Eine Nacht, wie kein andere

Eine Nacht, wie kein andere

Am gestrigen Abend ist Team Annette und Nicole rausgefahren – hinein in die Welt derer, die kein Dach über dem Kopf haben und kein Bett zwischen dem Boden und ihrem Körper.

Team Annette berichtet wie folgt: Der Abend mit Nicole war sehr gut. Wir haben lange mit einem Mann gesprochen, der uns seine Geschichte erzählt hat.

42 Jahre alt.
Hepatitis.
HIV.
Drogenabhängig.

Sein Werdegang war sehr bewegend.

Außerdem haben wir einer schlafenden Frau im Eingang vor einem Ladenlokal etwas Eistee und Süßes hingestellt.

An einem der Hotspots der Stadt trafen wir auf ca. acht Personen.

Danach war diese Tour beendet.

Und dann kam ich.
Eine Meldung
Raus aus dem Bett, rein ins Auto und ab in die Stadt.

Dorthin, wo jemandem kalt war und wo jemand Hunger hatte und auch wenn das Team vorher schon überall war – niemand kann immer und immer und überall sein.

Hier gab es einen Schlafsack.
Eistee in Hülle und Fülle.
Süßigkeiten, neue Unterwäsche. Eine warme, kuschelige Strickmütze.

Der Mensch freute sich so sehr, dass er irgendwann sagte:
„Ich liebe dich.“

Und ich dachte mir nur:
Schicksal… das hast du jetzt aber mal so richtig falsch verstanden.

Falsches Geschlecht.
Falscher Ort.
Und ganz sicher kein geeigneter Platz zum Flirten.

Ein bisschen schräg.
Ein bisschen absurd.
Aber genau so sind Nächte manchmal.

Und ja – erst gestern habe ich hier darüber geschrieben,
dass ich selbst eine Schulter gebrauchen könnte.
Hat euch nicht interessiert.
Muss euch auch nicht interessieren.
Ist ja keine Singlebörse hier.
Womit ihr aber leben müsst:
Hier schreibt ein Mensch.
Ein Mensch mit Gefühlen.
Und manchmal rutscht so etwas eben raus.

Wer das nicht ertragen kann ihr wisst schon.
Und wer es besser machen kann:
Aufstehen.
Selber machen.
Und dann reden wir noch mal.

Auf dem Rückweg nach Hause kam ich mir kurz vor,
als wäre ich auf einer Rennstrecke gelandet.
Das ist nichts Neues.
Das ist meist genau die Uhrzeit, in der die kleinen Kinder ihre dicken Karren ausführen und meinen, die Stadt gehört ihnen.

Neu war nur das Gemisch mit Blaulicht.

Im Nachhinein glaube ich,
es war eine Verfolgungsjagd.

Ok, das war neu aber auch das gehört zu diesen Nächten dazu und manchmal braucht man wirklich kein Fernsehen mehr –
weil alles live direkt vor der eigenen Tür passiert.

UNSICHTBAR over and out.