Ein Grill

Wir sind dem Männerasyl in Hagen seit vielen Jahren eng verbunden und schauen dort regelmäßig vorbei. Derzeit finden dort bis zu 65 Männer einen sicheren Schlafplatz, die sonst ihre Nächte auf den Straßen Hagens verbringen müssten. Ein Teil lebt dauerhaft dort, andere bleiben nur für kurze Zeit. Entsprechend hoch ist der tägliche Bedarf an vielen Dingen, die für den Alltag selbstverständlich erscheinen.

Immer wieder fehlen Hand- und Duschtücher oder auch Sonnen-Caps, die bei den derzeitigen Temperaturen dringend benötigt werden. Handtücher bleiben in der Einrichtung, werden gewaschen und immer wieder an neue Bewohner ausgegeben. Deshalb werden sie ständig gebraucht.

Viele Anschaffungen können öffentliche Einrichtungen nicht einfach von heute auf morgen tätigen. Sie müssen häufig ausgeschrieben werden – ein sinnvoller und gesetzlich vorgeschriebener Weg, der allerdings Zeit benötigt. Wenn kurzfristig etwas fehlt, versuchen wir dort zu unterstützen, wo Hilfe gerade notwendig ist.

Annette hat deshalb zunächst einen Aufruf im Bekanntenkreis gestartet und konnte bereits am Wochenende die ersten Hand- und Duschtücher übergeben. Heute folgten weitere Handtücher sowie Sonnen-Caps für die Bewohner.

Bei einer Tasse Kaffee kamen wir anschließend mit den Mitarbeitenden ins Gespräch. Dabei erzählten sie, dass die Bewohner im Sommer hin und wieder gerne gemeinsam grillen würden. Der vorhandene Grill war dafür jedoch deutlich zu klein. Bis eine öffentliche Einrichtung einen neuen Grill auf dem vorgeschriebenen Weg beschafft hätte, wäre vermutlich noch einige Zeit vergangen – wir fanden die Idee aber schon jetzt gut.

Warum? Weil es dabei nicht um einen Grill geht.

Es geht um Gemeinschaft. Es geht um ein paar Stunden, in denen Menschen nicht nur ihre Probleme sehen, sondern zusammen sitzen, lachen, sich unterhalten und ein Stück Normalität erleben können. Wer über einen längeren Zeitraum Ausgrenzung, Einsamkeit oder den Verlust seiner Wohnung erlebt hat, verliert häufig auch ein Stück seines Selbstwertgefühls.

Würde entsteht nicht nur durch ein Dach über dem Kopf. Würde entsteht auch durch Begegnung, Teilhabe und das Gefühl, dazuzugehören. Und manchmal können genau solche gemeinsamen Momente dazu beitragen, dass ein Mensch wieder beginnt, an sich selbst zu glauben und den Mut findet, die ersten Schritte zurück in ein eigenständiges Leben zu gehen.

Deshalb haben wir uns gemeinsam mit einem verantwortlichen Mitarbeiter auf den Weg gemacht und einen größeren Grill besorgt. Der bisherige Grill bleibt selbstverständlich erhalten und kann weiterhin genutzt werden, wenn nur wenige Bewohner gemeinsam grillen möchten.

Die Freude über die Hand- und Duschtücher, die Sonnen-Caps und den neuen Grill war groß. Nicht, weil ein Grill Probleme löst – das tut er nicht. Aber weil er Menschen zusammenbringen kann. Und manchmal beginnt Veränderung genau dort: bei einem gemeinsamen Gespräch, einem Lächeln und dem Gefühl, für einen Moment einfach dazuzugehören.

 

[Links im Bild: Beate Wachsmann]

[Rechts im Bild: Christian Hunsmann]