Martha hilft
Manchmal beginnt Hilfe nicht mit einem großen Notfall, sondern mit ein paar Zeilen von einem Menschen, der sich überwinden musste, überhaupt um Hilfe zu bitten.
Vor einiger Zeit schrieb uns ein lebensälterer Herr. Er erzählte uns, dass er viel alleine ist, dass er nicht mehr viel hat und dass es ihm gesundheitlich nicht besonders gut geht. Auch seine Knochen spielen nicht mehr so mit, wie sie sollen. Und dann werden Dinge, über die viele von uns im Alltag überhaupt nicht nachdenken, plötzlich zu einer echten Herausforderung. Selbst das Spülen des Geschirrs fällt schwer.
Er fragte uns, ob wir ihm irgendwie helfen könnten.
Unsere Bea nahm Kontakt zu ihm auf und aus der ursprünglichen Frage nach einer Spülmaschine wurde ziemlich schnell ein längeres Gespräch. Irgendwann konnte Bea ihm sagen, dass wir tatsächlich helfen können: In den nächsten Tagen bekommt er über einen unserer Kooperationspartner eine Spülmaschine. Und die wird nicht einfach vor seiner Haustür abgestellt, sondern in seine Wohnung getragen und dort angeschlossen.
Eigentlich könnte die Geschichte an dieser Stelle zu Ende sein. Ist sie aber nicht.
Denn nachdem Bea ihm gesagt hatte, dass er die Spülmaschine bekommt, begann der Mann zu weinen. Er war so gerührt, dass Bea ihn erst einmal beruhigen musste – und so dauerte das Gespräch noch eine ganze Weile länger.
Vielleicht zeigt genau dieser Moment, warum eine Spülmaschine manchmal eben viel mehr als eine Spülmaschine ist. Für die meisten von uns ist sie ein Haushaltsgerät. Für diesen Herrn bedeutet sie Entlastung für einen Körper, der nicht mehr alles mitmacht, ein Stück Selbstständigkeit und vielleicht noch etwas viel Wichtigeres:
Da hat mir jemand zugehört. Da hat mich jemand ernst genommen. Da ist jemand, dem es nicht egal ist, wie es mir geht.
Genau dort setzt MARTHA HILFT an. Wir möchten lebensälteren Menschen in unserer Gesellschaft zeigen, dass sie nicht vergessen sind und dass sie sich melden dürfen.
Wenn der Kühlschrank leer ist, versuchen wir zu helfen. Wenn ein wichtiges Elektrogerät kaputtgeht und wir eine Möglichkeit finden, versuchen wir auch dort zu helfen. Wenn jemand nicht weiß, welche Unterstützung es gibt, teilen wir Informationen und Kontakte. Und wenn Einsamkeit irgendwann so verflucht laut wird, dass man einfach jemanden zum Reden braucht, dann kann Hilfe manchmal auch einfach bedeuten, zuzuhören.
Wir können nicht alles lösen und nicht jeden Wunsch erfüllen. Aber wir können hinsehen, zuhören und versuchen, etwas zu verändern.
Warum wir all das machen? Weil wir bei UNSICHTBAR e.V. zwei Dinge ganz besonders lieben.
Zum einen dieses unglaubliche Vertrauen, das uns Privatpersonen und Unternehmen entgegenbringen. Menschen geben uns Lebensmittel, Tierfutter, Sachspenden, Geld oder ermöglichen uns Dinge und vertrauen darauf, dass wir etwas Gutes daraus machen. Dieses Vertrauen ist für uns keine Selbstverständlichkeit, sondern Verantwortung.
Wer uns etwas anvertraut, soll zu 100 Prozent wissen können, dass seine Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird – und dass daraus tatsächlich Hilfe entsteht.
Und dann gibt es da noch etwas, das wir mindestens genauso lieben: Menschen glücklich zu machen.
Das kann ein Kind sein, das bei einem unserer Ausflüge vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben einen echten Elefanten sieht – und womöglich nebenbei feststellt, dass die Milch tatsächlich nicht aus dem Supermarkt kommt. 😉 Es kann ein Mensch auf der Straße sein, der nachts einen warmen Schlafsack bekommt. Eine Familie, deren Kühlschrank wieder gefüllt ist. Ein Tier, dessen Napf wieder voll ist.
Oder eben ein lebensälterer Herr, der am Telefon weint, weil er erfahren hat, dass in wenigen Tagen eine Spülmaschine in seiner Küche stehen wird.
Für die Welt ist das vielleicht nur eine Spülmaschine.
Für einen einzelnen Menschen kann sie gerade ein kleines Stück seiner Welt verändern.
MARTHA HILFT trägt den Namen meiner Oma Martha und deshalb wird dieses Projekt für mich immer etwas ganz Besonderes bleiben. Es steht dafür, dass ältere Menschen nicht irgendwann unsichtbar werden dürfen und dass Einsamkeit nicht einfach zum Älterwerden dazugehören darf.
Und es steht dafür, dass wir mit all dem, was Menschen uns anvertrauen, gemeinsam unglaublich viel bewegen können.
Nicht immer die ganze Welt.
Aber manchmal die Welt eines einzelnen Menschen.
Und zum Schluss noch etwas ganz persönlich von mir:
Danke, Bea, und danke an alle anderen, die all das genauso beherzigen.
Danke, dass ihr dieses besondere Projekt genauso lebt, wie ich es liebe. Mit Zeit, Geduld, Zuhören und Herz. Dass ihr nicht nur dafür sorgt, dass Hilfe organisiert wird, sondern auch dann da seid, wenn aus einem Gespräch plötzlich Tränen werden.
Martha war meine Oma – und umso schöner ist es für mich, Menschen an meiner Seite zu wissen, die verstehen, was ihr Name in diesem Projekt bedeuten soll.
Danke dafür.
Holger