Nur bei Karaoke, da bin ich raus…

VIELLEICHT SOLLTEN WIR UNS EINFACH MAL WIEDER TREFFEN.

Gestern habe ich von Kontakten erzählt.

Und vielleicht war genau das der kleine Schubs, den ich selbst gebraucht habe.

Denn in den nächsten Wochen werde ich ein bisschen unterwegs sein.

Zu Menschen, die UNSICHTBAR e.V. unterstützen. Zu unseren Fördermitgliedern. Zu Unternehmen und Partnern, die uns schon länger begleiten. Zu Menschen, die ich endlich einmal persönlich kennenlernen möchte – und hoffentlich auch zu einigen, die ich heute noch gar nicht kenne.

Ich möchte erzählen, was sich bei UNSICHTBAR e.V. gerade bewegt.

Was wir verändern.

Was wir neu denken.

Was wir nach elf Jahren vielleicht anders sehen als noch vor einigen Jahren.

Aber vor allem möchte ich eines:

Menschen treffen.

So richtig.

Denn ich frage mich manchmal, wann wir eigentlich angefangen haben, aus jeder Begegnung einen Termin zu machen.

Früher ist man nach Feierabend noch in die Kneipe gegangen.

Einer bestellt ein Bier, der andere eine Cola.

Irgendwann läuft ein Lied aus den 80ern, bei dem plötzlich fünf Leute mitsingen, obwohl vier davon besser nicht singen sollten.

Egal.

Es wird trotzdem gesungen.

Einer erzählt irgendeine Geschichte, die vermutlich mit jedem Erzählen ein kleines bisschen besser wird. Jemand widerspricht. Einer lacht so laut, dass sich der Nachbartisch umdreht.

Und irgendwann stellt man fest:

Verdammt. Wir sitzen hier seit drei Stunden.

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen genau das heute manchmal vermissen.

Und vielleicht vermissen wir gar nicht die Kneipe.

Vielleicht vermissen wir dieses vollkommen selbstverständliche Zusammensein.

Oder wir machen das genaue Gegenteil.

Zwei Menschen setzen sich an einen See.

Keine Tagesordnung.

Keiner muss das Gespräch eröffnen.

Vielleicht sagen beide erst einmal eine halbe Stunde überhaupt nichts.

Sie schauen aufs Wasser.

Beobachten Enten.

Sehen irgendeinem Vogel dabei zu, wie er offensichtlich einen wesentlich entspannteren Tagesplan hat als sie selbst.

Und irgendwann sagt einer irgendeinen Satz.

Der andere antwortet.

Aus einem Satz werden zehn.

Und plötzlich sind zwei Stunden vergangen.

Vielleicht haben sie über etwas unglaublich Wichtiges gesprochen.

Vielleicht über vollkommen belanglosen Blödsinn.

Vielleicht über beides.

Und vielleicht haben sie zwischendurch einfach wieder zehn Minuten geschwiegen.

Auch Schweigen kann ein verdammt gutes Gespräch sein.

Genau solche Begegnungen wünsche ich mir auf meiner kleinen Tour.

Nicht zwingend am See.

Und selbstverständlich muss auch niemand mit mir in eine Kneipe.

Büro geht auch.

Konferenzraum.

Werkstatt.

Kaffeemaschine.

Parkbank.

Spaziergang.

Wo Menschen miteinander ins Gespräch kommen, ist der Ort doch eigentlich vollkommen nebensächlich.

Und wenn es unbedingt der Pub sein muss und irgendwann dieses verflixte Lied aus den 80ern läuft und ich zum Mitsingen genötigt werde:

Dann singe ich eben.

Widerwillig natürlich.

Und vermutlich auch nur so lange, bis der Wirt aus betriebswirtschaftlichen Gründen einschreitet.

Denn vielleicht haben wir bei all unseren Mails, Nachrichten, Videokonferenzen und sozialen Netzwerken etwas ziemlich Einfaches ein bisschen vergessen:

Menschen lernt man am besten kennen, indem man ihnen begegnet.

Nicht nur ihre Funktion.

Nicht nur das Unternehmen.

Nicht nur das Logo auf der Visitenkarte.

Den Menschen.

Und genau deshalb freue ich mich auf diese nächsten Wochen.

Auf Menschen, die UNSICHTBAR e.V. schon lange kennen.

Auf Fördermitglieder und Unterstützer, denen ich erzählen möchte, was bei uns gerade passiert.

Auf Unternehmen und Partner.

Auf alte Bekannte.

Und ganz besonders auf Menschen, von denen ich heute vielleicht noch überhaupt nicht weiß, dass wir uns bald kennenlernen werden.

Vielleicht reden wir über UNSICHTBAR e.V.

Vielleicht über das Unternehmen meines Gegenübers.

Vielleicht über unsere Gesellschaft.

Vielleicht über Ideen, die zunächst vollkommen verrückt klingen.

Vielleicht wird aus einem „Sie“ irgendwann ein „Du“.

Vielleicht lachen wir.

Vielleicht widersprechen wir uns.

Vielleicht lernen wir voneinander.

Und vielleicht passiert etwas, das man in keiner Bilanz und keinem Jahresbericht vernünftig darstellen kann:

Man fährt anschließend nach Hause und denkt: Was für ein guter Mensch. Schön, dass wir uns kennengelernt haben.

Das ist mit keinem Geld dieser Welt aufzuwiegen.

Vielleicht ist auch diese Vorstellung wieder ein bisschen typisch UNSICHTBAR e.V.

Ein bisschen altmodisch.

Ein bisschen verrückt.

Und vielleicht auch ein bisschen anders.

Aber wir glauben nach elf Jahren immer noch daran, dass die besten Verbindungen zwischen Menschen nicht unbedingt dort entstehen, wo alles bis ins letzte Detail geplant wurde.

Manchmal beginnen sie mit einem ziemlich einfachen Satz:

„Wir sollten uns mal kennenlernen.“

Also machen wir das.

Und falls Sie oder ihr jetzt gerade denkt:

Eigentlich könnten wir uns auch mal kennenlernen …

Dann meldet euch.

Ich habe auf meiner Tour noch ein bisschen Platz.

Pub, Büro, Werkstatt, Spaziergang oder See – mir ziemlich egal.

Nur bei Karaoke behalte ich mir aus Rücksicht auf die Allgemeinheit ein Vetorecht vor.

UNSICHTBAR e.V.
HINSEHEN – HINGEHEN – HELFEN