Mensch

Mensch, das war gestern mal eine schöne Tour.

Nicht, dass andere Touren nicht auch schön sind. Irgendwie sind alle Touren schön. Aber gestern die Tour… Mensch, die war schön.

Die war ruhig.

Die war entspannt.

Die war freundlich.

Ein kleines bisschen zickig manchmal, aber freundlich.

Wir haben viel besprochen. Über dies und das geredet. Ein bisschen gelacht. Ein bisschen nachgedacht.

Es war einfach eine angenehme Tour.

Irgendwann bekamen wir Hunger.

Passiert uns ja auch noch hin und wieder. Wir sind schließlich auch nur Menschen.

Also wollten wir uns einen Döner holen.

Zumindest wollten wir das.

Am Ende haben wir keinen Döner gegessen, weil die Brötchen aus waren. Also gab es stattdessen diese eingewickelte Variante. Wie das Ding offiziell heißt, weiß ich bis heute nicht.

Aber lecker war es.

Kurz vorher hatten wir draußen noch einem obdachlosen Menschen geholfen.

Auch das war schön.

Mensch bleiben. Das war schön.

Dann sah er uns in die Dönerbude gehen und fragte, ob wir uns etwas zu essen holen würden.

Und ich sagte aus Spaß:

„Nein, wir holen uns nur etwas zu trinken.“

Wer mich kennt, weiß allerdings, dass Lügen nicht unbedingt zu meinen Stärken gehört.

Und dann hörte ich die Bestellung:

„Zwei Döner im Lappen.“

Und irgendwie…

Nee.

Das kann man dann auch nicht machen.

Also wurden aus zwei kurzerhand drei.

Zwei für uns.

Einer für ihn.

Später ging Nicole über die Straße und brachte ihn ihm.

Er schmunzelte.

Nicht dieses große, überschwängliche Danke.

Nicht dieses laute, auffällige.

Sondern dieses ehrliche Schmunzeln.

Dieses Schmunzeln, bei dem man merkt, dass jemand gerade gar nicht weiß, was er sagen soll.

So ein schmunzeliges Dankeschön eben.

Und genau solche Momente bleiben hängen.

Als Nicole wieder zurückkam, sagte sie:

„Das war ein schöner Augenblick, ihn ein bisschen glücklich zu sehen.“

Und irgendwie hatte sie recht.

Später sind wir noch ein bisschen über unsere üblichen Grenzen hinausgefahren.

Richtung Iserlohn.

Einfach mal schauen.

Nicht, weil dort unglaublich viel los war.

Sondern weil auch das zu unserem Dunstkreis gehört.

Denn wir können schlecht über Orte sprechen, wenn wir nie dort sind.

Also sind wir hingefahren.

Haben geschaut.

Haben uns ein Bild gemacht.

Es war nicht viel los.

Aber auch das gehört dazu.

Manchmal trifft man Menschen.

Manchmal trifft man keine.

Und manchmal ist es genauso wichtig zu wissen, dass gerade niemand Hilfe braucht.

Also ging es anschließend wieder zurück.

Und unterwegs trafen wir dann noch weitere Menschen, denen wir helfen konnten.

Und es war schön.

Es war menschlich.

Und wisst ihr, was ich ebenfalls schön finde?

Wenn du irgendwo ankommst und obdachlose Menschen kommen auf dich zu, begrüßen dich mit deinem Vornamen und sprechen mit dir.

Wenn sie dich ernst nehmen.

Genauso wie du sie ernst nimmst.

Das ist dieses Mensch bleiben.

Mensch bleiben ist schön.

Mensch bleiben ist unsere Aufgabe.

Mensch bleiben sind unsere Mitglieder.

Mensch bleiben gehört einfach dazu.

Denn manchmal sind es nicht die Schlafsäcke.

Nicht die Isomatten.

Nicht der Kaffee.

Nicht die Getränke.

Nicht einmal der Döner.

Manchmal sind es einfach die Begegnungen.

Die Gespräche.

Das Schmunzeln.

Das Ernstnehmen.

Das Gefühl, dass man sich auf Augenhöhe begegnet.

Dass man miteinander spricht und nicht übereinander.

Und genau deshalb war es gestern einfach eine schöne Tour.

Nicht spektakulär.

Nicht außergewöhnlich.

Nicht voller großer Geschichten.

Einfach nur schön.

Menschlich.

Und manchmal sind genau das die Touren, die einem am längsten im Kopf bleiben.