Manchmal…

Manchmal begegnen uns unsere eigenen Worte an Orten, an denen wir sie nie hingelegt haben.

Ein Satz hier, ein Gedanke da, eine Anordnung, die uns seltsam vertraut vorkommt. Im ersten Moment zieht sich etwas zusammen. Man hat ja lange an diesen Worten gesessen, nachts, mit kaltem Kaffee, und jedes davon gewogen, ob es den Menschen gerecht wird, über die es spricht.

Dann wird es ruhiger in uns. Und ein kleines Lächeln schleicht sich ein.

Denn Fußspuren sind etwas Schönes. Sie zeigen, dass jemand vorausgegangen ist. Nur kommt, wer immer nur nachläuft, eben auch immer erst dort an, wo die anderen längst schon weiter sind.

Was wir tun, steht auf keinem Zettel. Ein Satz lässt sich abschreiben. Eine Gestaltung lässt sich nachbauen. Was sich nicht kopieren lässt, ist die Nacht um halb drei, wenn das Telefon klingelt und jemand losfährt. Es ist der Moment, in dem ein Mensch auf einer kalten Bank zum ersten Mal seit Tagen hört, dass er gesehen wird. Es ist das Vertrauen, das über Jahre wächst, langsam, Gespräch für Gespräch, und das man sich nicht ausleihen kann.

Auch große Worte wie „enge Zusammenarbeit“ sind schnell geschrieben. Gelebt werden sie woanders: an gemeinsamen Tischen mit Städten und Einrichtungen, in Netzwerken, die über Jahre gewachsen sind, auf Augenhöhe mit der Polizei. So etwas behauptet man nicht. So etwas entsteht. Und wer es hat, muss es nicht auf einen Zettel drucken, um daran zu glauben.

Seit 2015 lernen wir bei UNSICHTBAR e.V. jeden Tag dazu. Wir haben Fehler gemacht, wir haben daraus gelernt, und wir haben unsere Haltung dabei nie verkauft: Wir fotografieren keine Menschen in Not. Wir machen aus Armut keinen Content. Wir sehen hin, wir gehen hin, wir helfen, im Rahmen dessen, was Ehrenamtliche leisten können und dürfen.

Und darum sagen wir es heute einmal ganz deutlich:

Schreib nicht über das, was du tust. Tu es.

Sag nicht, dass du die Würde wahrst. Wahre sie. Jeden Tag, auch dann, wenn keiner hinsieht und keiner klatscht. Es bringt nichts, etwas gutzuheißen, schöne Sätze darüber zu schreiben und es im nächsten Atemzug selbst nicht zu leben.

Wer es ernst meint, kann es zeigen. Ob Verein, Unternehmen, Schule, Initiative, Kirchengemeinde, Praxis, Laden um die Ecke oder einfach als Mensch: Trag dich ein bei unserer Kampagne „Würde wahren“ auf www.wuerde-wahren.de und zeig mit deinem Namen oder deinem Logo, dass du nicht nur sagst, dass du dabei bist, sondern dass du es wirklich bist.

Kopien haben übrigens eine Eigenart: Mit jedem Mal werden sie ein bisschen blasser. Das Original bleibt, wie es ist.

Wir jedenfalls gehen weiter unseren Weg. Leise, wenn es leise sein muss. Mit offenen Augen und warmen Händen. Und immer mit dem Blick auf den Menschen, nicht auf die Kamera.

HINSEHEN – HINGEHEN – HELFEN.