Heute Nacht

Heute Nacht kam eine Nachricht: „Wie geht’s dir?“
Ich habe ehrlich geantwortet: leer. Und gleichzeitig im Kopf, dass ich eigentlich noch zu einer Meldung müsste – aber ohne zu wissen, ob ich das schaffe.
Die Antwort war kurz: „Ich denke, dass du das kannst. Es ist dein Leben.“
Ich habe noch einen Moment gezögert und bin dann einfach gefahren. Ohne großes Nachdenken, eher so Schritt für Schritt.
Vor Ort war alles ruhig. Ich habe geholfen, ohne viel zu reden. Das fällt mir im Moment schwer, aber es war auch nicht nötig. Die Person, der ich helfen durfte, hat irgendwie gespürt, dass etwas nicht stimmt und hat mit dem Kopf genickt.
„Man muss nicht immer reden“, sagte er zu mir, „ich glaube, ich verstehe dich.“
Vielleicht lag es an meinen Tränensäcken unter den Augen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Menschen auf der Straße ein ganz anderes Gespür für sowas haben.
Am Ende wurde mir mit einem Lächeln gedankt. Und mehrmals wurde mir gesagt, ich wäre ein Engel. Das fühlt sich für mich selbst gerade weit weg an, aber ich habe es einfach so stehen lassen.
Letztendlich durfte ich helfen – mit einem SOS-Rucksack. So nennen wir Rucksäcke, die wir an Menschen verteilen, die gerade erst auf der Straße gelandet sind. In diesem Rucksack ist alles drin, was man für die ersten Nächte braucht: Hygieneartikel, eine Isomatte, ein Schlafsack und vieles mehr.
Gute Nacht Welt