Legst dein Telefon neben das Bett.
Schläfst ein – mit einem wachen Ohr.
Weil es jederzeit klingeln könnte.
Weil jederzeit eine Meldung reinkommen kann.
Und dann stehen wir wieder auf.
Und dann fahren wir wieder raus.
In die Nacht.