Mit Wautz auf Tour
Freitagnacht ging es für Holger und mich (Nicole) wieder auf die Straße. Das übliche Prozedere: den Wagen packen und kurz abstimmen, wohin es gehen soll. Am Freitag haben wir uns für Hagen entschieden. Es hatte immer mal wieder stark geregnet, wir waren beide müde von der Woche und das Sofa wäre natürlich auch schön gewesen.
Aber Erfolg hat drei Buchstaben: TUN. Also ging es los. An diesem Abend hatten wir noch eine vierpfotige Unterstützung dabei: Numa, ein schwarzer Labrador und eine Seele von Hund. Er nahm artig im Fußraum Platz und genoss die Streicheleinheiten.
Es ging in die Innenstadt, und dort trafen wir auf zwei altbekannte Genossen. Wegen des Regens hatten sie sich bereits unter das Vordach eines Schuhgeschäfts zurückgezogen und waren erstaunlich ansprechbar. Trotz 15 Grad ist ein feuchtes Quartier auf dem Pflaster alles andere als wärmend. Die Schlafsäcke waren nass. Einer der beiden ist Rollstuhlfahrer, und auch er hatte sich auf dem nackten Boden eingerichtet.
Wir reichten ihnen eine Terrine und Kaffee, um etwas innere Wärme wiederherzustellen. Bei genauerem Hinsehen fiel auf, dass beide eine Fußverletzung hatten und bei einem von ihnen das Auge immer noch stark entzündet war. Der freundliche Hinweis, einen Arzt aufzusuchen, wurde zur Kenntnis genommen. Aber es gibt für alles eine Ausrede und dann muss man als Helfer eben auch respektieren, dass es sich um erwachsene Menschen mit einem eigenen Willen handelt.
Dennoch bleiben solche Erlebnisse im Hinterkopf, denn es gibt immer zwei Szenarien, die sich im Kopf abspielen. Das eine: Wir sehen die Menschen nicht mehr, weil sie sich helfen konnten. Und das zweite: Sie konnten sich nicht mehr helfen.
Nicht zu vergessen: Es handelt sich um Menschen, die trotz ihrer Situation ihren Charme, ihren Humor und Eigenschaften haben, die durchaus liebenswert sind. Und als Helfer gewöhnt man sich auf eine Art und Weise an diese Menschen und baut eine Beziehung zu ihnen auf. Das Herz ist eben auch immer dabei.
Unsere Weiterfahrt brachte uns an den Brennpunkt. Holger hatte vorher schon Anrufe erhalten, ob wir kommen würden.
Es war mittlerweile eine späte Stunde und der Alkoholpegel ist dann häufig besonders hoch. Natürlich nicht nur Alkohol … Wir versorgten die Menschen, führten Gespräche, und Numa sorgte allein durch seine Anwesenheit für das eine oder andere Lächeln.
Besonders berührend war auch ein längeres Gespräch. Zuhören ist manchmal viel mehr Hilfe als eine Terrine, und es sind bewegende Gespräche, die man auch oft mit nach Hause nimmt.
Fazit:
Es war eine ruhige Nacht, und im Nachgang waren wir froh, dem Sofa widerstanden zu haben. Unsere Austausche im Auto auf der Heimfahrt sind ebenfalls immer wichtig: um Situationen zu diskutieren, unser Handeln zu hinterfragen und vor allem, um mit dem Erlebten nicht alleine nach Hause zu fahren.
Und immer wieder bleibt die Dankbarkeit für die eigene Situation.