Würdest du bleiben?
… kalt
nicht kalt
doch
die Hände sind woanders
oder waren sie eben noch da
nicht anfassen
bitte nicht ziehen
ich steh gleich
gleich ist ein großes Wort
die Laterne summt
oder mein Kopf
weiß nicht
alles klingt wie Watte
ich hab mal gearbeitet
oder geträumt
oder beides
die Uhr läuft falsch herum
nicht böse sein
wenn die Wörter stolpern
sie rutschen
wie die Füße
es ist laut
obwohl niemand spricht
und leise
obwohl alles schreit
bleib kurz
nur kurz
nicht wegen mir
wegen der Ruhe
der Boden ist schwer
ich leg mich nicht
ich bin nur unten
tiefer als sonst
wenn ich die Augen schließe
werden die Sätze warm
aber der Körper nicht
oder andersrum
nicht lachen
das hier ist kein Witz
das ist ein Durcheinander
mit Herzschlag
…
Wenn du bis hierher gelesen hast,
ohne genervt zu sein.
Ohne zu denken „Was für ein wirres Zeug“.
Wenn du geblieben bist, obwohl nichts logisch war und nichts sauber erklärt wurde –
dann gehörst du wahrscheinlich zu denen,
die geblieben wären.
Denn genau so kann es klingen,
wenn ein Mensch kurz davor ist, zu verschwinden.
Nicht dramatisch.
Nicht filmreif.
Sondern zerfasert.
Ungeordnet.
Fetzen statt Sätze.
Verwirrte Sprache ist kein „komisches Verhalten“.
Sie kann ein Alarmsignal sein.
Ein Körper, der unterkühlt ist,
verliert Ordnung – nicht Würde.
Und wer das versteht,
geht nicht weiter, weil es unbequem wird.
Wer das versteht,
bleibt.
Holt Hilfe.
Schützt, statt zu korrigieren.
Vielleicht ist genau das der Unterschied:
Nicht alles verstehen zu müssen –
aber zu merken,
dass hier jemand nicht allein gelassen werden darf.