Wir hörten ihm zu…

Gestern waren Dirk und ich (Nicole) das erste Mal gemeinsam unterwegs. Auch als Team muss man sich erst aufeinander einschwingen, aber schon die Zusammenarbeit bei den Vorbereitungen funktionierte prima. So machten wir uns bei echter Abendhitze auf den Weg. Iserlohn und Hagen standen auf dem Plan.

Mit Iserlohn erschließen wir neues Terrain, doch dort gab es nicht viel zu tun. An einer Stelle trafen wir auf einen Mann, der inmitten seiner Taschen und Tüten saß. Als wir ihn ansprachen, antwortete er zwar, jedoch in einer Sprache, die sich keiner von uns zuordnen konnte. Doch manchmal geht es beim Verstehen nicht unbedingt um Worte, sondern vielmehr darum, sein Gegenüber wahrzunehmen. Ein Kaffee, eine Terrine und eine Flasche Wasser machten ihn bereits zufrieden. Im Gegenzug bot er uns etwas von seinen Aprikosen an. Wir lehnten zwar dankend ab, wussten die Geste aber sehr zu schätzen.

Anschließend ging es weiter nach Hagen auf die übliche Runde. Am bekannten Brennpunkt war wie immer viel los. Trotz des sehr warmen Abends waren die heißen Terrinen stark gefragt, und wir hatten alle Hände voll zu tun.

Plötzlich stand ein Mann vor mir – eher bescheidener Natur, schwer alkoholisiert und tief deprimiert über seine eigene Situation. Er erzählte, dass er vierzig Jahre gearbeitet habe und dann plötzlich alles sehr schnell gegangen sei, bis er schließlich auf der Straße landete. Seine Alkoholsucht sei so schlimm geworden, und er sei mit seiner Situation so unglücklich, dass er selbst darüber fassungslos wirkte.

Wir hörten ihm zu, gaben ihm Tipps und versuchten, ihm Mut zu machen, seine Situation zu verändern. Ob unsere Worte Früchte tragen und ob er sich heute überhaupt noch daran erinnern kann, wissen wir nicht. Doch in diesem Moment kamen sie bei ihm an.

Als wir später wieder auf dem Rückweg waren, beschäftigte uns genau dieses Erlebnis noch einmal. Unser Fazit ist klar: Man kann viel schneller in eine solche Situation geraten, als man denkt. Den wenigsten Menschen ist das bewusst. Niemand weiß, was das Leben für ihn bereithält.

Deshalb waren Dirk und ich uns einig: Es gibt keinen Grund, sich über bedürftige Menschen zu erheben. Vielmehr sollten Mitgefühl und Hilfsbereitschaft unser Weg sein, diesen Menschen zu begegnen. Mal wieder kam ich nach Hause, bewegt, aber auch dankbar, dankbar, weil es mir gut geht.