Das bedeutet uns sehr viel
Heute durften Annette und ich (Bea) die Arbeit von UNSICHTBAR e.V. im Arbeitskreis Frauen in NRW gemäß § 67 SGB XII vorstellen.
Eingeladen wurden wir von der Diakonie Mark-Ruhr gemeinnützige GmbH, Wohnungslosenhilfe Hagen.
Diese Einladung bedeutet uns viel.
Nicht, weil wir uns gerne in den Mittelpunkt stellen. Sondern weil hinter einer solchen Einladung Menschen stehen, die tagtäglich mit Frauen und Männern arbeiten, die sich in akuten sozialen Notlagen befinden.
Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, nach einer Haftentlassung neu anfangen müssen, mit Suchterkrankungen kämpfen oder in extremer Armut leben.
Gerade deshalb war dieser Austausch für uns etwas Besonderes.
Über eineinhalb Stunden konnten wir über unsere Arbeit auf der Straße berichten. Über Begegnungen, die uns bewegen. Über Menschen, deren Geschichten oft niemand hört. Über kalte Nächte, verlorene Hoffnungen, kleine Erfolge und die Bedeutung eines ehrlichen Gesprächs zur richtigen Zeit.
Dabei ging es nicht darum, UNSICHTBAR e.V. darzustellen oder Werbung für unseren Verein zu machen.
Es ging um Menschen.
Und um die Frage, wie Hilfe dort ankommen kann, wo sie gebraucht wird.
Besonders bewegt hat uns die Rückmeldung vieler Teilnehmerinnen, dass unsere Arbeit nicht als Konkurrenz zu bestehenden Hilfen wahrgenommen wird, sondern als sinnvolle Ergänzung. Genau das war von Anfang an einer der wichtigsten Gedanken hinter UNSICHTBAR e.V.
Wir ersetzen keine Sozialarbeit.
Wir ersetzen keine Beratungsstellen.
Wir ersetzen keine Einrichtungen.
Wir ersetzen keine professionellen Hilfesysteme.
Dafür wären wir weder ausgebildet noch zuständig.
Unsere Aufgabe liegt an einer anderen Stelle.
Wir sind oft dort unterwegs, wenn viele andere Angebote längst geschlossen haben. Nachts. Auf Straßen. In Parks. An Bushaltestellen. Unter Brücken. In Wäldern. Dort, wo Menschen häufig nicht nur ihre Wohnung verloren haben, sondern oft auch Vertrauen, Hoffnung und den Glauben daran, dass sich noch jemand für sie interessiert.
Genau dort versuchen wir, Brücken zu bauen.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
Über viele Jahre ist bei UNSICHTBAR e.V. ein Ansatz entstanden, der von Fachkräften immer wieder als außergewöhnlich beschrieben wird. Nicht deshalb, weil wir etwas grundlegend neu erfunden hätten, sondern weil wir bewusst an den Schnittstellen arbeiten.
Zwischen Straße und Hilfesystem.
Zwischen Ehrenamt und professioneller Unterstützung.
Zwischen dem ersten Gespräch in einer kalten Nacht und dem möglichen Weg zurück in bestehende Hilfsangebote.
Während viele Angebote verständlicherweise innerhalb ihrer fachlichen Zuständigkeiten arbeiten, verstehen wir uns als verbindendes Element. Nicht als Ersatz. Nicht als Konkurrenz. Sondern als Brücke.
Die Erfahrungen aus vielen Jahren Straßenarbeit haben uns gezeigt, dass Menschen in Not selten von einzelnen Angeboten profitieren. Wirklich wirksam wird Hilfe meist dann, wenn verschiedene Menschen, Einrichtungen und Unterstützungsangebote miteinander verbunden sind.
Genau deshalb verstehen wir unsere Arbeit nicht als Konkurrenz zu professionellen Hilfen, sondern als Ergänzung. Als eine Brücke zwischen der Straße und den vorhandenen Hilfesystemen.
Besonders gefreut hat uns, dass genau dieser Gedanke von den anwesenden Fachkräften wahrgenommen und hervorgehoben wurde. Viele Jahre Erfahrung haben ein Konzept entstehen lassen, das von Fachkräften immer wieder als außergewöhnlich und in dieser Form selten beschrieben wird.
Nicht wegen der Ausgabe von Schlafsäcken, Isomatten oder Heißgetränken. Sondern wegen der engen Verzahnung aus ehrenamtlicher Straßennähe, vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Fachstellen, konsequenter Vermittlung in bestehende Hilfesysteme und dem bewussten Verzicht auf Konkurrenzdenken.
Diese Rückmeldungen machen uns stolz.
Nicht, weil wir glauben, etwas besser zu machen als andere.
Sondern weil sie zeigen, dass gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Zusammenarbeit funktionieren können, wenn alle dasselbe Ziel verfolgen: Menschen in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen.
