Das Hundesenioren-Hospiz e.V.

Stevie’s Hundesenioren-Hospiz e.V.

Ein Zuhause für alte und kranke Hunde. Für Tiere, deren Menschen verstorben sind. Für Hunde, die besondere Betreuung brauchen. Und für diejenigen, bei denen das Leben irgendwann nicht mehr ganz so einfach ist.

Unsere liebe Leo schrieb mir heute:

„Hallo Holger, vllt. magst du dir diesen kleinen Verein mal angucken. Ich folge Stevie schon ein Weilchen und finde sie bemerkenswert.“

Also habe ich geguckt.

Und bin geblieben.

Denn was dort für alte und kranke Hunde geleistet wird, ist etwas, über das wir gerne erzählen möchten.

Wir erzählen hier nämlich auch über andere.

Über Menschen, Vereine und Organisationen, bei denen wir hinschauen und ganz einfach sagen können:

Was ihr da macht, ist großartig.

Vielleicht ist auch das ein kleines Stück von dem, was UNSICHTBAR e.V. ausmacht.

Wir müssen nicht immer über uns selbst sprechen. Wir müssen nicht so tun, als würde gute Arbeit nur dort stattfinden, wo unser eigener Name draufsteht. Und wir müssen ganz bestimmt nichts kleiner machen, was andere Menschen mit unglaublich viel Herz leisten, nur damit das eigene Tun größer erscheint.

Im Gegenteil.

Wenn wir etwas entdecken, das uns berührt, dann möchten wir davon erzählen.

Freundlich. Ehrlich. Respektvoll.

Ohne zu vergleichen, wer mehr macht. Ohne Wettbewerb darum, wer der bessere Verein ist. Ohne Hintergedanken und ohne irgendeinen Nutzen daraus ziehen zu müssen.

Einfach, weil gute Arbeit gesehen werden darf.

Und Stevie’s Hundesenioren-Hospiz e.V. ist für uns genau so ein Beispiel.

Von uns aus gesehen ziemlich weit weg.

Vom Herzen her plötzlich überhaupt nicht mehr.

Dort finden alte Hunde einen Platz. Kranke Hunde. Hunde mit seelischen Verletzungen. Hunde, deren Menschen verstorben sind. Hunde, deren Versorgung irgendwann so aufwendig geworden ist, dass ihre bisherigen Menschen sie nicht mehr leisten können.

Hunde, bei denen das Leben eben nicht mehr ganz so einfach ist.

Und vielleicht sind es gerade diese Tiere, bei denen sich zeigt, was Fürsorge eigentlich bedeutet.

Denn einen jungen, gesunden, fröhlichen Hund lieb zu haben, ist nicht besonders schwer.

Aber was passiert, wenn die Beine nicht mehr wollen?

Wenn Medikamente dazugehören?

Wenn nachts jemand aufstehen muss?

Wenn ein Tier nicht mehr sauber ist, Ängste entwickelt, besondere Betreuung braucht oder der Tierarzt plötzlich ein ziemlich regelmäßiger Begleiter des gemeinsamen Lebens wird?

Was passiert, wenn aus dem unkomplizierten Begleiter ein Lebewesen wird, das sehr viel Zeit, Geduld, Kraft und Geld braucht?

Bei Stevie lautet die Antwort offenbar:

Dann bleibt es trotzdem jemand, der Liebe verdient.

Dort bekommen diese Hunde nicht einfach einen Platz, an dem sie ihre letzten Monate oder Jahre verbringen können.

Sie bekommen noch einmal ein Zuhause.

Nähe.

Versorgung.

Geborgenheit.

Und vor allem Menschen, die ihnen nicht vermitteln, dass sie jetzt zu alt, zu krank, zu schwierig oder zu teuer geworden sind.

Als ich dann gelesen habe, wie dieser Ort entstanden ist, wurde aus Interesse ziemlich schnell großer Respekt.

Hinter Stevie steht Stephanie Badura.

Als ihre eigene alte Hündin erkrankte, veränderte sie ihr Leben. Sie verkaufte ihr Geschäft, Autos und Motorräder und reduzierte ihre Arbeit, um für ihre Hündin da sein zu können.

