Nachts….

Nachts, wenn alles schläft !

Am Montagabend wollte ich eigentlich nur noch ins Bett. Aber wir haben ja nachts von 0 bis 5 Uhr unsere Meldezeit, und dann, als hätte es jemand geahnt, sollte es nicht ins Bett gehen, sondern nach Hagen. Ich bekam von der Polizei Hagen eine Meldung.

Ein Mann brauchte eine Decke. Also bin ich nach Hagen gefahren. Als ich ankam, war er nicht mehr da.

Und was macht man dann so? Alles, was man am Tag nicht geschafft hat. Tanken fahren zum Beispiel, und auch was essen. Sonst sagt der Blutzucker auf Wiedersehen, und man kann mich in die Ecke stellen, in der ich dann innerhalb von Sekunden einschlafen würde.

Später, als ich auf der Suche nach meiner gemeldeten Person war, sprach mich ein Passant an. Er bat mich, nach einem anderen obdachlosen Herrn zu sehen.

Ich bin also hingefahren und habe mich um ihn gekümmert und währenddessen kam der Passant zurück und wollte eine kleine Spende übergeben.

Aus der kleinen Spende wurden 100 Euro. Für mal helfen, fand ich das sehr viel, und ich habe es ihm auch gesagt.

Er bestand darauf. Ich habe nachgegeben und er war glücklich. Wir haben dann noch ein bisschen zusammen gestanden und geredet.

Danach habe ich noch einmal nach dem Mann gesucht, der ursprünglich gemeldet war. Die Polizei konnte ihn mir ungefähr beschreiben, und tatsächlich saß er an einer Bushaltestelle.

Ich habe ihm einen Schlafsack gegeben, damit er nicht länger frieren muss.

Warum wir grundsätzlich Schlafsäcke verteilen und keine Decken, verrate ich nicht. Na, hat jemand eine Idee, warum nicht?

Dazu gab es etwas zu essen, Süßigkeiten und Eistee. Mehr zähle ich nicht auf, ich mag diese Listenaufzählerei nicht, bei denen man brav aufzählt, was die Person bekommen hat.

Eine warme Terrine wäre auch dabei gewesen, aber das Wasser in meinen Thermoskannen war nur noch lauwarm. Ich weiß nicht, woran es lag – vielleicht war ich auch einfach nur dusselig.

Jedenfalls durfte ich helfen und das ist doch die Hauptsache  –  dann da zu sein, wenn alle anderen schlafen!