Ein weiterer Punkt, der mehrfach angesprochen wurde, war die Zusammenarbeit zwischen UNSICHTBAR e.V., den Einrichtungen der Diakonie Mark-Ruhr, den Kommunen und weiteren sozialen Akteuren.
Gerade diese Zusammenarbeit liegt uns sehr am Herzen.
Denn niemand kann die Herausforderungen rund um Wohnungslosigkeit, Armut, soziale Ausgrenzung oder Einsamkeit allein lösen.
Weder ein Verein.
Noch eine Einrichtung.
Noch eine Kommune.
Aber gemeinsam können Wege entstehen, die für einzelne Menschen einen entscheidenden Unterschied machen.
Deshalb empfinden wir die Zusammenarbeit mit den Wohnungslosenhilfen der Diakonie Mark-Ruhr seit vielen Jahren als ausgesprochen wertvoll.
Hier begegnen sich fachliche Kompetenz, jahrzehntelange Erfahrung, Menschlichkeit und eine ehrliche Bereitschaft zum Austausch.
Wir erleben immer wieder, dass dort nicht über Menschen gesprochen wird, sondern mit Menschen.
Dass nicht nur Probleme gesehen werden, sondern auch Möglichkeiten.
Dass Hilfe nicht an Zuständigkeiten endet.
Und dass der Mensch im Mittelpunkt steht.
Diese Haltung verdient aus unserer Sicht große Anerkennung.
Gerade als ehrenamtlicher Verein wissen wir, wie wichtig professionelle Partner sind, die mit Herz, Fachwissen und Geduld arbeiten. Viele Menschen, die wir auf der Straße antreffen, benötigen Unterstützung, die weit über das hinausgeht, was wir leisten können. Umso wichtiger ist es, Einrichtungen an seiner Seite zu wissen, die diese Menschen auffangen, begleiten und langfristig unterstützen können.
Deshalb betrachten wir die Wohnungslosenhilfen der Diakonie Mark-Ruhr nicht nur als wichtige Ansprechpartner, sondern als unverzichtbaren Teil eines Hilfenetzwerkes, von dem viele Menschen profitieren.
Besonders gefreut hat uns auch, dass Teilnehmerinnen aus anderen Regionen Nordrhein-Westfalens, unter anderem aus Münster und Minden, anwesend waren. Einige äußerten, dass es vergleichbare Angebote wie UNSICHTBAR e.V. in ihrer Region nicht gebe und sie einen solchen Ansatz durchaus begrüßen würden.
Auch das hat uns nachdenklich gemacht.
Denn letztlich zeigt es, wie wichtig niedrigschwellige Hilfe sein kann. Hilfe, die Menschen dort erreicht, wo sie sich gerade befinden. Ohne Termin. Ohne Antrag. Ohne lange Wege.
Kurz wurde auch unser Projekt UNSICHTBÄR erwähnt. Der Schwerpunkt des Nachmittags lag jedoch ganz klar auf unserer Straßenarbeit und den Erfahrungen aus mittlerweile vielen Jahren direkter Hilfe.
Zum Abschluss haben wir noch auf unsere Homepage hingewiesen. Dort finden sich unter anderem zahlreiche Anlaufstellen und Hilfsangebote. Einige Teilnehmerinnen waren überrascht, ihre eigene Einrichtung dort wiederzufinden. Auch dafür erhielten wir viel positives Feedback.
Für uns ist das selbstverständlich.
Wer Hilfe sucht, sollte nicht erst lange suchen müssen.
Unser herzlicher Dank gilt der Diakonie Mark-Ruhr, der Wohnungslosenhilfe Hagen sowie allen Teilnehmerinnen des Arbeitskreises für die Einladung, die Wertschätzung, den offenen Austausch und das entgegengebrachte Vertrauen.
Solche Begegnungen zeigen, dass gute Hilfe nicht aus Konkurrenz entsteht.
Sie entsteht aus Zusammenarbeit.
Aus Zuhören.
Aus gegenseitigem Respekt.
Und aus dem gemeinsamen Wunsch, Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht aufzugeben.
Denn am Ende spielt es keine Rolle, auf welcher Visitenkarte ein Name steht.
Entscheidend ist, dass Hilfe ankommt.
Dort, wo sie gebraucht wird.
Auf dem Foto zu sehen sind Annette und Bea von UNSICHTBAR e.V. gemeinsam mit Svenja Jeschak von der Wohnungslosenhilfe Witten, Christine Wienstroht von der Wohnungslosenhilfe Hagen und Stefanie Schulte von der Wohnungslosenhilfe Iserlohn. Die drei Einrichtungen gehören zur Diakonie Mark-Ruhr und stehen stellvertretend für eine Zusammenarbeit, die wir als außerordentlich wertvoll empfinden. Sie zeigen, wie ehrenamtliches Engagement und professionelle Hilfestrukturen Hand in Hand arbeiten können – immer mit dem gemeinsamen Ziel, Menschen in schwierigen Lebenssituationen bestmöglich zu unterstützen.