Danke

Heute hatte ich ein Problem mit unserem Vereinsauto.

Viel Schnee. Tiefer Schnee.
Und hinten dieses Gewicht – mit all dem, was wir brauchen, um helfen zu können.
Ich kam nicht von der Stelle.
Nicht vor.
Nicht zurück.
Der Motor wollte,
aber die Straße sagte nein.

Also habe ich aufgehört.
Manchmal ist Anhalten kein Scheitern, sondern Verantwortung.
Später, irgendwann um Mitternacht, habe ich es noch einmal versucht.
Mehrere Anläufe.
Ruhig.
Mit Gefühl.
Und irgendwann ging es.
Nicht schön.
Nicht souverän.
Aber es ging.
Und hier endet dieser Gedanke eigentlich.

Eigentlich.

Denn da war dieses Wissen:
Wenn es nicht gegangen wäre, wäre jemand da gewesen.

Nicht eine einzelne Person.
Sondern einer von vielen.
Stellvertretend für alle, die nachts unterwegs sind,
damit andere nicht liegen bleiben.
Egal womit.

Der Abschleppfahrer ist selten der Held der Geschichte.
– Er kommt nicht, wenn alles läuft.
– Er kommt, wenn etwas schiefgelaufen ist.
– Wenn Autos quer stehen.
– Nach einem Unfall.
– Nach einem Fehler.
– Nach einem Moment, der reicht, um alles kippen zu lassen.
– Wenn ein Fahrzeug liegen bleibt und plötzlich zur Gefahr wird.
– Wenn Menschen frieren.
Weil sie nachts am Straßenrand stehen.
– Weil der Motor aus ist
und damit auch die Heizung.
– Weil sie im Auto sitzen, Warnblinker an, der Schnee über die Straße treibt
und niemand weiß, wie lange das noch dauert.
– Wenn Angst größer ist als Vernunft.
– Wenn Menschen unüberlegt aussteigen.
Auf der Fahrbahn stehen.
– Diskutieren, telefonieren, entscheiden wollen, obwohl gerade nichts klar ist.
– Weil Stillstand Angst macht
und Angst schlechte Entscheidungen produziert.

Genau dann kommt er.
Nicht als Held.
Nicht als Retter der Welt.
Sondern als jemand,
der Ordnung in einen Moment bringt, der außer Kontrolle geraten ist.
– Er sichert die Stelle.
– Er sagt, was jetzt zu tun ist.
– Er holt das Fahrzeug weg.
– Er sorgt dafür, dass Sicherheit wieder möglich wird.

Und dann gibt es die anderen.
– Die Streusalzfahrer.
– Die Pannendienste.
– All die, die fahren,
bevor oder wenn etwas passiert. Damit andere sicher ankommen und später sagen können: „War doch alles okay.“

Niemand sieht sie.
Niemand bedankt sich.
Weil gute Arbeit oft genau das ist: unsichtbar.

Und dann bin da ich.
Ich fahre nachts los,
wenn Hilfe gebraucht wird.
Ich verteile Schlafsäcke.
Ich verteile Kaffee.
Ich verteile Wärme.
Manchmal nur Zeit.
Manchmal nur Zuhören.
Hin und wieder gibt es ein Lächeln.
Aber auch das ist keine Pflicht.
Und genau hier treffen sich diese Wege.

Der Abschleppfahrer rettet niemandes Leben
im klassischen Sinne.
Und doch verhindert er,
dass etwas Schlimmeres passiert.

Ich rette auch nicht die Welt.
Aber manchmal verhindere ich, dass jemand ganz verschwindet.
Wir alle – die nachts unterwegs sind – machen das nicht wegen Applaus.
Nicht wegen Dank.
Nicht wegen Anerkennung.
Wir fahren, weil jemand da sein muss.
Wenn andere nicht können.
Oder nicht mehr wollen.
Und manchmal reicht es zu wissen:

Da draußen ist noch jemand unterwegs.
Für andere.
Für den Fall,
dass es nicht mehr geht.

Das ist kein Heldentum.
Das ist Haltung.
Und das verbindet uns alle.

Danke
an alle, die nachts rausfahren,
damit andere weiterkommen.
Danke an alle,
die Nacht für Nacht zur Verfügung stehen
und einfach da sind,
wenn ein Mensch gestrandet ist – mit einem defekten Auto oder mit nichts weiter als sich selbst.

Danke an alle, die einen Schlafsack reichen, eine Tasse Kaffee, ein paar Minuten Zeit oder einfach nur Präsenz.

Danke an all die,
die man selten sieht,
über die kaum gesprochen wird und die trotzdem fahren, helfen und bleiben.

Danke dafür.