Immer wieder: Keine Fotos von Schlafplätzen!

Sogar der Wettergott hält sich zurück, wenn wir helfen können…

27.06.2024 – ein Donnerstag mit Frühschicht (21 bis ca. 24 Uhr). Andreas K. und ich (Karin) beschränken uns heute auf Hagen, auf den letzten Touren standen eher der Märkische und der Ennepe-Ruhr-Kreis im Focus.

Nicht an jeder üblichen Anlaufstelle treffen wir auf Obdachlose, an einer Bushaltestelle sitzt dann aber ein alter Bekannter. Er ist irritiert, erkennt uns nicht sofort. Ich drehe mich um und deute auf das UNSICHTBAR e. V. Logo auf der Rückseite meiner Jacke – dann erhellt sich sein Gesicht: Jetzt realisiert er, wer wir sind, und er entspannt sich. Etwas zu essen und zu trinken, Süßes ist auch gefragt und ein kurzes Gespräch – mehr möchte er nicht. Wir rollen im Schritttempo durch die Fußgängerzone, aber weder hier noch an weiteren Anlaufstellen treffen wir hilfsbedürftige Menschen an.

An einem Zufluchtsort stellen wir entsetzt fest, dass er komplett geräumt wurde. Nicht nur der Müll, sondern auch das, was für Obdachlose so etwas wie ein Obdach bedeutet hat. Wir hoffen, dass schnell ein neuer Aufenthaltsort gefunden wird – und dass er so lange wie möglich geheim bleibt, so dass keine Fotos gepostet und die Stelle somit der Öffentlichkeit bekannt gemacht wird!

Wir finden eine Schlafstelle, jedoch keinen Menschen. Auf dem Boden steht eine mit Alufolie abgedeckte Schale – offenbar ist hier für das Notwendigste gesorgt.

Plötzlich fängt es an zu stürmen und Minuten später schüttet es wie aus den berühmten Eimern. Zunächst sind wir ratlos – bei dem Extremregen lässt sich mit Sicherheit niemand blicken… Abbrechen? Wir warten zunächst und fahren dann wieder Richtung Innenstadt zu einer Anlaufstelle und tatsächlich wird der Regen weniger, bis er schließlich ganz aufhört. Andreas parkt den Kangoo, wir öffnen die Heckklappe – und dann ist da wieder dieses Phänomen: Sie sind plötzlich da. Einer der Herren kommt mit verschmitztem Lächeln auf uns zu und nennt seinen Namen – ich habe ihn einige Male danach gefragt, weil ich ihn vergessen hatte – jetzt sagt er ihn von sich aus. Ich muss lachen, bedanke mich – und jetzt habe ich ihn endgültig gespeichert. Ich werden ihn das nächste Mal überraschen und ihn schon von weitem namentlich (!) begrüßen… 😀.

Außer den üblichen Terrinen und Getränken geben wir wieder viel Süßes aus. Da im Sommer die von allen heißgeliebte Schokolade schmilzt, lassen wir sie im Lager. Bea hatte die geniale wie einfache Idee, eine kleine Kühlbox mit Schokolade im Lagerkühlschrank aufzubewahren, die wir beim Packen des Kangoos mitnehmen – und nach Ende der Tour wieder zurückstellen. Alle sind begeistert: Es gibt wieder Schokolade!
Wir warten noch etwas – mit Erfolg. Einige Nachzügler erreichen den Kangoo und wir sind froh und dankbar, noch gewartet zu haben und sie für diese Nacht gut versorgt zu wissen.

Auf dem Rückweg zum Lager meldet sich Holger: Er würde aufgrund des Unwetters gerne noch eine Nachttour anhängen. Kein Problem! Andreas fährt nach Hause in den wohlverdienten „Feierabend“, ich übernehme den Kangoo und treffe mich mit Holger am Lager.
Mit Wärmebildkamera gut ausgerüstet geht es Richtung Märkischer Kreis und wir treffen auf einige Menschen, denen wir helfen dürfen. Einer dieser Herren ist erst seit einigen Tagen auf der Straße, lehnt alles bis auf eine Terrine und was zu trinken ab. Es ist ihm alles zu viel, was er mit sich herumtragen müsste, möchte sogar seine riesige Plastiktüte loswerden. Wir können ihn zu einer TOM überreden, einer Tasche für obdachlose Menschen, die mit dem Nötigsten wie Unterwäsche und T-Shirt etc. gepackt ist. Für seine wenigen Habseligkeiten ist noch Platz und die TOM ist einfacher zu tragen als die Plastiktüte.

Die Wärmebildkamera kam auch zum Einsatz, so konnten wir an einigen Stellen die Anwesenheit von Menschen ausschließen.

Der Regen hat sich endgültig verabschiedet, allmählich bricht der Morgen an, unsere Tour ist beendet und wir sind froh, die Nachttour noch angehängt zu haben.

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