Heat Dome, El Niño, La Niña, Starkregenereignis oder Dürre
Vor einigen Jahren kannten viele von uns Begriffe wie Heat Dome, El Niño, La Niña, Starkregenereignis oder Dürre höchstens aus dem Geografieunterricht. Heute begegnen sie uns in den Nachrichten beinahe regelmäßig. Doch was bedeuten diese Wörter eigentlich? Und viel wichtiger: Was bedeuten sie für Menschen, die ohnehin schon am Rand unserer Gesellschaft leben?
Ein Heat Dome, auf Deutsch oft Hitzeglocke genannt, entsteht, wenn sich ein stabiles Hochdruckgebiet wie ein Deckel über eine Region legt. Die heiße Luft kann nicht entweichen, die Sonne heizt den Boden Tag für Tag weiter auf und selbst nachts kühlt es kaum noch ab. Solche Wetterlagen haben Europa und Deutschland in den vergangenen Jahren bereits mehrfach erlebt. Temperaturen weit über 35 Grad und Tropennächte sind längst keine Seltenheit mehr.
Dann gibt es El Niño und La Niña. Beide entstehen Tausende Kilometer entfernt im Pazifik. El Niño beschreibt ungewöhnlich warmes Meerwasser, La Niña ungewöhnlich kaltes. Obwohl diese Phänomene weit weg stattfinden, können sie das Wetter auf der ganzen Welt beeinflussen. Deutschland wird meist nicht direkt getroffen, doch weltweit verändern sich Niederschläge, Hitzeperioden, Dürren und Ernten. Das kann auch uns erreichen – durch steigende Lebensmittelpreise, Lieferengpässe oder eine zusätzliche Erwärmung des globalen Klimas.
Und dann gibt es die Begriffe, die wir leider nur zu gut kennen.
Starkregen.
Hochwasser.
Dürre.
Die Flutkatastrophe 2021 hat gezeigt, wie schnell aus einem normalen Regentag eine Katastrophe werden kann. Ganze Orte wurden zerstört. Menschen verloren ihr Zuhause, Angehörige und ihre Existenz. Auf der anderen Seite erleben wir Sommer, in denen wochenlang kaum ein Tropfen Regen fällt. Wälder trocknen aus. Felder verbrennen. Die Waldbrandgefahr steigt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass solche Extremwetterlagen in Deutschland häufiger und intensiver werden können.
Doch Wetter kennt keine Gerechtigkeit.
Es fragt nicht, ob jemand reich oder arm ist.
Aber es trifft nicht alle gleich.
Wenn die Temperaturen auf 38 oder 40 Grad steigen, schließen viele ihre Fenster, schalten die Klimaanlage ein oder fahren an den See.
Ein obdachloser Mensch hat diese Möglichkeiten oft nicht.
Er schläft vielleicht auf einer Parkbank. Unter einer Brücke. Auf heißem Asphalt. Ohne Schatten. Ohne ausreichend Wasser. Ohne Rückzugsort.
Was für viele ein unangenehmer Sommertag ist, kann für ihn zur Lebensgefahr werden.
Ältere Menschen leiden ebenfalls besonders unter Hitze. Viele leben allein. Manche merken gar nicht, wie ihr Körper austrocknet. Medikamente wirken plötzlich anders. Der Kreislauf versagt. Hitze gehört inzwischen zu den größten wetterbedingten Gesundheitsrisiken.
Und dann sind da noch die Tiere.
Vögel finden keine Wasserstellen mehr.
Igel suchen verzweifelt nach Feuchtigkeit.
Haustiere leiden in aufgeheizten Wohnungen.
Wildtiere verlieren durch Brände oder Überschwemmungen ihren Lebensraum.
Nicht selten entscheidet eine einzige Schale Wasser darüber, ob ein Tier den Tag überlebt.
Vielleicht müssen wir deshalb aufhören, diese Begriffe nur als Schlagzeilen zu betrachten.
Heat Dome.
El Niño.
La Niña.
Starkregen.
Dürre.
Das sind keine komplizierten Fremdwörter.
Sie stehen für Situationen, in denen Menschen Hilfe brauchen.
Vielleicht sogar mehr denn je.
Als Verein erleben wir immer häufiger, dass sich unsere Einsätze verändern. Im Winter geht es längst nicht mehr nur um warme Schlafsäcke. Im Sommer geht es um Wasser, Sonnenschutz, kühle Plätze und darum, Menschen überhaupt noch rechtzeitig zu erreichen.
Katastrophenschutz beginnt nicht erst dann, wenn Sirenen heulen.
Er beginnt mit Aufmerksamkeit.
Mit Vorbereitung.
Und mit der Bereitschaft, füreinander da zu sein.
Denn am Ende entscheidet nicht, ob wir alle Begriffe auswendig kennen.
Entscheidend ist, ob wir hinschauen, wenn ein Mensch unter der Hitze zusammenbricht. Ob wir einer älteren Nachbarin etwas zu trinken bringen. Ob wir einem Tier eine Schale Wasser hinstellen. Oder ob wir einfach weitergehen.
Vielleicht wird genau das in Zukunft der größte Unterschied sein.
Nicht zwischen Sommer und Winter.
Sondern zwischen Wegsehen und Helfen.