Büchse der Pandora

Für einen Sommerabend war es mal wieder eher kühl, als Jörn, Esther und ich uns am Montag auf den Weg machten, um den Menschen auf der Straße unsere Hilfe zu bringen. Die Kälte war zwar nicht so beißend wie im Winter, aber dennoch spürbar, während wir durch die an diesem Abend eher belebten Straßen der Stadt fuhren.

Unser erster Halt war an einem leerstehenden Gebäude, dessen Hauseingänge zwei Männer zu ihrem vorübergehenden Zuhause gemacht hatten. Sie hatten sich hier mit alten Matratzen, Decken und einer Liege häuslich eingerichtet. „Endlich kehrt langsam Ruhe ein“, sagte der eine von ihnen, während er sich in seine Decke kuschelte und sich über die erhoffte Nacht des ungestörten Schlafs freute. Der andere Mann nickte zustimmend und lächelte müde, als wir ihnen Terrinen und Getränke reichten. Die Dankbarkeit in ihren Augen war herzergreifend und erinnerte uns daran, wie wertvoll solche kleinen Gesten der Fürsorge sind.

In der Fußgängerzone trafen wir auf zwei alte Bekannte. Wir sahen sie nur kurz, denn sie waren offensichtlich auf dem Weg irgendwohin. Ein kurzes Gespräch, ein paar warme Worte und ein Lächeln – mehr war diesmal nicht drin. Doch auch diese kurzen Begegnungen bedeuteten uns viel und stärken unser Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Unser nächstes Ziel war ein Ort, den wir später als die „Büchse der Pandora“ bezeichneten. Er wirkte auf den ersten Blick leer und verlassen. Dann entdeckten wir ein kleines Lager aus alten Matratzen und Schlafsäcken. Und sobald wir ausstiegen, änderte sich die Szenerie schlagartig. Aus dem Dunkeln tauchten immer mehr Menschen auf, was uns zunächst einen kleinen Schauer über den Rücken jagte. Es war fast beängstigend, wie plötzlich so viele Gestalten aus den Schatten traten. Doch schnell merkten wir, dass diese Menschen freundlich und zurückhaltend waren. Sie halfen sich gegenseitig bei der Verständigung und erzählten uns ihre Geschichten.

Es stellte sich heraus, dass sie überwiegend aus Rumänien kamen. Ihnen war Arbeit versprochen worden, doch diese Versprechen hatten sich als Lügen entpuppt. Nun leben sie zusammen in Autos, Männer und Frauen, dicht gedrängt und aktuell ohne Perspektive. Ihre Gesichter spiegelten Hoffnungslosigkeit, aber auch eine leise Dankbarkeit wider, als wir ihnen unsere Unterstützung anboten.
Dieser Abend war eine eindrückliche Erinnerung daran, warum wir unsere Arbeit tun. Es sind die Geschichten und Schicksale der Menschen, die uns immer wieder motivieren, hinauszugehen und zu helfen. Auch wenn die Welt manchmal dunkel und kalt erscheint, so sind es diese kleinen Momente des Lichts und der Wärme, die uns zeigen, dass wir alle miteinander verbunden sind.

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EHRENAMT BEI UNSICHTBAR e. V.
Das Ehrenamt bei UNSICHTBAR e. V. besteht nicht ausschließlich aus der Arbeit auf der Straße. Bring dich zum Beispiel in der Fahrzeugpflege mit ein, sortiere, packe und waschen und reinige regelmäßig unsere Fahrzeuge, denn auch das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
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