Gut gemeint ist nicht immer gut geholfen.
Immer wieder sehen wir in den sozialen Medien Aufrufe, in denen Menschen Kleidung, Decken oder andere Dinge direkt zu einer obdachlosen Person bringen sollen. Dahinter steckt fast immer ein ehrlicher Wunsch zu helfen – und genau das verdient Respekt.
Trotzdem möchten wir einen Gedanken mit euch teilen.
Der Eindruck, Städte, Streetworker oder Wohlfahrtsverbände würden sich nicht kümmern, entsteht im Internet oft sehr schnell. Dabei wissen die wenigsten von uns, was im Hintergrund bereits passiert ist. Ob Kontakt aufgenommen wurde, welche Hilfen angeboten wurden oder warum bestimmte Dinge nicht umgesetzt werden konnten, können Außenstehende in der Regel gar nicht beurteilen.
Gerade tagsüber sind die zuständigen Fachstellen, Streetworker und soziale Einrichtungen die richtigen Ansprechpartner. Sie kennen viele der Betroffenen oft seit Jahren, beraten sie, begleiten sie und können – wenn die Voraussetzungen erfüllt sind – auch weiterführende Hilfen oder Unterbringungen vermitteln. Genau dafür sind sie da.
Wir als UNSICHTBAR e.V. arbeiten deshalb bewusst mit diesen Stellen zusammen und nicht an ihnen vorbei. Tagsüber vermitteln auch wir grundsätzlich an die zuständigen Behörden und Wohlfahrtsverbände. Nicht, weil wir nicht helfen möchten, sondern weil wir weder Sozialberatung durchführen noch Menschen in Unterkünfte vermitteln dürfen. Dafür gibt es Fachkräfte und gesetzliche Zuständigkeiten.
Ein weiterer Punkt wird häufig übersehen: Wer auf der Straße lebt, hat keinen Kleiderschrank, keinen Keller und meist keinen Platz, um größere Mengen an Kleidung oder Sachspenden aufzubewahren. Gut gemeinte Spenden können deshalb schnell zu einem Problem werden. Was heute mit den besten Absichten abgelegt wird, liegt oft Tage oder Wochen später durchnässt oder verschmutzt dort. Irgendwann müssen diese Dinge entfernt werden – nicht, weil jemand herzlos ist, sondern weil öffentliche Flächen sauber und sicher bleiben müssen.
Deshalb unsere Bitte: Wenn ihr helfen möchtet, dann tut es. Aber unterstützt möglichst Kleiderkammern, Wohlfahrtsverbände oder Vereine, die täglich mit den Betroffenen arbeiten. Fragt nach, was wirklich gebraucht wird, statt unkoordiniert Dinge an einem Ort abzulegen.
Hilfe braucht Herz. Aber sie braucht genauso Zusammenarbeit, Erfahrung und die Bereitschaft, den Menschen zuzuhören, die diese Arbeit jeden Tag professionell machen.
Nur so wird aus gut gemeint auch wirklich gut geholfen.