Was mal so gar nicht geht

Susanne, ein hoffentlich zukünftiges Mitglied, sagte auf einer unserer Touren mal: „Ich bin hier nicht dabei, um die Top5 der obdachlosen Menschen kennenzulernen, ich bin hier, um einfach zu helfen und wenn es dann nur eine Person ist, dann ist das eben so.“
Auf unserer Tour von Dienstag auf Mittwoch, auf der mich Rüdiger begleitet hatte, fuhren wir bei echt fiesem Dauerregen nach Wuppertal und trafen dort eine Person an, die eigentlich schon zum Inventar gehört, solange kennen wir ihn schon.
Aufgrund einer perfekten Ortsangabe – hier irgendwo auf Facebook gepostet – und einem exakt beschriebenen Schlafplatz eines obdachlosen Menschen wollten wir schauen, ob dort alles in Ordnung ist. Wir trafen diesen Menschen auch an, er schlief allerdings tief und fest, sodass wir weiter fuhren.
+++ Dringender Aufruf: Schutz der Privatsphäre von obdachlosen Menschen +++
>>> Es ist absolut unverantwortlich und in höchstem Maße gefährlich, genaue Wegbeschreibungen, Fotos oder Hinweise auf Aufenthaltsorte von obdachlosen Menschen zu verbreiten. Solche Informationen gefährden diese besonders schutzbedürftige Gruppe erheblich und sind nicht zu entschuldigen. Obdachlose Menschen dürfen niemals zur Schau gestellt werden, um das eigene Ego zu befriedigen. Sie verdienen denselben Respekt und dieselbe Würde wie jeder andere Mensch. Es ist unvorstellbar, dass jemand preisgibt, wo diese Menschen leben, da sie ohnehin täglich Gefahren und Übergriffen ausgesetzt sind und unseren besonderen Schutz bedürfen. Das Veröffentlichen von Informationen über Schlaf- und Aufenthaltsplätze von obdachlosen Menschen zieht oft diejenigen an, die ihnen Gewalt antun oder sexuelle Übergriffe verüben. Jede derartige Beschreibung führt zu unnötigen Einsätzen von Polizei und Feuerwehr, die durch ein wenig Nachdenken leicht vermieden werden könnten. Es muss über dieses Verhalten in unserer Gesellschaft dringend nachgedacht werden. Wir von UNSICHTBAR e. V. tragen mit unseren Artikeln, medialen Auftritten (Podcast kürzlich bei @Radio Hagen) aktiv dazu bei, obdachlose Menschen zu schützen, anstatt sie durch unbedachte Aktionen zusätzlich zu gefährden. Jeder Mensch hat ein Recht auf Sicherheit und Würde – insbesondere diejenigen, die auf der Straße leben müssen. Solche Aufrufe verlängern unsere Beiträge, sind aber wichtig und müssen immer wieder geschrieben werden, so dass es auch die letzte Person erreicht, die es bisher einfach nicht verstanden hat. <<<
Irgendwann, als wir weiterfuhren, meldete sich mein Bauchgefühl und kurz drauf waren wir auf der Autobahn in Richtung Hagen. Dort ein kurzes Gespräch mit der Polizei – an dieser Stelle weiterhin gute Besserung an die Polizisten mit ihrer Erkältung – und danach dem Bauchgefühl gefolgt.
Tatsächlich trafen wir eine Person an, die in dieser Nacht unsere Hilfe brauchte. Er war klatschnass bis auf die Haut, sein Zelt, Schlafsack – eigentlich alles was er hatte, wurde geklaut oder zerstört. Wir trafen eine Person an, für die wir uns Zeit nahmen, der wir Zeit schenkten, eine Person, die die Zeit genoss, gesehen und als Mensch wahrgenommen zu werden. Sich Zeit zu nehmen für eine Person bedeutet nicht, dass wir uns für alle anderen keine Zeit nehmen. Wir müssen eben nur viel mehr die Übersicht behalten, wenn da 20 Menschen vor uns stehen, als bei einer Person, auf die wir ganz individuell eingehen können. Es ist ein Unterschied, ob nun 10, 12, 20 Menschen um uns herum stehen, die so ziemlich alle gleichzeitig reden, die alle gehört werden wollen, denen wir unmöglich die Zeit geben können, die sie verdient hätten. Selbstverständlich helfen wir ihnen durch die Ausgabe von Nahrungsmittel und dem Nötigsten, um sie durch die Nacht zu bringen und durch viel zu kurze Gespräche.
Die Hilfe, die mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger ist, sind die Gespräche, das Zuhören und die ZEIT, die wir uns für einzelne Menschen nehmen können. Die Zeit, in der wir diesen Menschen zeigen, dass sie Mensch sind und gesehen werden, mit ihnen gesprochen wird, dass ihnen zugehört wird und wir sie über Alternativen informieren, die besser sind als das Leben auf der Straße.
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EHRENAMT BEI UNSICHTBAR e. V.
Das Ehrenamt bei UNSICHTBAR e. V. besteht nicht ausschließlich aus der Arbeit auf der Straße. Bring dich zum Beispiel in der Fahrzeugpflege mit ein, sortiere, packe und waschen und reinige regelmäßig unsere Fahrzeuge, denn auch das ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.
Werde Teil von etwas Großem – werde ein Teil von UNSICHTBAR e. V.“