Ich bin gerade nach Hause geschliddert

Es ist jetzt 2:57 Uhr.
Ich bin gerade nach Hause geschliddert.

Und was soll ich sagen?
Es ist nicht glatt.
Aber man sollte es auch nicht übertreiben, weil:

Ja, es schliddert halt.
Und wenn ich so sehe, was ich heute gesehen habe,
dann kratze ich mich wirklich am Kopf.

Ich habe Motorradfahrer gesehen.
Bei dem Wetter.
Und einen Fahrradfahrer.
Nee, zwei Fahrradfahrer.
Ja, zwei Fahrradfahrer waren es gewesen.

Das ist schon heavy.
Was für einen Mut manche Menschen haben.
Und dann habe ich einen Karton gesehen, der sich bewegt hat.

Später hat sich herausgestellt,
dass es ein Mensch war, der auf der Erde saß.
Und das schon seit Tagen.

In den letzten Wochen ging es mir gesundheitlich nicht so gut und ich war auch nicht viel draußen.

Ob man es glaubt oder nicht, dass Feuer hat mit mich immer wieder eingeholt.

Helfen konnte ich vielleicht mal vereinzelt eine Stunde oder zwei, um eben zu schauen, wo oder ob ich helfen kann.

Aber mehr hat die Gesundheit gar nicht mitgemacht.
Und wie hier immer gesagt wird, ich soll auf meine Gesundheit achten,
habe ich dann auch getan.
Und werde es auch weiter im Auge behalten.

Ich durfte in dieser Nacht einigen Menschen helfen.

Ganz besonders bleibt mir die Person mit der Isomatte in Erinnerung aber auch die Personen, die einen Schlafsack, zum bekämpfen der Kälte bekamen, gehen mir bei diesem Wetter nicht aus dem Kopf.

Ein Teil der angetroffenen obdachlosen Menschen
war an ihren knallroten Jacken zu erkennen.
Darüber hatte ich bereits geschrieben.

Und da war er dann wieder der Gedanke. Müssen diese Menschen denn so zur Schau gestellt werden?
Das hat etwas davon,
als würde man in den Zoo gehen und gezielt eine Abteilung betreten,
weil dort etwas Auffälliges sitzt. Nicht, weil man verstehen will.
Nicht, weil man helfen will.
Sondern weil es sichtbar gemacht wurde.

Hätten sie nicht auch schwarz sein können?
Auch wenn die Firma selbst
in einem fetten Rot durch die Gegend schwankt –
hätte es nicht einfach schwarz sein müssen können?

Zum Schluss habe ich noch eine längere Fahrt auf mich genommen,
weil ich unbedingt wissen wollte, ob es den Menschen dort auch gut geht.
Aber da war niemand zu Hause.

Also bin ich nochmal zurück
zu dem Menschen mit der Isomatte.
Und was soll ich sagen:
Er saß immer noch auf der Erde.

Nach mehrmaligem Einreden, dass er sich bitte auf die Isomatte setzen soll,
kam keine Reaktion.
Also habe ich unseren Kooperationspartner,
die Polizei Hagen, gebeten,
im Rahmen ihrer Streife
einfach mal einen Blick darauf zu werfen.

Solange er sitzt und sich bewegt, ist alles gut.
Und wenn nicht,
dann sollen sie bitte nach ihm schauen.

Das macht gute Zusammenarbeit aus.

Jetzt liege ich im Bett und das einschlafen gleich wird mir nicht schwer fallen, weil ich hundemüde bin.

Und wenn jetzt jemand anruft, stehe ich auf
und fahre raus.