Eine Mission
Gestern ging es wieder los: Bei Nieselregen und schwülen Temperaturen haben Andreas und ich den Wagen gepackt und uns auf den Weg nach Wuppertal gemacht. Der erste Halt in Schwelm diente dem reinen Präsenzzeigen, und dann ging es nach Wuppertal – die übliche Route, aber auch mit dem einen oder anderen Schlenker und einer „Mission“.
Bei den ersten Haltepunkten gab es nichts zu tun. Auch wenn wir gerne helfen möchten, ist es doch ein gutes Gefühl, wenn es keine Bedürftigen gibt.
Als wir dann den „Brennpunkt“ in Wuppertal erreichten, wurden wir schon erwartet. Alte Bekannte und neue Gesichter kamen auf uns zu. Es bildete sich regelrecht eine Schlange, aber es gab auch viel zu lachen und hier und da einen netten Plausch. In Nebensätzen und beim genauen Hinhören konnte man schon das eine oder andere Problem heraushören.
Zwei Männer, Jahrgang 1972 und Jahrgang 1964 – so viel gaben sie preis –, lieferten sich eine regelrechte Stand-up-Comedy. Auch wenn viele Schicksale sehr berühren, ist es umso wichtiger, auch mal zu lachen. Außerdem war merklich, dass es Geld gegeben hatte, zumindest die minimalen Zuwendungen, denn es war deutlich mehr Alkohol im Spiel.
Ein jüngerer Mann kam auf uns zu. Sein Unterschenkel war aufgrund einer Wunde so stark angeschwollen, dass das untere Hosenbein regelrecht unter Spannung stand und Wundflüssigkeit durchdrang. Er konnte kaum laufen, wollte sich aber nicht auf einen Arztbesuch einlassen. Das sind Begegnungen, die einem nachhängen, denn eine solche Wunde kann schlimme Folgen haben.
Wir hatten alle Hände voll zu tun, vor allem unsere Suppen erfreuten sich größter Beliebtheit.
Als wir auch dem letzten Bedürftigen helfen konnten, sind wir weitergefahren. Unsere „Mission“ stand noch auf dem Zettel. In einem leerstehenden Möbelhaus sollte sich noch ein Obdachloser aufhalten. Leider stellte sich dies als „Mission Impossible“ heraus. Nach eingehender Untersuchung des Geländes sind wir unverrichteter Dinge wieder gefahren und haben uns anschließend im strömenden Regen auf den Heimweg gemacht.
Mal wieder eine bewegende Nacht – eine Nacht mit verschiedenen Begegnungen, aber auch mit Humor. Und der letzte Gedanke in der vergangenen Nacht war: Man verliert viel zu oft den Blick für die positiven Dinge im Leben. Eine Meckerkultur hat sich etabliert, und genau diese Begegnungen erinnern einen immer wieder daran.