Und irgendwann entstand daraus eine Frage, die eigentlich ganz einfach klingt und gleichzeitig verdammt schwer wiegt:

Was ist mit all den alten Hunden, die niemand mehr möchte, gerade weil sie alt sind und Hilfe brauchen?

Aus dieser Frage wurde irgendwann ein Ort.

Ein Zuhause für Hundesenioren.

Und vielleicht berührt mich diese Geschichte deshalb so sehr.

Denn irgendwann im Leben funktioniert man nicht mehr perfekt.

Das gilt für Menschen.

Und es gilt für Tiere.

Man wird langsamer.

Man wird vielleicht krank.

Man braucht häufiger jemanden.

Man macht Arbeit.

Man kostet Zeit.

Man kostet Geld.

Und manchmal braucht man jemanden sogar dann, wenn es keine Aussicht mehr darauf gibt, dass irgendwann wieder alles gut wird.

Vielleicht zeigt sich genau dann, was Liebe und Fürsorge wirklich bedeuten.

Nicht da zu sein, solange alles einfach ist.

Sondern zu bleiben, wenn es schwierig wird.

Einen alten Hund aufzunehmen bedeutet eben auch, eine Verbindung einzugehen, obwohl man weiß, dass die gemeinsame Zeit wahrscheinlich begrenzt sein wird.

Man weiß, dass irgendwann dieser eine beschissene Tag kommen wird.

Und man macht es trotzdem.

Weil vorher noch andere Tage kommen.

Tage mit einem vollen Napf.

Mit einer Hand auf einem alten Hundekopf.

Mit einem warmen Platz.

Vielleicht noch einmal mit Sonne im Gesicht und Gras unter den Pfoten.

Mit jemandem daneben.

Und vielleicht sind es nur Monate.

Vielleicht Jahre.

Vielleicht viel weniger.

Aber für diesen einen Hund ist es nicht „nur noch ein bisschen Zeit“.

Es ist sein Leben.

Sein ganzes Leben, das ihm noch geblieben ist.

Und dieses Leben ist es wert.

Liebe Leo, danke, dass du heute nicht einfach weitergescrollt hast.

Danke, dass du an uns gedacht hast.

Und danke, dass du uns Stevie und ihre Hundesenioren gezeigt hast.

Denn wir erzählen oft darüber, was in unserer Gesellschaft schiefläuft.

Dann sollten wir mindestens genauso selbstverständlich über Menschen erzählen, die etwas richtig machen.

Vielleicht ist genau das etwas, das wir uns auch in der Vereinswelt viel häufiger wünschen würden.

Dass man nicht ausschließlich darauf schaut, was man selbst leistet.

Dass man auch einmal nach rechts und links schaut und einem anderen Menschen einfach sagen kann:

Ich sehe, was du da tust. Und ich finde es großartig.

Ohne Neid.

Ohne Konkurrenz.

Ohne anschließend erklären zu müssen, was man selbst alles leistet.

Stevie und ihre Menschen arbeiten viele Kilometer von uns entfernt. Wir kennen uns nicht persönlich. Es gibt keine Kooperation und keine gemeinsame Aktion. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum UNSICHTBAR e.V. über diesen Verein berichten „müsste“.

Und vielleicht ist genau das der schönste Grund, es trotzdem zu tun.

Weil Anerkennung keinen Gegenwert braucht.

Weil Respekt nicht an der eigenen Vereinsgrenze aufhören sollte.

Und weil Menschen, die ihr Leben dafür einsetzen, dass alte und kranke Tiere ihre letzte Zeit nicht abgeschoben und vergessen verbringen müssen, ruhig ein bisschen mehr gesehen werden dürfen.

Von uns jedenfalls.

Und vielleicht nach diesem Beitrag auch von ein paar Menschen mehr.

Manchmal liegen zwischen zwei Organisationen viele hundert Kilometer.

Und manchmal merkt man trotzdem ziemlich schnell, dass man dieselbe Sprache spricht.

Die Sprache von Würde.

Von Verantwortung.

Von Herz.

Und von diesem eigentlich ganz einfachen Gedanken:

Da ist jemand, der uns braucht.

Also schauen wir nicht weg.

Stevie’s Hundesenioren-Hospiz e.V.

Internetseite: http://stevies-hundesenioren.de/STARTSEITE/

Facebook: https://www.facebook.com/stevie.hundesenioren.hospiz