Noch eben kurz die Welt retten
„Noch eben kurz die Welt retten“ – na ja, so weit geht es dann doch nicht, aber gestern ging es wieder raus. Die Nächte werden spürbar länger und das Packen des Wagens fand dann wieder im Dunkeln statt. Gestern hatten wir einen stillen Begleiter mit an Bord und damit meine ich nicht den schwarzen Labrador, sondern einen weiteren Zaungast. Über die Identität dieses Gastes wird an dieser Stelle allerdings nichts weiter verraten.
Holger und ich (Nicole) waren uns einig: Heute fahren wir vorrangig Hagen an. Nachdem alles verstaut war, ging es los.
Wir fuhren eine kurze Schleife über Gevelsberg, aber hier gab es nichts zu tun.
In Hagen angekommen, fuhren wir zu den uns bekannten „Brennpunkten“. POV in Hohenlimburg: tote Hose. Also weiter nach Hagen. Und siehe da: unsere üblichen Verdächtigen. Es wird kälter und da wird enger zusammengerückt, aber es fehlten auch wieder Schlafsäcke und Isomatten waren ebenfalls Mangelware.
Auch eine kleine warme Mahlzeit wurde gereicht und während wir in Action waren, sprachen uns Passanten an und bedankten sich für unsere Arbeit. Auch eine Spende wurde überreicht und genau diese Gesten bestärken uns in unserem Tun und bestätigen die Sinnhaftigkeit unseres Handelns. Dabei geht es hier nicht direkt um uns, sondern um die Bestätigung, dass weder die Bedürftigen noch wir tatsächlich „unsichtbar“ sind.
An dieser Stelle sei allen gedankt, die Bedürftige und unsere Arbeit tatsächlich sehen und nicht wegschauen.
Weiter ging es zum nächsten Brennpunkt. Auf dem Weg hielten wir die Augen offen, aber es war sehr ruhig.
Am Ort des Geschehens war nicht allzu viel los. Da kam Holger eine Idee: Er zog die Spendierhosen an und orderte spontan in dem Fastfoodlokal mit dem goldenen M zehn Tüten und entsprechende Getränke. Während der Zubereitungszeit haben wir weiter mit unseren TOM’s, Getränken und Hygieneartikeln ausgeholfen.
Währenddessen kam es allerdings zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen zwei alkoholisierten Männern. Der eine Mann war im Vorfeld schon durch Pöbelei aufgefallen, aber die Polizei war sofort zur Stelle und nahm ihn in Gewahrsam. Das war auch gut so, denn wie sich später herausstellte, trug er ein Messer bei sich.
Da durchfährt einen doch auch mal ein Schreck, aber auch das gehört dazu.
Der Fokus liegt auf den hilfsbedürftigen Menschen, die sich über eine Mahlzeit und vor allem über die besondere Mahlzeit gestern gefreut haben und mit einem lächelnden, vollen Mund noch die Hand zum Abschied hoben.
Manchmal sind es kleine Gesten mit großer Wirkung und genau diese Momente bereiten uns eine große Freude.
Ein bewegender Abend in vielerlei Hinsicht, der uns noch länger haften bleibt.
Und unser stiller Begleiter war jetzt noch stiller, denn etwas zu sehen und etwas zu erleben, sind eben immer noch zwei Paar Schuhe.
Ach ja, der schwarze Labrador war auch an Bord. Er freut sich vor allem über die Extraportion Leckerli. 😉