Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?
Die meisten Menschen wissen, dass man bei Hitze trinken muss.
Erschreckend viele Menschen wissen jedoch nicht, woran man erkennt, dass ein Mensch bereits in Lebensgefahr schwebt.
Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem.
Denn jedes Jahr reden wir über Sonnencreme, Freibäder, Urlaubspläne und die Frage, ob der Sommer endlich richtig kommt. Wir diskutieren darüber, ob es zu heiß oder zu kalt ist, ob der nächste Regen kommt oder ob die Sonne endlich bleibt.
Was dagegen kaum jemand erwähnt, sind die Folgen, wenn der menschliche Körper irgendwann nicht mehr in der Lage ist, die Hitze auszugleichen.
Dann wird aus einem warmen Sommertag plötzlich ein medizinischer Notfall.
Der Kopf beginnt zu schmerzen. Der Kreislauf gerät ins Wanken. Die Konzentration lässt nach. Menschen werden müde, benommen und verwirrt. Manche verlieren die Orientierung. Manche brechen zusammen. Und manche stehen nie wieder auf.
Das klingt hart.
Ist es auch.
Denn Hitze ist keine Kleinigkeit.
Hitze kann töten.
Nicht irgendwann.
Nicht theoretisch.
Sondern mitten in unseren Städten.
Auf Parkbänken.
In Wohnungen.
Auf Baustellen.
Auf Autobahnen.
In Einsatzfahrzeugen.
Und manchmal sogar im eigenen Zuhause.
Während wir uns über 30 Grad freuen, kämpfen andere Menschen längst mit ihrem Kreislauf.
Der obdachlose Mensch auf einer Parkbank.
Die ältere Dame in ihrer Dachgeschosswohnung.
Der chronisch Kranke, dessen Körper zusätzliche Belastungen kaum noch ausgleichen kann.
Der körperlich eingeschränkte Mensch, der auf Hilfe angewiesen ist.
Der LKW-Fahrer, der seit Stunden im Stau steht.
Die Polizeibeamtin in Schutzweste.
Der Polizeibeamte, der seit Stunden eine Einsatzstelle absichert.
Die Feuerwehrfrau im Brandeinsatz.
Der Feuerwehrmann, der bei über 30 Grad in schwerer Schutzkleidung ein Feuer bekämpft.
Die Rettungskraft, die von Einsatz zu Einsatz fährt.
Der Bauarbeiter auf einem glühenden Dach.
Der Paketbote.
Der Müllwerker.
Menschen, die oft übersehen werden, während sie dafür sorgen, dass unser Alltag funktioniert.
Und manchmal geht es nicht um andere.
Manchmal geht es um dich.
Denn auch dein Körper kennt Grenzen.
Verlierst du über längere Zeit zu viel Flüssigkeit, beginnt ein Prozess, den viele Menschen zunächst gar nicht bemerken.
Der Blutdruck sinkt.
Das Herz muss härter arbeiten.
Die Organe werden schlechter versorgt.
Die Körpertemperatur steigt.
Irgendwann reicht die natürliche Kühlung des Körpers nicht mehr aus.
Spätestens dann wird es gefährlich.
Warnzeichen können
- starke Kopfschmerzen,
- Schwindel,
- Übelkeit,
- Erbrechen,
- Muskelkrämpfe,
- ungewöhnliche Müdigkeit,
- Verwirrtheit,
- Sprachstörungen oder ein unsicherer Gang sein.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn die Haut heiß und trocken wirkt oder ein Mensch nicht mehr richtig ansprechbar ist.
Dann sprechen wir nicht mehr von Unwohlsein.
Dann sprechen wir möglicherweise von einem lebensbedrohlichen Notfall.
Und genau dann reicht es nicht, einfach eine Flasche Wasser daneben zu stellen und weiterzugehen.
Wer verwirrt wirkt, kaum noch reagiert oder sogar bewusstlos ist, braucht Hilfe.
Sofort.
In solchen Situationen sollte ohne Zögern der Notruf 112 gewählt werden.
Wichtig ist außerdem zu wissen, dass bewusstlosen oder stark verwirrten Menschen nichts zu trinken gegeben werden darf.
Die Gefahr des Verschluckens ist zu groß.
Wenn möglich, sollte die betroffene Person aus der direkten Sonne gebracht werden.
Schatten, lockere Kleidung und langsames Kühlen mit feuchten Tüchern können helfen.
Eiskaltes Wasser oder das plötzliche Überschütten mit Eiswasser sind dagegen keine gute Idee, weil auch das den Kreislauf zusätzlich belasten kann.
Und bitte vergessen wir bei all dem nicht die Tiere.
Den Hund auf dem heißen Asphalt.
Die Katze im Hinterhof.
Den Vogel, der bei tagelanger Trockenheit keine Wasserstelle findet.
Das Wildtier, das in ausgetrockneten Grünflächen nach Wasser sucht.
Auch sie kämpfen gegen dieselbe Hitze.
Auch sie können daran sterben.
Vielleicht wird dieser Sommer harmlos.
Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht erleben wir wieder Wochen, in denen der Asphalt flimmert, die Städte glühen und selbst nachts kaum noch Abkühlung einsetzt.
Dann entscheidet oft keine große Heldentat über Hilfe.
Sondern Aufmerksamkeit.
Ein Blick statt Wegsehen.
Ein Nachfragen statt Vorbeigehen.
Ein Anruf statt Schulterzucken.
Deshalb schaut hin.
Nicht erst, wenn jemand am Boden liegt.
Nicht erst, wenn der Rettungswagen kommt.
Nicht erst, wenn die Nachrichten von Hitzetoten berichten.
Sondern jetzt.
Denn wer die Warnzeichen kennt, kann helfen, bevor aus einem heißen Sommertag eine Tragödie wird.
Und bevor jetzt jemand fragt, was wir tun werden, falls uns tatsächlich ein extremer Hitzesommer bevorsteht:
Keine Sorge.
Wir werden nicht tatenlos zusehen.
Wenn Menschen Hilfe brauchen, werden wir dort sein.
Mit Wasser.
Mit offenen Augen.
Mit offenen Ohren.
Und wenn nötig, werden wir wieder einige Getränkemärkte um ein paar Paletten Wasser erleichtern, um genau die Menschen zu versorgen, die sich bei 35 Grad im Schatten nicht einfach einen Wasserhahn aufdrehen oder einen Kühlschrank öffnen können.
Aber darum geht es heute gar nicht.
Denn manchmal ist Wissen wichtiger als Wasser.
Eine Flasche Wasser kann helfen.
Ein Mensch, der die Warnzeichen eines Hitzenotfalls erkennt und rechtzeitig handelt, kann Leben retten.
Informieren ist manchmal wichtiger, als nur in eine Richtung zu denken.
Deshalb sprechen wir heute nicht darüber, was UNSICHTBAR e.V. tun wird.
Sondern darüber, was jeder Einzelne von uns tun kann.
HINSEHEN – HINGEHEN – HELFEN