Der Elefant und so…

Es gibt eine Grenze, die sieht man nicht.

Man spürt sie erst, wenn man zu oft darüber gegangen ist.

Wenn man sich jeden Tag mit Leid beschäftigt, mit Kummer, mit Geschichten, die keinen sauberen Anfang
und schon gar kein gutes Ende haben, dann nimmt man etwas davon mit.

Nicht absichtlich.
Nicht freiwillig.

Es bleibt einfach hängen.
Man trägt es in den Schultern.
Nicht nur als Last.
Sondern als etwas,
das man selbst irgendwann nicht mehr ablegen kann,
weil niemand da ist,
der sie einem kurz abnimmt.

Im Blick.
In den Pausen zwischen zwei Gedanken.
In diesen Momenten,
in denen man merkt, dass man stark ist – aber nicht unendlich.

Nupsi war einmal ein Versuch, Luft hereinzulassen.
Ein schmaler Grat zwischen dem, was kaum auszuhalten ist, und dem, was man noch fühlen kann, ohne zu zerbrechen.

Ein bisschen Leichtigkeit.
Ein bisschen Wärme.
Ein kleines Lächeln mitten in all dem Schweren.

Für manche war das zu viel.
Zu unseriös.
Zu lustig für ein so ernstes Thema.

Was das mit mir gemacht hat, hat niemand gefragt.
Vielleicht wusste auch niemand, wie man so etwas fragt, ohne selbst stehen bleiben zu müssen.

Und vielleicht ist es auch egal. Was nicht egal ist:
Dass ich hin und wieder eine Pause brauche.

Nicht vom Menschen.
Nicht von der Haltung.
Sondern vom Dauerfeuer.

Da draußen gibt es viel Elend. Aber es gibt auch viele empathielose Begegnungen. Menschen, die hart sind, nicht weil sie müssen, sondern weil sie es sich leisten können.

Das macht das Schreiben nicht leichter.
Das macht es schwerer.
Kälter.
Einsamer.
Und ja – es fehlt dann nicht irgendeine Schulter.
Eine Schulter – oder zwei –
die Nähe nicht scheuen,
auch wenn sie romantisch ist, aber wissen, dass sie dort beginnt, wo man nicht nimmt, sondern teilt.
Nicht als Versprechen.
Nicht als Plan.
Eher wie ein leiser Gedanke,
der sich meldet, wenn alles andere kurz still ist.

So einer, der nichts fordert,
aber hofft, dass jemand ihn erkennt, ohne dass er ausgesprochen werden muss.

Manchmal sieht man, dass andere sich zurückziehen können.

Dass sie Lärm machen,
Elefanten durch Porzellanläden jagen
und irgendwo weiß jemand schon, wer danach kommt,
um die Scherben aufzusammeln.
Während andere aufräumen.
Still.
Allein.
Und dann merkt man,
dass man einsamer ist,
als man dachte.

Dass man nicht nur nach einem Brand mehr verloren hat als Dinge.

Dass man weniger Menschen kennt, als man geglaubt hat.

Das es immer weniger Familie gibt, weil niemand ewig lebt.

Das ein Herz sich sehnt, man es aber viel zu oft überhört hat oder einfach keine Zeit hatte, dieses sehnen zu hören.

Und dass es Menschen gibt,
die triggern, weil sie emotional grausam sind.
Nicht laut.
Nicht offensichtlich.
Sondern präzise.

Heute mache ich eine Schreibpause.
Vielleicht auch morgen.
Vielleicht auch übermorgen.
Vielleicht auch nicht.

Das entscheide ich morgen.
Es ist kein Abschied.
Es ist kein Aufgeben.
Es ist ein Innehalten.
Ein leises Zurücktreten,
um nicht selbst zu verschwinden.

Natürlich geht es weiter.
Aber manche Dinge müssen zurückgeschraubt werden.
Genau dann, wenn man merkt, dass das Herz nicht unendlich belastbar ist.

Vielleicht versteht das jemand. Vielleicht auch nicht.

Aber heute schreibe ich mal nichts.